Neue Organspende-Regeln | WDR Aktuell
Bildquelle: WDRWDR. 3 Min. 1 Sek.. Verfügbar bis 24.09.2028.
Lungenspende mit 85 : Sind ältere Menschen keine guten Organspender?
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In NRW warten fast 2.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Der Bedarf kann bei weitem nicht gedeckt werden. Ein Grund: Viele ältere Menschen glauben, dass sie nicht mehr als Spender infrage kommen. Warum es sich dabei um einen Irrtum handelt und eine Kampagne gerade jetzt darauf aufmerksam macht.
Überzeugt von Organspende war Günter Breitenberger schon früh. Seinen ersten Organspende-Ausweis füllt er mit 18 Jahren aus. Damals hätte er nicht gedacht, dass er mal selbst auf eine Organspende angewiesen sein wird. Doch mit 44 Jahren fängt sich der Wittener einen bakteriellen Infekt ein, der nicht vergeht. Die Erkrankung greift sein Herz an, bis er wegen hochgradiger Herzschwäche in Lebensgefahr schwebt. Er braucht ein neues Herz.
Günter Breitenberger setzt sich für das Thema Organspende ein.
Bildquelle: PrivatIhm bleiben in seinem damaligen Zustand etwa drei bis vier Monate, sagen die Ärzte. Die Wartezeit bis zur Organspende kann aber Jahre dauern. Zuerst wird ihm ein Kunstherz implantiert - eine Übergangslösung. Nach zwei Jahren folgt dann die OP mit einem Spenderherz. "Das hätte ich damals nicht mehr lange durchgestanden", sagt er rückblickend. Und spricht seitdem von seinem "Bonus-Leben".
Neue Organspende-Kampagne richtet sich an Ältere
2025 wurden in NRW 190 Menschen nach ihrem Tod zu Organspendern, so die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Auf der Warteliste standen im selben Jahr 1.908 Personen. Weil jede Spende Leben retten kann, wendet sich das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit seit dieser Woche mit einer Aufklärungs-Kampagne an eine bestimmte Altersgruppe, die oft nicht weiß, dass sie spenden kann - Menschen in höherem Alter.
Weit verbreitet sei die Fehlannahme, dass es eine Altersgrenze für die Organspende gibt, sagt Daniela Watzke, Fachreferentin des Bundesinstituts. Entscheidend sei aber der Zustand der Organe. In Deutschland war der älteste Organspender einer Lunge im vergangenen Jahr 85 Jahre alt.
Die Kampagne "Organ- und Gewebespende - Ihre Entscheidung kennt kein Alter!" spricht deshalb vor allem Menschen ab 56 Jahren an, die laut Befragung des Instituts vermehrt angeben, sich wegen ihres Alters bisher nicht mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt zu haben.
Aufklärungsarbeit statt Überzeugungsarbeit
"Dafür bin ich doch viel zu alt". Diesen Satz kennt auch Günter Breitenberger. Mittlerweile ist er 59 Jahre alt und weiterhin als potentieller Spender registriert. Die eigene Herztransplantation war für ihn damals der Grund, einen Schritt weiter zu gehen. Seit 2018 ist er einer der Vorsitzenden des Vereins "Selbsthilfe Organtransplantierter NRW". Bei Aufklärungsaktionen, etwa an Infoständen, kommt er mit Passanten ins Gespräch.
Wer vom Organspenden überzeugt sei, habe sich wohlmöglich bereits in jungen Jahren im Organspende-Register eingetragen oder einen Organspende-Ausweis ausgefüllt. Wer das im Alter nicht getan habe, habe sich oft noch nicht damit auseinandergesetzt, so Breitenberger. "Das ist so ein Thema, wo man sich mit dem eigenen Tod beschäftigen muss. Gesunde Menschen, die nie einen Krankheitsfall hatten, machen sich dazu weniger Gedanken. Das sind dann oft die Gespräche, wo nicht die Überzeugungsarbeit, sondern einfach Aufklärungsarbeit wichtig ist."
Debatte über Widerspruchsregelung im Bundestag
Anlass der Kampagne des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit sind drei Gesetzentwürfe zur Organspende, die heute im Bundestag debattiert wurden. Zwei befürworten die sogenannte Widerspruchsregelung. Mit ihr müsste einer potenziellen Organspende nicht, wie bisher, zugestimmt werden, sondern ihr zu Lebzeiten widersprochen werden.
Möglich wäre das auch über einen "erweiterten Widerspruch": Das heißt, auch Angehörige oder der Hausarzt könnten nach dem Tod mitteilen, der Betroffene habe sich gegen die Organspende ausgesprochen. Varianten der Widerspruchsregelung gibt es bereits in anderen Ländern in Europa, unter anderem in Frankreich, Finnland und Belgien. Breitenberger setzt sich für eine solche Regelung ein.
"Man hat immer die Möglichkeit, Nein zu sagen. Ich finde es extrem wichtig, sich einmal im Leben zu entscheiden: Was soll nach meinem Tod passieren?" Günter Breitenberger
Auch die Universitätskliniken in NRW haben sich in einem gemeinsamen Papier für die Widerspruchsregelung ausgesprochen. Fordern aber auch weitere Maßnahmen, damit etwa Menschen mit Sprachbarrieren und psychischen oder kognitiven Einschränkungen nicht mit der Entscheidung über ihren Körper allein gelassen werden. Wie sich der Bundestag und der Gesundheitsausschuss in den kommenden Monaten entscheiden werden, ist noch nicht absehbar.
Unsere Quellen:
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
- Universitätsklinikum Münster
- Deutsche Stiftung Organtransplantation
- Gespräch mit Günter Breitenberger
- Herz und Diabeteszentrum NRW
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 24.09.2026, 12:45 Uhr