Venn – Rückkehr und Schwerstarbeit | Aktuelle Stunde
Bildquelle: WDR / Richard DerichsAktuelle Stunde . 20.08.2026. 42:35 Min.. UT. Verfügbar bis 20.08.2028. WDR. Von Claudia Beucker.
Es sind heftige Bilder aus Belgien und der Eifel. Manche Feuerwehrleute sprechen von "Endzeitstimmung" und erzählen von verkohlten Bäumen, die sie mit bloßer Hand umwerfen könnten. Menschen, die nahe der Flammen leben, mussten zeitweise ihre Häuser verlassen. Der Regen hat den Einsatzkräften geholfen, die Feuer zu bekämpfen. Aber eines bleibt: die Zerstörung von Natur- und Lebensräumen.
"Ein ökologischer Totalschaden."
Rund 3.000 Hektar Fläche haben im Hohen Venn, nahe der Grenze zu NRW, gebrannt. Es ist einer der größten Naturbrände in der Geschichte Belgiens. Die Folgen sind noch schwer einzuschätzen, aber WDR-Reporter Jochen Hilgers war beim Anblick der abgebrannten Moorflächen dermaßen erschüttert, dass er spontan von einem "ökologischen Totalschaden" sprach.
Der Waldbrand im Hohen Venn aus der Luft
Bildquelle: WDRLeon Barthel ist Biologe beim Naturschutzverein Primaklima und formuliert es ähnlich: "Es dauert nur wenige Tage, die Kohlenstoffspeicher der Moore zu zerstören, aber Jahrhunderte bis Jahrtausende, um diese wieder aufzubauen."
CO2-Speicher zerstört
Leon Barthel bei einem seiner Einsätze
Bildquelle: Leon BarthelBathel selbst war Flammen sehr nah. Er engagiert sich auch beim Katastrophenschutzverein @fire und war beim Waldbrand in Hürtgenwald im Einsatz. Durch die aktuellen Brände werde viel CO2 freigesetzt, erklärt der Biologe. Noch schlimmer sei es im Hohen Venn, denn "Moore speichern fünfmal mehr CO2 als Wälder". Wie viel CO2 genau in die Luft gelangt ist, das kann allerdings jetzt noch niemand genau sagen.
Ähnlicher Brand bereits 2018 in Niedersachsen
Aber man kann versuchen, die Dimensionen abzuschätzen, wenn man ähnliche Katastrophen zu Rate zieht. Bei einem Moorbrand im Emsland bei Meppen in Niedersachsen aus dem Jahr 2018 zeigten Untersuchungen, dass etwa 637.000 Tonnen CO2-Äquivalente freigesetzt wurden, sagt Barthel. Damals brannten insgesamt etwa 1.000 Hektar Torf und Heidekraut. Also ein Drittel der Fläche, die im Hohen Venn in Flammen stand.
Säugetiere können fliehen - Todesfalle für Amphibien
Leon Barthel steht im Hürtgenwald vor dem Waldbrand
Bildquelle: Leon BarthelDie Universität Lüttich betreibt seit Jahrzehnten eine ökologische Forschungsstation im Hohen Venn. Säugetiere oder große Huftiere hätten normalerweise Zeit, vor dem Feuer davonzurennen, sagt Laurane Winandy, Leiterin der Wissenschaftlichen Station Hautes Fagnes der Universität Lüttich. Amphibien und Reptilien, die im Sumpf- und Moorgebiet leben, seien hingegen nicht schnell genug, um zu fliehen.
"Was werden all diese Arten, seien es Reptilien oder Amphibien, tun? Sie werden im Boden Zuflucht suchen." Laurane Winandy, Universität Lüttich
Aber genau dieser Boden brennt. Eine Todesfalle für viele Tiere. Auch der WWF hat wenig Hoffnung für kleine Lebewesen, für die das Moorgebiet ein Zuhause war: "Für die Tierwelt sind sowohl die Flammen selbst als auch der Verlust des Lebensraums ein Problem."
Experten fordern nasse Moore und resistente Wälder
Um künftige Brände zu verhindern, fordert der WWF, dass entwässerte Moore wieder unter Wasser gesetzt werden. Außerdem brauche man kühle und feuchte Wälder mit unterschiedlichen Baumarten, die teilweise besser an den Klimawandel und Hitzeperioden angepasst sind. So werde die Natur "resistenter“.
Die Natur kommt zurück - aber langsam
Auch Leon Barthel sieht das ähnlich. Nach dem Brand im Emsland habe man das Moor systematisch "vernässt", Gewässer gestaut und leicht brennbare Pflanzen entfernt. Aber es dauere noch, bis sich die Natur erhole - und das wird auch in Hürtgenwald und im Hohen Venn so sein. "Neue Pflanzen sprießen relativ schnell wieder", sagt Leon Barthel. Jahrhundertalte Bäume und Moorbestände seien allerdings für lange Zeit verloren.
Hinweis der Redaktion, 21.08.2026, 13.30 Uhr: In einer vorherigen Version haben wir den Biologen Leon Barthel zitiert mit dem Satz: "Moore speichern zehnmal mehr CO2 als Wälder". Richtig ist aber, dass nach Einschätzung von Leon Barthel die Moore fünfmal mehr CO2 als Wälder speichern. Den Fehler haben wir korrigiert.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Leon Barthel, Biologe bei @fire und Primaklima
- Universität Lüttich
- NABU
- NRW Ministerium für Landwirtschaft
- WWF Deutschland
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR.de, Feuer im Hohen Venn: Was rettet unsere Moore?, 17.08.2026, 17:45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 20.08.2026, 18:45 Uhr