Ferris und Stella Fechner knien vor einer Kerze am Bahnhofsparkplatz in Bad Oeynhausen.
Bildquelle: WDR/ Noah BrümmelhorstMitten auf dem Parkplatz am Bahnhof in Bad Oeynhausen steht ein Baum. Ferris und Stella Fechner stellen dort Kerzen und eine Blume auf - und platzieren ein schwarz-weiß Foto von ihrem Vater Wilfried. Dann nehmen sich die Geschwister in den Arm, Tränen fließen.
86-Jährige überfährt Familienvater
Es war der 6. Juli 2026. Wilfried Fechner hatte gerade einen Parkschein gezogen und wollte zu seinem Wagen. Eine 86-jährige Autofahrerin verlor beim Rückwärtsausparken die Kontrolle. Ihr Auto beschleunigte, schoss in einer Linkskurve um den Baum und erfasste den vierfachen Familienvater. Neun Tage später starb er auf der Intensivstation an seinen schweren Verletzungen.
Ferris erzählt davon sehr genau. Manchmal lacht er sogar. Vielleicht hilft ihm das, mit dem Tod seines Vaters umzugehen. "Niemals im Leben hätte ich damit gerechnet, jetzt meinen Vater zu verlieren - und auch nicht durch so absurde Umstände."
Hier war Ferris Fechner noch mit seinem Vater Wilfried im Urlaub.
Bildquelle: WDR/ Noah BrümmelhorstKein Generationenkonflikt, keine Altersdiskriminierung
Aus dem Verlust des Vaters ist eine politische Forderung geworden. Ferris, 24, studiert in Paris Volkswirtschaft, seine Schwester Stella will Lehrerin werden.
Er fordert, dass die Fahreignung im Alter medizinisch überprüft werden kann. Nicht jeder ältere Mensch solle zum Test. Ihm gehe es ausdrücklich nicht um einen Generationenkonflikt, den er damit befeuere.
Wieso Fahreignung überprüft werden sollte
Sein Ziel ist ein Schutzmechanismus für Menschen, die nachweislich nicht mehr sicher fahren können und so andere Menschen gefährden. Denkbar wäre, dass ein Arzt Alarm schlagen kann und bei bestätigter Fahruntauglichkeit ein Führerscheinentzug eingeleitet wird.
"Meine Überzeugung ist, dass ab einem gewissen Alter, Fahrtauglichkeitsprüfungen rechtfertigbar sind." Ferris L. Fechner
Ferris stellt dafür eine einfache Frage: "Warum müssen Menschen eigentlich nicht zum TÜV?" Die Idee dahinter ist ein Vergleich, der hängen bleibt: Autos werden regelmäßig auf ihre Verkehrssicherheit überprüft. Beim Menschen dagegen wird die körperliche und medizinische Fahreignung nach dem Führerscheinerwerb grundsätzlich nicht regelmäßig kontrolliert. Genau diese Lücke will die Familie Fechner zur Debatte stellen.
Aber junge Menschen bauen doch viel mehr Unfälle?
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus 2025 zeigen: 18- bis 24-jährige Autofahrer waren bei ca. 66 Prozent der Unfälle mit Personenschaden Hauptverursacher. Bei den mindestens 65-Jährigen waren es ca. 68 Prozent. Das sind die statistischen Spitzenwerte und sie zeigen: Jung und Alt sind am häufigsten schuld.
Auch Unfallursachen unterscheiden sich. Älteren wird häufiger Missachtung von Vorfahrt und Vorrang sowie Fehlverhalten beim Abbiegen, Wenden, Rückwärts- und Einfahren vorgeworfen. Jüngere fallen dagegen häufiger durch zu geringen Abstand, nicht angepasste Geschwindigkeit oder Alkohol auf. Senioren sind zudem insgesamt seltener an Unfällen mit Personenschaden beteiligt, unter anderem weil sie weniger Auto fahren.
Ferris und Stella Fechner kehren zum Ort des Geschehens zurück: dem Bahnhofsparkplatz in Bad Oeynhausen.
Bildquelle: WDR/ Noah BrümmelhorstPetition zur Fahreignung ins Leben gerufen
Ferris will deshalb keine pauschale Einschränkung. Wer seinen Führerschein abgibt, brauche gute Alternativen, damit Mobilität und Selbstständigkeit erhalten bleiben. Trotzdem fordert er eine öffentliche Debatte und hat eine Petition angestoßen: "Leben retten: Fahreignung medizinisch überprüfen". Seit dem 8. September haben mehr als 50.000 Menschen unterschrieben.
Auch in Europa wird darüber gestritten. Finnland verlangt medizinische Tests für Fahrer ab 70, Portugal bereits ab 60. Eine EU-weite Pflicht wurde 2024 nicht beschlossen. Die Mitgliedstaaten können selbst entscheiden, ob sie ärztliche Untersuchungen oder andere Verfahren verlangen. Der damalige deutsche Verkehrsminister Volker Wissing lehnte verpflichtende Checks ab.
