Sechs Stunden war Jens Benkenstein mit seinem 64 Jahre alten Unimog aus Sachsen-Anhalt am ersten Tag unterwegs. Am nächsten Morgen noch einmal zweieinhalb bis drei. Schneller als etwa 40 Stundenkilometer fährt er auf solchen Touren selten. Sein Unimog 411 Cabrio, Baujahr 1962, schafft zwar 53 km/h - "die ganze Zeit möchte ich es nicht quälen". Den Wagen holte Benkenstein aus Frankreich. Sechs Winter lang restaurierte er ihn.
"Also, ich mache es immer bloß im Winter. Im Sommer habe ich anderes zu tun. Im Winter bin ich dann von Oktober bis März in der Werkstatt und mache sowas." Jens Benkenstein aus Wünsch in Sachsen-Anhalt
Jens Benkenstein aus Wünschen in Sachsen-Anhalt vor seinem restaurierten Unimog beim Sommertreffen in Verl.
Bildquelle: WDR/ Marvin H. KonradDrei Unimogs besitzt er inzwischen: Zwei fahrbereite und einen dritten, an dem noch gebaut wird. Am Freitag reiht sich sein Fahrzeug in Verl in lange Reihen aus kleinen, fast spielzeugartig wirkenden Modellen, großen Arbeitsmaschinen, restaurierten Schmuckstücken und Fahrzeugen mit Rost und abblätterndem Lack ein. Motoren rattern, es riecht nach verbranntem Sprit. Manche Unimogs kommen auf eigener Achse, andere auf Anhängern.
Unimog Veteranen Club: "Wie eine große Familie"
Mehr als 450 Teilnehmende hatten sich vorab für das Sommertreffen des Unimog Veteranen Clubs angemeldet. Veranstalter Jochen Schäfer rechnet mit rund 500 Fahrzeugen. Für ihn ist Verl "wahrscheinlich das Größte, was wir bis jetzt gemacht haben". Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland. Zwischen den Fahrzeugen sitzen Familien, Freundesgruppen sowie Liebhaber des Unimogs zusammen.
"Viele Leute sind mit diesem Unimog groß geworden. Haben in ihrer Jugend damit auf Feldern und im Forst gearbeitet. Und haben sich jetzt praktisch ihre Jugend zurückgeholt." Veranstalter Jochen Schäfer vom Unimog Veteranen Club
Jürgen Schäfer vom Unimog Veteranen Club organisierte das Treffen.
Bildquelle: WDR/ Marvin H. KonradFür Meinolf Thomas aus Salzkotten ist genau das der Reiz: Der Club sei "wie eine große Familie". Thomas besitzt seinen Unimog 417 seit rund 14 Jahren. Seine Begeisterung begann als Kind, als er mit seinem Vater bei einer Landmaschinenwerkstatt in Salzkotten war. Später erfüllte er sich den Traum vom eigenen Unimog.
Unimog - alte Technik, große Faszination
Die Geschichte des Unimog begann vor rund 80 Jahren. Entwickelt wurde er als vielseitiges Fahrzeug für Landwirtschaft und Transport. Mehr als 375.000 Unimogs wurden seit 1949 gebaut. Heute räumen sie Schnee, helfen bei Waldbränden oder fahren dort weiter, wo andere Fahrzeuge aufgeben.
Meinolf Thomas aus Salzkotten vor seinem in Erfüllung gegangenen Kindheitstraum: Sein eigener Unimog.
Bildquelle: Marvin H. Konrad/WDRFür Benkenstein liegt die Faszination trotzdem weniger in Rekorden als im Schrauben: alte Technik, die sich noch selbst reparieren lässt. Und in der Fahrt selbst. Wer sonst, sagt er, setze sich freiwillig in so ein Fahrzeug und fahre mit 40 km/h stundenlang durchs Land? "Es macht einfach nur Spaß."
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und eigene Recherche des WDR-Reporters vor Ort
- Interview mit den Besuchern Meinolf Thomas aus Salzkotten und Jens Benkenstein aus Wünsch (Sachsen-Anhalt)
- Interview mit Veranstalter Jochen Schäfer vom Unimog Veteranen Club
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Ostwestfalen und Lippe, 14.08.2026, 16:30 Uhr
