Teutoburger Wald ein Wildtrüffelwald
Bildquelle: WDRWDR. 2 Min. 38 Sek.. Verfügbar bis 02.09.2028.
Trüffel im Teutoburger Wald : Wie selten sind Trüffel bei uns wirklich?
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Trüffel stehen bei uns seit den 1980er Jahren auf der roten Liste der streng geschützen Arten. Sie dürfen nicht gesammelt werden. Wer es trotzdem tut, riskiert eine hohe Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro. Tassilo Pöter ist Trüffelexperte, betreibt seit Jahren eine Trüffelplantage in Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke. Der 44-Jährige sagt: Trüffel sind bei uns alles andere als selten, unsere Wälder sind voll davon. Auf die rote Liste gehören sie seiner Meinung nach schon lange nicht mehr.
Das Laub raschelt unter den Schritten von Tassilo Pöter. Es riecht nach Wald. Der Trüffelexperte nimmt uns mit auf die Suche nach "Tuber aestivum", dem Sommer-Trüffel. Der steht in Deutschland auf der roten Liste bedrohter Arten, gilt offiziell als sehr selten.
Dennoch dauert es nicht lange, bis Spürhündin Leya das erste Mal anschlägt. Was sie gerochen hat, ist ein reifer Sommer-Trüffel, mitten im Teutoburger Wald.
"Die stehen auf der roten Liste, die gibt es offiziell in Deutschland so gut wie gar nicht. (...) In Wirklichkeit ist der Trüffel ein weit verbreiteter Pilz, wenn die Böden stimmen." Tassilo Pöter, Trüffelexperte
Trüffel sammeln ist in Deutschland streng verboten
Seit Jahren durchstreift der 44-Jährige die Wälder auf der Suche nach Trüffeln. Er hat dafür verschiedene Ausnahmegenehmigungen. Er darf die Trüffel nur zur Bestimmung entnehmen, nicht zum Verzehr oder gar Verkauf. Das gilt für ihn wie für alle anderen.
Tassilo Pöter mit Hündin Leya auf Trüffelsuche
Bildquelle: WDRPöters Interesse liegt auch woanders: Er studiert die Lebensbedingungen der Wildtrüffel. Wie ist der Boden beschaffen? Welche Pflanzen wachsen da, wo sich der Edelpilz wohlfühlt? Seine Erkenntnisse setzt er dann auf seinen Trüffelplantagen in NRW und Niedersachsen um.
Trüffelführerschein?
Und obwohl er vom Verkauf der Plantagentrüffel lebt, sagt er: Trüffel sollten von der roten Liste gestrichen werden und das Sammeln der kostbaren Pilze unter bestimmten Voraussetzungen und im Einklang mit der Natur erlaubt sein. Er denkt dabei an eine Art Trüffelführerschein in Verbindung mit Trüffelpachten bei den Waldbesitzern.
"Unser ganzer Wald ist voller Wild und trotzdem gehen nicht alle hin und schießen es ab. Man muss dafür eine Prüfung ablegen", sagt Pöter. "Genau so könnte ich mir das vorstellen für Deutschland."
600 bis 1.000 Euro für ein Kilo Trüffel
Unterstützt wird Pöter in seiner Meinung auch von dem Pilzsachverständigen Benjamin Haag aus Münster. Der 49-Jährige könnte sich Trüffelpachten bei uns ebenfalls gut vorstellen. Durch eine kontrollierte Trüffelernte in unseren Wäldern könnte die heimische Wirtschaft gestärkt werden. Bislang wird ein Großteil der Edelpilze aus dem Ausland importiert. Das Kilogramm kostet je nach Jahreszeit zwischen 600 und 1.000 Euro.
Das Kilo Trüffel kostet je nach Jahreszeit zwischen 600 und 1.000 Euro.
Bildquelle: WDRTrüffel von der roten Liste zu nehmen und somit quasi für jeden frei zugänglich zu machen, hält Haag allerdings für falsch. Er befürchtet, das könnte zu einem Raubbau in der Natur und der Zerstörung ganzer Lebensräume führen, wie es zum Teil jetzt schon in Ländern wie Rumänien der Fall ist. Das solle seiner Ansicht nach auf jeden Fall verhindert werden.
Deutschland war einmal ein Trüffelland
Nach einer knappen Stunde hat Trüffelspürhündin Leya mehrere Dutzend mal angeschlagen. Jedes Mal ein reifer Sommer-Trüffel. Und jedes Mal bleibt er unberührt im Boden.
Leberwurst aus der Tube als Belohnung für Trüffelspürhündin Leya
Bildquelle: WDRFrüher, so Pöter, war Deutschland ein Trüffelland. Das Wissen um die edlen Pilze sei irgendwann in den 1930-er bis -40er Jahren verloren gegangen. Warum das so ist, dazu gibt es verschiedene Theorien, aber ganz genau weiß man es nicht, sagt der 44-Jährige.
"Wir haben alte Karten aus der Gegend hier gefunden, wo steht: Trüffelgrund hier, Trüffelfund da. Und wenn ich durch den Wald geh, treffe ich Menschen, die sagen: früher hat mein Opa hier Trüffel gesucht." Tassilo Pöter, Trüffelexperte
Der Trüffel sollte sein Schattendasein bei uns endlich beenden. Denn er ist alles andere als selten in unseren Wäldern zu finden, könnte ein gute Einnahmequelle sein und nicht zuletzt unsere Speisekarten bereichern. Da ist sich Tassilo Pöter sicher.
Unsere Quellen:
- Waldexkursion mit Tassilo Pöter
- Gespräch mit Pilzsachverständigem Benjamin Haag
Sendung: WDR.de, Teutoburger Wald ein Wildtrüffelwald, 03.09.2026, 05:01 Uhr
