Konstantin Wodowos steht hinter seinem Fahrrad an dem zwei Anhänger befestigt sind.

Konstantin Wodowos will mit seinem Fahrrad umziehen.

Bildquelle: Jana Haver

400 km-Umzug mit dem Fahrrad "Ich würde es nicht nochmal machen"

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Ein Student zieht mit Fahrrad und DDR-Anhängern von Berlin nach Detmold - mit Pannen, Schmerzen und großer Hilfsbereitschaft.

Konstantin Wodowos (26) beginnt heute sein Studium an der TH OWL in Detmold. Die vergangenen zehn Tage war er mit seinem Umzug beschäftigt. Hinter ihm liegen über 400 Kilometer Strecke und 2.000 Höhenmeter, die er mit seinem Fahrrad und zwei 50 Jahre alten DDR-Motorradanhängern gefahren ist.

Erschöpft, aber auch glücklich und ein bisschen stolz, kam er am Sonntagnachmittag mit seinem etwa vier Meter langen Gefährt in Detmold an. "Ich bereue es absolut nicht, aber ich würde es auch nicht nochmal machen", sagte er. "Es ist cool, die Erfahrung gemacht zu haben, aber so wirklich Spaß gemacht, hat das nicht."

Konstantin Wodowos steht mit seinem Fahrrad vor einem Gebäude
"Ich habe immer das Gefühl, ein bisschen aus der Reihe tanzen zu wollen und liebe das Abenteuer." Konstantin Wodowos

Los ging es in Berlin

Bevor Wodowos seinen Umzug starten konnte, musste einiges vorbereitet und organisiert werden. "Ich hatte die Idee, mit dem Fahrrad umzuziehen, weil ich mich auf dem Fahrrad frei fühle und Autos nicht mag", sagt er. "Aber dann blieb die Frage, wie transportiere ich meine ganzen Sachen?" Im Internet kaufte er sich zwei 50 Jahre alte DDR-Anhänger.

Konstantin Wodowos schaubt an einem Reifen.

Vor der Reise hat Konstantin Wodowos noch viel an seinen Anhängern geschraubt.

Bildquelle: Jana Haver

Zehn Tage hatte er sich für den Umzug Zeit genommen. Sein Zelt wollte er da aufschlagen, wo es gerade passte. Ob der Umzug so klappen würde, wusste er nicht. "Mich macht es glücklich, mich selbst zu challengen", meinte er, während er an den rostigen Anhänger-Reifen schraubte. "Am meisten Sorgen machen mir meine Knie. Ich bin ziemlich untrainiert und das könnte bei der starken Belastung auf dem Fahrrad schon ein Problem werden." Außerdem hoffte er, dass sowohl das Fahrrad als auch die teils rostigen Anhänger überhaupt halten würden. "Solche Nervenkitzel machen den Umzug besonders", lachte er.

Die ersten Tage durch Berlin und Brandenburg

Nachdem die Anhänger voll beladen waren, mit Klamotten, seinem Computer und mehreren Bildschirmen, ging es los. Langsam, etwas holprig, über die Detmolder Straße in Berlin Richtung Ostwestfalen.

Ein voll beladenes Fahrrad mt Anhängern neben einem Zelt im Wald.

Das Zelt wird da aufgebaut, wo es gerade passt.

Bildquelle: Privat/Konstantin Wodowos

Am ersten Tag schaffte er knapp 50 Kilometer und schlug sein Zelt an der Belizer Heilstätte in Brandenburg auf. "Der erste Tag war sehr erfolgreich", resümierte er. "Das Ding ist nicht zusammengebrochen. Ich hatte keinen Platten, keinen Unfall, es hat nicht geregnet und es ist alles top gelaufen."

Schreckliche Fahrradwege und erste Rückschläge in Sachsen-Anhalt

Das Wetter war gut, die Landschaft schön und Wodowos genoss die Fahrt durch die Natur. Schon nach zwei Tagen war er in Sachsen-Anhalt. Doch hier änderten sich plötzlich die Fahrradwege. "Was ich unterschätzt habe, ist der Untergrund", sagte er. Er musste häufig absteigen und sein Gefährt schieben. Das kostete ihn Zeit und Kraft. Er kam nicht so schnell voran, wie gedacht, und fuhr auch im Dunkeln weiter.