Ferris fordert eine öffentliche Debatte
Ferris weiß, dass keine Prüfung dieser Welt seinen Vater zurückbringen wird. Aber er möchte, dass aus dieser Tragödie mehr bleibt als eine Erinnerung an einen tödlichen Unfall. "Ich wünsche mir, dass die deutsche Öffentlichkeit darüber eine produktive Debatte führt."
Unsere Quellen:
- Interview mit Ferris L. und Stella V. Fechner
- Petition auf Change.org
- Statisches Bundesamt: Unfallstatistik
- tagesschau.de-Artikel
- Pressestelle Polizei Minden-Lübbecke
Sendung: WDR.de, "Warum müssen Menschen eigentlich nicht zum TÜV?", 23.09.2026, 05:09 Uhr

10 Kommentare
Kommentar 10: Alex schreibt am 23.09.2026, 19:36 Uhr :
Bis eben habe ich noch gedacht, dass ältere Menschen häufiger Unfälle bauen. Das ist doch irgendwie auch logisch, da alle Sinne mit dem Alter nachlassen. Nach dem Lesen der Statistik von Destatis ist mir aber klar geworden, dass ältere Menschen sogar weniger Unfälle verursachen. Und interessanterweise unproportional häufig unter den Todesopfern zu finden sind, also eher darunter leiden.
Kommentar 9: McNair schreibt am 23.09.2026, 18:23 Uhr :
Fakt ist, dass jüngere Fahrer den Löwenanteil der Verkehrsunfälle mit Personenschäden verursachen, nämlich 22%; Senioren mit ca. 15%. Junge Erwachsene verursachen also, gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, überproportional viele Unfälle. Ich denke da z.B. an all die prolligen Raser nach Fußballspielen... alles junge Fahrer, auch der, der den Mann in Hamburg totfuhr. Nun muss man mal fragen, was der Hass gegen Senioren soll, zumal man ja mitunter auch häufiger zum Arzt fahren müssen und auch einkaufen mit dem ÖPNV schwer ist. Erschwerend hinzu kommt, dass der ÖPNV auf dem Land unmöglich ist, damit schwere Einkäufe zu verbringen erst recht. Wer jetzt denkt, die Polemik "Sollen sie doch in die Stadt ziehen." wäre ein Argument, kann ja mal Renten mit innerstädtischen Mieten vergleichen. Das System macht es Senioren vorsätzlich schwer und teuer. Also hört bitte auf zu Hetzen, denn es ist nichts anderes, auch wenn VUs mit Todesfälle traurig sind.
Kommentar 8: Herrmann schreibt am 23.09.2026, 17:50 Uhr :
Hier zeigt sich unter einem Mäntelchen wieder einmal die Egozentrik der jungen Gesellschaft. Nur weil eine Familie durch einen wirklich tragischen Unfall ein Mitglied verloren hat, wird der Anspruch abgeleitet, eine Forderung gegenüber allen anderen durchsetzen zu können. Schon um des Prinzips willen muss man mit aller Kraft dagegen kämpfen. Und dann wäre natürlich auch noch über den Inhalt der Forderung und Themen wie Gerechtigkeit oder Verhältnismäßigkeit zu diskutieren.
Kommentar 7: Anonym schreibt am 23.09.2026, 17:12 Uhr :
Ich finde auch einen Sehtest sehr wichtig. Der reicht ja von 18 bis 98….
Kommentar 6: Olaf schreibt am 23.09.2026, 16:20 Uhr :
Selbstverstaenlich muss man so einen Test zwangsweise einfuehren den niemand wird sich freiwillig testen lassen, auch ich nicht. .-) Es gibt aber ein Problem und deshalb passt der Vergleich zum Auto nicht. Ein Auto das in Deutschland ueber den Tuev kommt ist schon SEHR wahrscheinlich zwei Jahre fahrtauglich. Ein 80 jaehriger der einen Test besteht kann schon mit 80.5 unfaehig sein, oder erst mit 82 und ist dann 1.5 Jahre als Gefahr unterwegs. Wie waere es denn mal wenn man sich fuer den Anfang als _Mindeststandard_ an anderen Laendern orientiert und einen Sehtest, einen Reaktionstest und 2-3 einfach Fragen zum Strassenverkehr, alle 5Jahre einfordert? Aber natuerlich nicht mit deutscher maximal Gruendlichkeit sondern der Laessigkeit wie man sie in anderen Laendern kennt und maximal 20Euro Gebuehr. Verschaerfen wenn notwendig kann man danach immer noch.
