Es ist ungewöhnlich viel los an der Uni Bielefeld, dafür dass die Vorlesungszeit bald endet. Junge Menschen strömen durch den Haupteingang, laufen über den Campus, suchen den richtigen Raum. Studierende sind viele von ihnen nicht - aber vielleicht werden sie bald welche.
Deutlich weniger Anmeldungen erwartet
An der Uni Bielefeld laufen derzeit Informationswochen. Potenzielle Studierende können sich über die verschiedenen Studiengänge informieren. Und Interessierte braucht die Uni Bielefeld unbedingt. Das belegen aktuelle Prognosen.
Um 20 Prozent könnten demnach die Anmeldezahlen im kommenden Wintersemester zurückgehen. Mit dieser Zahl rechnen viele Hochschulen, aufgrund der Erfahrungen in Niedersachsen. Dort war die Rück-Umstellung von G8 auf G9 schon früher spürbar geworden.
Einmalige Chance für Studierende
"Für die Studiengänge der Universität wird es keine Zulassungsbeschränkungen geben. Im Lehramtsstudium entfallen zudem die Eignungsprüfungen für die Unterrichtsfächer Sport und Musik", teilt die Uni Paderborn mit.
Dario Anselmetti sieht Chancen für Studieninteressierte durch die G9-Umstellung.
Bildquelle: WDR / Simon KaufmannEin drastischer Schritt, aber einer den aktuell viele Hochschulen mitgehen. Auch an der Uni Bielefeld wird ein Großteil der Lehramtsstudiengänge zulassungsfrei sein, heißt es dort. Eine einmalige Chance, denn häufig sind die Lehramts-Studiengänge völlig überlaufen.
"Das bedeutet, dass Interessierte bessere Chancen haben, ihr Wunsch-Fach und ihren Wunsch-Ort auszuwählen", sagt Dario Anselmetti. Er ist Prorektor für Studium und Lehre an der Universität Bielefeld.
Internationale Studierende als Chance
Die Hochschule Bielefeld bietet Studiengänge speziell für internationale Studierende an.
Bildquelle: WDR / Simon KaufmannNicht so an der TH OWL. Hier habe man sowieso nur wenige zulassungsbeschränkte Studiengänge, so ein Sprecher. Diejenigen, die zulassungsbeschränkt sind, sollen dies aber auch bleiben. Vermutlich, weil man hier eh davon ausgeht, weniger stark von der Umstellung getroffen zu werden.
Der Grund: Die Hochschulen für angewandte Wissenschaften haben sowieso viele Studierende, die nicht vom Gymnasium kommen, sondern beispielsweise über eine abgeschlossene Ausbildung an die Hochschule gekommen sind. Und auch internationale Studierende gleichen die Lücken etwas aus.
So auch an der Hochschule Bielefeld. Hier studiert Gülnisa Koçu Ingenieurswissenschaften, in einem besonderen Studiengang, der sich explizit an internationale Studierende wendet. Vor zwei Jahren ist sie aus der Türkei nach Deutschland gekommen.
Gülnisa Koçu ist fürs Studium aus der Türkei nach Deutschland gekommen.
Bildquelle: WDR / Simon Kaufmann"Die Studierenden bilden hier eine kleine, internationale Familie. Wenn man Hilfe braucht, kann man immer fragen und wir finden eine Lösung", erzählt sie. Fürs nächste Semester ist ihr Studiengang schon jetzt ausgebucht. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen zur Zeit.
Unsere Quellen:
- Statement Technische Hochschule OWL
- Statement Universität Paderborn
- Statement Hochschule Bielefeld
- WDR-Reporter vor Ort an der Hochschule Bielefeld und Universität Bielefeld
- Interview mit Dario Anselmetti, Prorektor Studium und Lehre Universität Bielefeld
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 10.07.2026, 19:30 Uhr