Konstantin Wodowos steht hinter seinen voll gepackten Anhängern

Die beiden Anhänger sind voll gepackt.

Bildquelle: Privat/Konstantin Wodowos

Auch wenn Wodowos vor seiner Reise Einiges vorbereitet hatte, kamen die alten Anhänger und auch sein Fahrrad irgendwann an ihre Grenzen. Auf einem holprigen Waldweg mitten in der Nacht ging dann die Kupplung kaputt und ein Anhänger kippte um. Nach kurzer Überforderung entschied er sich, sein Zelt spontan direkt am Weg aufzuschlagen und die Kupplung am nächsten Tag zu reparieren. "Dort musste ich dann neben einem Militärgebiet schlafen", erinnert er sich. Am nächsten Morgen reparierte er die Kupplung provisorisch und fuhr weiter.

Gegenwind, nette Helfer und Knieprobleme in Niedersachen

In Niedersachsen wurden die Fahrradwege wieder besser, doch dann brach bei Braunschweig auch noch die Achse vom Fahrrad. "Zum Glück habe ich von einer zufällig vorbei fahrenden Person Hilfe bekommen", meint Wodowos. "Der Mann hat mich mitgenommen und zum Fahrradladen gebracht." Anschließend durfte Wodowos in seinem Garten zelten.

Mit neuem Reifen ging es am nächsten Morgen weiter Richtung Detmold. Der Wind machte es Wodowos nicht einfach. In Hildesheim lagen etwa drei Viertel des Umzugs hinter ihm, aber jetzt schien sich auch Wodowos größte Sorge zu bewahrheiten. "Meine Knie schmerzen. Sie sind nicht für so eine Belastung gemacht", sagte er frustriert. "Wenn die Schmerzen nicht besser werden, muss ich das Ganze abbrechen."

Konstantin Wodowos sitz auf einer großen Bank, im Vorderung steht ein Fahrrad mit Anhängern

Konstantin Wodowos genießt seinen Umzug trotz aller Widrigkeiten.

Bildquelle: privat/Konstantin Wodowos

Er tapte seine Knie, nahm Schmerzmedikamente und rüstete sein Fahrrad so um, dass er in kleineren Gängen fahren konnte, um die Belastung zu reduzieren. Die meisten Höhenmeter lagen zu diesem Zeitpunkt aber noch vor ihm.

"Das Knie macht mit psychisch fertig, weil ich das nicht beeinflussen kann. Fahrräder kann man reparieren. Knie müssen ausheilen. Das kostet Zeit, die ich nicht habe." Konstantin Wodowos

Die letzten 50 Kilometer mit einigen Höhenmetern bis Detmold

In Hameln traf Wodowos auf eine Familie, die ihn kurzerhand zu sich nach Hause einlud. Dort tankte er Kraft für die letzten 50 Kilometer mit vielen Höhenmetern. Er setzte sich selbst unter Druck. "Ich habe keinen Plan B", sagte er.

Doch auch von den letzten Steigungen ließ er sich nicht aufhalten. Samstag erreichte er NRW, fuhr durch Lippe und kam am Sonntagnachmittag in Detmold an. "Ich bin in einer gewissen Weise überwältigt. Ich stand zu Hause, habe alles zusammengebaut und beladen und ich habe zu mir selber gesagt: Das ist die dümmste Idee, die ich jemals hatte", sagte Wodowos. "Wenn man mit dieser Einstellung ran geht und es dann klappt, ist das irgendwie surreal, aber auch erfüllend."

Konstantin Wodowos auf seinem Fahrrad vor einem Gebäude der TH OWL

Konstantin Wodowos hat es bis nach Detmold geschafft.

Bildquelle: Jana Haver

Die Highlights seiner Reise waren ganz klar die Begegnungen mit Menschen – sei es durch Anbieten von Getränken, Hilfe beim Reparieren oder das spontane Bereitstellen von Schlafplätzen.

Unsere Quellen:

  • Gespräche mit Konstantin Wodowos vor, während und nach seiner Reise
  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

Umzug mit dem Fahrrad von Berlin nach Detmold

WDR 28.09.2026 3 Min. 34 Sek. Verfügbar bis 27.09.2028

Sendung: WDR.de, Umzug mit dem Fahrrad von Berlin nach Detmold, 28.09.2026, 06:37 Uhr

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