Kommentar 4: Ben schreibt am 23.09.2026, 16:07 Uhr :
Jeder Unfall ist schlimm und wenn es Verletzte oder Tote gibt, ist es besonders schlimm. Darüber gibt gar keine andere Meinung. Es wird aber immer nur diskutiert, wenn Rentner Unfälle verursachen. Was ist denn mit den anderen Jahrgängen, die absolut die meisten Unfälle verursachen, auch sehr schwere mit Todesfälle. Warum diskutieren wir nicht da auch über Fahrprüfungen. Jetzt frage ich mal ganz sarkastisch, dürfen die Leute verletzen und tot fahren. Es ist unbestritten, das alte Menschen ruhig einen Fahrtest machen sollten, wenn sie Probleme haben. Aber wo finden wir eine Grenze. Wie viele Jüngere nehmen aus gesundheitlichen Gründen Medikamente, die die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen. Was machen wir da. Fragen über Fragen und wo ist die Lösung.
Kommentar 3: Sascha schreibt am 23.09.2026, 15:42 Uhr :
Ein so wichtiger Denkanstoß! Das ist eine Problematik, die aufgrund unserer Demographie in den nächsten 30 Jahren noch massiv zunehmen wird. Es ist bereits höchste Zeit sich JETZT darum Gedanken zu machen und für die CDU, welche die Pflicht zu Fahrtauglichkeitsprüfungen bereits auf EU-Ebene blockiert hat, zu erkennen, dass man Politik im Interesse der Gesamtgesellschaft betreiben sollte und nicht nur im Interesse eines einzigen Wähler-Klientels.
Kommentar 2: Ariane schreibt am 23.09.2026, 15:08 Uhr :
Ja. Vielleicht regelmäßig ein Fahrtaglichkeitstest für ältere Menschen.
Antwort von Georg , geschrieben am 23.09.2026, 17:15 Uhr :
Also ich finde Jeder sollte mindestens alle zwei bis vier Jahre einen Test machen Ich finde auch, dass gerade junge Menschen den Führerschein noch mal im verkürzter Form machen sollten in dieser Zeit. Denn wenn ich beobachte, wie gerade junge Menschen rasen- sterben- Menschen gefährden….. Ältere können gerne auch eine Fahreigenschaftsprüfung machen. Wie oben beschrieben wenn auch Ärzte dieses bei Verdacht es befürworten . würden. Ich würde wenn ich nicht mehr könnte aus gesundheitlichen Gründen den Führerschein freiwillig abgeben, damit ich nicht schuld bin , wenn so ein Unglück passiert. Meine Tante ist auch von einem Jungen Raser überfahren worden und zwei Tage später gestorben. Nur so meine Gedanken und meine Meinung, die wir ja alle in Deutschland sagen können.
Kommentar 1: Thomas Hüskens schreibt am 23.09.2026, 14:43 Uhr :
Fahrtüchtigkeit ist keine Frage des Alters; zumindest nicht grundsätzlich. Es ruft ja auch niemand nach Prüfung der Fahreignung ALLER 18 bis 25-Jährigen, nur weil in dieser Gruppe der Anteil der Trunkenheitsunfälle oder der wegen überhöhter Geschwindigkeit höher ist, als in anderen Altergruppen. Natürlich sollte bei einem Senior, der das Gaspedal für die Bremse hält, die Fahrtüchtigkeit nachgeprüft werden. Genauso, wie der Eignungstest bei wiederholter Trunkenheitsfahrt eines beispielsweise 25jährigen. Aber ausschließlich situationsbedingt und nicht grundsätzlich. Es gibt mit Sicherheit eine Menge Senioren, die, alleine aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung im Strassenverkehr, weniger unfallgefährdet sind, als Fahranfänger.
Antwort von Olaf , geschrieben am 23.09.2026, 16:13 Uhr :
Man kann hier jung und alt nicht gegeneinander ausspielen. Die unfaehigen Jungen haben naemlich den Vorteil das sie immer faehiger wenn sie aelter werden, ganz von allein. Die Alten werden aber mit jedem Tag den sie altern unfaehiger. Die Frage ist dann nur wo man die Grenzen ziehen will.
Antwort von Nicht Thomas , geschrieben am 23.09.2026, 16:40 Uhr :
Autsch da hat mal wieder jemand nicht verstanden um was es geht. Der 18 Jährige kann eine Gefahrenbremsung durchführen der 70 Jährige scheitert Körperlich darann. Und nein nur weil er schleicht und das auch jetzt schon seit 50 Jahren, bringt ihm das in dieser Situation nichts.
Antwort von Ralf , geschrieben am 23.09.2026, 17:02 Uhr :
Warum wird immer sofort auf die "jungen" Leute hingewiesen und nicht akzeptiert, dass mit dem Alter durchaus gesundheitliche Einschränkungen schleichend eintreten und oft erst erkannt werden wenn es zu spät ist? Vor was haben wir Ältere (bin selbst 55 und wünsche Gesundheitsprüfung ab 45 Jahre) denn Angst, wenn wir doch so super fahren? Oder wissen wir insgeheim wie oft wir doch nicht so gut fahren? Jede*r Tote ist eine*r zu viel, egal ob durch männliche Raser oder überforderte 86-jährige.