Bundestag: Änderung des Transplantationsgesetzes?
Bildquelle: Spirit / WDR / mauritius images imagesAktuelle Stunde . 24.09.2026. 33 Min. 38 Sek.. Verfügbar bis 24.09.2028. WDR. Von Alexander Roettig.
In Deutschland fehlen Organspender. Im vergangenen Jahr spendeten lediglich 985 Menschen nach ihrem Tod Organe - 190 davon in NRW. Doch der Bedarf ist wesentlich höher. Um das zu ändern, berät der Bundestag über eine Neuregelung der Organspende. Statt aktiv der Entnahme von Organen nach dem Tod zustimmen zu müssen, machen sich 254 Abgeordnete aus verschiedenen Fraktionen für die Widerspruchsregelung stark. Der zufolge würde jeder erwachsene Mensch in Deutschland zum potenziellen Organspender werden, sollte er dem nicht explizit widersprechen.
Es gibt aber auch Gegenstimmen. Die Gegner der Widerspruchsregelung wollen das aktuelle Modell beibehalten, plädieren aber dafür, besser über das Thema Organspende zu informieren. Doch wie läuft eine Spende ab und was ist überhaupt möglich? Wir beantworten die sieben wichtigsten Fragen zum Thema Organspende.
Welche Organe kann man überhaupt spenden?
Die Organe, die in erster Linie gespendet werden können, sind Nieren, Herz, Leber, Lunge, Pankreas - also Bauchspeicheldrüse - und Darm. In der Regel entnehmen die Ärzte aber nur fünf der Organe. "Das hängt damit zusammen, dass Darm-Transplantationen sehr selten sind", sagt Christian Brandtner, Geschäftsführender Arzt in der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in der Region Nordrhein-Westfalen.
Neben Organen kann auch Gewebe gespendet werden. "Unter anderem die Augenhornhaut, aber auch Blutgefäße, Herzklappen und anderes", sagt Stefan Palmowski, Vorsitzender im Netzwerk Organspende NRW.
Um diese Gewebespende kümmert sich jedoch nicht die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) sondern separate Organisationen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) können nach dem Tod auch Knochen, Knorpel, Sehnen, Bänder und Haut gespendet werden.
Gibt es Organe, die Menschen nicht spenden wollen?
Viele Spender geben auf ihrem Ausweis an, dass sie ihre Augen nicht spenden wollen.
Bildquelle: dpa / Michael KappelerAuffallend ist laut Palmowski, dass viele Spender, die einen Organspendeausweis haben oder sich ins Organspende-Register eingetragen haben, auf ihrem Ausweis der Spende ihrer Augen explizit widersprechen, "und das, obwohl sie die Organspende an sich ja befürworten". Die Hemmschwelle bei den Augen ist psychologisch oft höher.
Bei einer Augenhornhautspende wird dem oder der Verstorbenen das komplette Auge entnommen und durch eine Prothese aus Glas in der Augenfarbe des Verstorbenen ersetzt, wie es auf der Website der DGFG heißt. Am entnommenen Auge wird dann die Hornhaut abgetrennt, deren Transplantation für viele Patienten die letzte Möglichkeit ist, ihr Augenlicht zu retten. "Die Erfolgsrate ist sehr hoch und viele Patient:innen erhalten ihr Sehvermögen vollständig zurück", so die DGFG.
Gibt es eine Altersgrenze für Organspende?
Nein. Ob ein Organ gespendet und transplantiert werden kann, hängt allein von dessen Zustand ab. Die DSO verweist in diesem Zusammenhang auf die älteste Organspenderin Deutschlands. Sie spendete nach ihrem Tod im Alter von 98 Jahren ihre Leber, die daraufhin erfolgreich transplantiert werden konnte.
Allerdings gibt es ein paar Sonderregeln: Spendet eine Person, die über 65 Jahre alt ist, eine Niere, geht diese auch an eine wartende Person, die ebenfalls älter als 65 Jahre ist. Nieren jüngerer Spender und Spenderinnen werden bevorzugt Kindern transplantiert, um diesen "die Chance auf eine gesunde Entwicklung zu geben", wie die DSO erklärt.
