Angesichts der Brände im Hürtgenwald und im Hohen Venn fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in NRW mehr Tempo bei der Wiederherstellung entwässerter Moore, Wälder und Auen. "In intakten Mooren kann der Torf nicht brennen", sagte der Landesvorsitzende des Umweltverbands, Holger Sticht, am Montag.
Etwa 90 Prozent der Moore sind laut Experten entwässert. Sie wurden über Jahrhunderte hinweg zugunsten der Land- und Forstwirtschaft trocken gelegt. Im Hohen Venn sei bis heute erst ein kleinerer Teil der Hochmoorlandschaft renaturiert worden, so der BUND. Dies sei "ein Problem angesichts zunehmender Trockenperioden". Entwässerte und ausgetrocknete Moorbereiche seien besonders anfällig für Brände.
Brände in ausgetrockneten Mooren wie im Hohen Venn sind zudem schwer zu bekämpfen. "Es ist einfach kein reiner Vegetationsbrand. Moore brennen anders als Vegetation", sagt Tanja Sanders vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde. "Das Feuer breitet sich meist eher unsichtbar im Untergrund aus, das heißt, man sieht gar nicht genau, wo eigentlich der Brandherd ist."
Bund und Land seien gefordert
Der BUND fordert mehr Fördergelder von Bund und Land zur Renaturierung von Mooren, Sumpfwäldern und Auen. "Die Wiederherstellung widerstandsfähiger Landschaften ist ein wichtiger Beitrag zur Anpassung an die Klimakrise", hieß es.
"Moore speichern ungeheuer viel Wasser. Es sind somit die wichtigsten Wasserspeicher unserer Landschaft", sagt Daniel Hering, Professor für Aquatische Ökologie an der Universität Duisburg-Essen. "Und sie speichern gleichzeitig sehr viel Kohlenstoff." In den wenigen Mooren, die es in Deutschland noch gebe, so Hering, sei ähnlich viel Kohlenstoff gespeichert wie in allen Wäldern des Landes zusammen.
Mehr Hintergrundinformationen dazu, wie wichtig Moore sind, gibt es hier:
Die Moore seien "einfach zu trocken", beschreibt Inga Ahlborn die Lage. Sie ist "Moorboden-Schutzmanagerin" im Kreis Borken. Im Westmünsterland wurde erstmals in ganz NRW eine solche Funktion geschaffen. Der Kreis Borken ist laut Ahlborn der moorreichste in Nordrhein-Westfalen. Sie beobachte, "wie die Moore austrocknen und letztendlich irgendwann verschwinden". Ahlborn arbeitet vor Ort an Schutzkonzepten für Moore.
Inga Ahlborn
Bildquelle: WDR / Niklas Sticht"Moore können eine super Kohlenstoffsenke sein, und gleichzeitig ist es so, dass wenn die Moore austrocknen, sie auch sehr viel Treibhausgase freisetzen", sagt die Landschafts-Ökologin Ahlborn.
Mit einem landesweiten Fachkonzept will die Landesregierung bestehende Moore bewahren und verloren gegangene Moorflächen zu neuem Leben erwecken. "Lebendige und intakte Moore mit ihren ganz besonderen Wäldern, Böden und Gewässern haben eine große Bedeutung für die Artenvielfalt und für den natürlichen Klimaschutz", sagte Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) bereits vor drei Jahren.
Kritik an Konzept des Landes
Wie sieht die Moor-Rettungsbilanz der Landesregierung aus? BUND-Landeschef Holger Sticht äußert sich auf Anfrage kritisch zu den bisherigen Bemühungen der schwarz-grünen Landesregierung. Es sei "nicht annähernd das Potenzial erfasst worden", das bei der Renaturierung von Mooren möglich wäre. So seien zum Beispiel landeseigene Flächen "in großem Stil nicht erfasst worden", sagt Sticht. Bundes- und Landesregierung sollten Renaturierungsprojekte "priorisieren und konsequent umsetzen".
Das Hiller Torfmoor im Nordosten von NRW
Bildquelle: ddp images/Olaf Juergens"Die aktuellen Ereignisse machen auf traurige Weise einmal mehr deutlich, dass wir nicht nur aus Gründen des Klima- und Naturschutzes Ökosysteme in großem Stile wiederherstellen müssen, sondern auch um direkte Gefahren für die Bevölkerung durch Feuer oder Hochwasser abzuwenden", sagt der Landesvorsitzende des BUND.
Land will Zusammenarbeit mit Landwirten
Ein Sprecher des NRW-Umweltministeriums betonte, dass derzeit landesweit weitere Potenziale für Moorwiedervernässungen geprüft, initiiert und umgesetzt werden. Er betonte aber auch: "Moorschutz braucht Anlaufzeit und ist ein Langzeitprojekt. Da viele Flächen in Privateigentum sind, ist die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft notwendig - auf Grundlage der Freiwilligkeit."
Auch die Borkener Moorschutz-Beauftragte Inga Ahlborn warb dafür, mit allen Beteiligten an Verbesserungen zu arbeiten: "Ich würde jetzt nicht die Landwirtschaft als die große Bedrohung darstellen - eher im Gegenteil." Vielmehr müsse man kooperieren. Landwirte könnten auch davon profitieren, wenn sie angesichts der zunehmenden Trockenheit stärker von der "Schwammfunktion" der Moore profitieren.
Unsere Quellen:
- BUND laut Mitteilung und auf Anfrage
- Hering und Ahlborn in WDR-Interviews
- Sanders laut Nachrichtenagentur dpa
- Statement Umweltministerium auf Anfrage
- WDR-Recherchen
Sendung: WDR.de, Feuer im hohen Venn: Was rettet unsere Moore?, 17.08.2026, 17:45 Uhr
