Michael Schoppe und Stefan Fennrich sind im Kindesalter Opfer sexualisierter Gewalt geworden. Durch zwei Geistliche der katholischen Kirche. Schoppe in Netphen im Siegerland, Fennrich in Werl im Kreis Soest. Sie haben sich nun, Jahrzente später, gemeinsam einen Anwalt genommen. Er werde in den nächsten Tagen beim Landgericht Paderborn die Klagen einreichen. Dies solle möglichst noch während der Libori-Festivitäten geschehen, sagt Michael Schoppe dem WDR.
Zeitpunkt bewusst gewählt
Das Erzbistum Paderborn feiere sich in diesen Tagen unter dem Libori-Motto "Mittendrin". Die Kirche habe diesen Leitgedanken gewählt, um auszudrücken, dass dieses Glaubens- und Volksfest die Menschen zusammenbringe, so Schoppe. Er fragt: "Wo sind die Betroffenen?"
Wer das Wort "mittendrin" als feierlichen Werbeslogan nutze, blende das Leid aus, das durch Vertreter dieser Kirche angerichtet worden sei. Während gefeiert werde, würden die Opfer kirchlicher Gewalt einmal mehr an den Rand gedrängt.
"Ich bin nicht bereit, diese heile Libori-Kulisse ungestört zu lassen." Michael Schoppe, Betroffener sexualisierter Gewalt
Schoppe will erreichen, dass sexualisierte Gewalt nicht mehr verjähren kann. Er selbst habe von der katholischen Kirche Entschädigungszahlungen von 68.000 Euro erhalten. Doch darum allein gehe es nicht.
Gerechtigkeit für alle Betroffenen
Stefan Fennrich hat mehr als 60 Jahre gebraucht, um über seine Erlebnisse sprechen zu können. Allerdings habe er sich den heutigen Verantwortlichen in der katholischen Kirche noch nicht anvertraut. Bei einer ersten Kontaktaufnahme vor drei Jahren sei sehr unsensibel mit ihm umgegangen worden. Dies habe zu einer Retraumatisierung geführt. Erst jetzt sei er wieder einigermaßen gefestigt.
Notfalls bis vor den Bundesgerichtshof
Eine Zivilklage ist auch immer ein finanzielles Risiko. Niemand weiß im Vorfeld, wie Prozesse ausgehen. Gehen sie verloren, kann es teuer werden. Deshalb hat sich Michael Schoppe seine Entscheidung genau überlegt. Der 59-Jährige erklärt, dass ihn eine Stiftung finanziell unterstütze. Sie werde ihn notfalls bis vor den BGH begleiten.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Michael Schoppe
- Gespräch mit Stefan Fennrich
- Gespräch mit Rechtsanwalt Christian Roßmüller
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Ostwestfalen und Lippe, 24.07.2026, 17:30 Uhr