Christian Brandtner von der Deutschen Stiftung Organtransplantation
Bildquelle: DSO"Ich würde das allerdings nicht Bevorzugung nennen", sagt Christian Brandtner von der DSO. "Dadurch wird ein Nachteil ausgeglichen, weil Kinder, die beispielsweise auf eine Dialyse angewiesen sind, dadurch langfristig geschädigt werden."
Gar nicht spenden können Menschen mit akuten Krebserkrankungen oder schweren Infektionskrankheiten. Auch eine therapie-resistente Sepsis ist laut Stefan Palmowski ein Ausschlusskriterium. "Aber auch hier kann es mitunter Ausnahmen geben", sagt er. Bei anderen Erkrankungen entscheiden die Ärztinnen und Ärzte je nach Befund, ob die Organe für eine Spende in Frage kommen.
Gibt es auch für Spenden unbrauchbare Organe?
Ja, beispielsweise wenn die Organe geschädigt sind, zum Beispiel durch Alkoholkonsum, Rauchen oder chronische Erkrankungen. Kommt ein Mensch alkoholisiert bei einem Unfall ums Leben, ist das jedoch kein Ausschlusskriterium, erklärt Palmowski. "Voraussetzung ist ja, dass die Person auf einer Intensivstation liegt - eventuell auch nach einem Unfall - und der Hirnfunktionsausfall festgestellt wurde." In der Regel vergehe bis dahin Zeit, in der dann auch der Alkohol im Körper abgebaut sei.
Doch es kann auch passieren, dass Organe, die zunächst für eine Transplantation in Frage kommen, doch nicht transplantiert werden. So wurden im vergangenen Jahr nur rund 80 Prozent der Nieren, Lebern und Herzen transplantiert, die zuvor gespendet wurden. Bei Lungen lag die Quote bei gut 56 Prozent, bei Bauchspeicheldrüsen bei 48,4 Prozent.
Laut Christian hängt das unter anderem damit zusammen, dass viele der Organe, die entnommen werden, Vorschädigungen haben. "Natürlich führen wir vor der Spende schon viele Test durch", sagt er. "Trotzdem kann es passieren, dass sich nach der Organentnahme herausstellt, dass das Organ nicht in Ordnung ist oder doch nicht zum Empfänger passt."
Können Angehörige der Organspende widersprechen?
Hat ein Organspender vor seinem Tod einen Organspendeausweis ausgefüllt oder sich im Organspende-Register als Spender eingetragen, so hat sein Wille Vorrang. Das heißt, dass die Angehörigen nicht bestimmen können, dass seine Organe nicht entnommen werden. Sie müssen daher auch nicht gefragt werden.
Anders sieht es aus, wenn kein Organspendeausweis vorliegt. Dann werden die Angehörigen gebeten, eine Entscheidung zu treffen, die ihrer Vermutung nach dem Willen des Verstorbenen entspricht.
Gilt ein Organspende-Tattoo als Einwilligung?
Ein Organspende-Tattoo ist hübsch, rechtlich binden jedoch nicht.
Bildquelle: dpa-tmn/Fabian SommerNein. Laut DSO stellt eine Tätowierung mit dem Organspende-Symbol keine "rechtlich bindende Grundlage" dar, nach der über eine Organspende entschieden werden kann. Ein solches Tattoo könne aber den Angehörigen als Anhaltspunkt für ihre Entscheidung helfen.
Können sich Angehörige nach der Organentnahme vom Verstorbenen verabschieden?
Ja. Dieser Punkt ist der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sehr wichtig. "Bei der Organentnahme ist der respektvolle Umgang mit dem Spender oberstes Gebot", heißt es dazu. Dafür erfolge die Organspende unter den gleichen Bedingungen wie jede andere Operation. "Die
Ärzte verschließen die Operationswunde sorgfältig und übergeben den Spender in würdigem Zustand." Auf diese Weise haben die Angehörigen nach der Organentnahme die Möglichkeit, den oder die Verstorbene noch einmal zu sehen und sich zu verabschieden.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Stefan Palmowski, Vorsitzender im Netzwerk Organspende NRW
- Gespräch mit Christian Brandtner, Geschäftsführender Arzt der DSO-Region NRW
- Jahresbericht 2025 der Deutschen Stiftung Organspende
- Website der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation
- Nachrichtenagenturen dpa, AFP
Sendung: WDR aktuell, Neue Organspende-Regeln, 24.09.2026, 12:45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 24.09.2026, 18:45 Uhr
