Welche Preisstufe gilt nochmal für die Fahrt von Bielefeld nach Herford? Und was kostet das dann? Wer keine Dauerkarte hat und nur gelegentlich Bus oder Bahn fährt, kennt das Gefühl: ratlos am Fahrkartenautomaten stehen, durch ein unübersichtliches Menü klicken, und am Ende ist man doch nicht sicher, ob es das richtige Ticket ist. Damit soll ab April 2027 Schluss sein.
Nach dem Grundsatzbeschluss im Westfälischen Tarifausschuss Ende März haben nun auch alle beteiligten Kommunen politisch grünes Licht gegeben. Der WestfalenTarif, gültig in 16 Kreisen und drei kreisfreien Städten von Minden-Lübbecke im Norden bis Siegen-Wittgenstein im Süden, vom Münsterland bis Ostwestfalen-Lippe mit dem Hochstift, bekommt eine umfassende Reform. Rund 7,2 Millionen Menschen nutzen dieses Netz.
Wie kompliziert es bisher war
Die Zahlen sprechen für sich: Bisher gab es zwölf Hauptpreisstufen mit mehr als 60 regionalen Ausprägungen, über 800 Preis-Produkt-Kombinationen und mehr als 2.000 preisbildenden Raumeinheiten.
Kein Wunder, dass viele Fahrgäste bei der Ticketwahl einfach raten - oder gleich das Auto nehmen. "Durch die Tarifreform soll der Ticketerwerb in Westfalen-Lippe so einfach werden wie Bus- und Bahnfahren selbst“, sagen die Geschäftsführer der WestfalenTarif GmbH Matthias Hehl und Oliver Mietzsch.
Das neue System: vier Stufen, klare Logik
Ab April 2027 gibt es nur noch vier Preisstufen, die sich an Gemeindegrenzen orientieren:
- Preisstufe A – Fahrten innerhalb der eigenen Stadt
- Preisstufe B – Fahrten in die Nachbarstadt
- Preisstufe C – Fahrten über die direkten Nachbarstädte hinaus
- Preisstufe D – Fahrten quer durch ganz Westfalen-Lippe
Die bisherigen Preisstufen H, M, T, S und W verschwinden komplett.
Was sich außerdem ändert
Mit der Reform fallen einige Tickets weg, die bisher zum Sortiment gehörten: Abos und Tickets, die erst ab 9 Uhr gelten, werden gestrichen. Ebenso das 7-TageTicket, das AnschlussTicket, das FahrWeiterTicket Kind und das GruppenTicket. Auch alle Aufpreistickets für die 1. Klasse entfallen.
Manche Tickets werden außerdem logischer benannt: Das bisherige TagesTicket24 heißt künftig 24 StundenTicket: ein Name, der besser beschreibt, was das Ticket tatsächlich leistet. Neu dazu kommt ein 24 StundenTicket Kind, das speziell für Sieben- bis 14-Jährige gedacht ist.
"Die Reform kommt vor allem Gelegenheitsfahrern zugute." Rainer Engel, Vorstand des Fahrgastverbands PRO BAHN
Drei Säulen statt Tarifdickicht
Das neue Angebot baut auf drei Säulen auf: Das Deutschlandticket für alle, die regelmäßig und weit fahren, eezy.nrw als digitale Lösung für Gelegenheitsfahrer in ganz NRW, und ein schlankeres regionales Angebot für Wege innerhalb Westfalen-Lippes.
Fahrgastverband: Gute Reform, aber nicht perfekt
Rainer Engel, Vorstand des Fahrgastverbands PRO BAHN Regionalverband Ostwestfalen-Lippe, begrüßt die Reform. Vor allem Gelegenheitsfahrende ohne Abo hätten unter dem Tarifdschungel gelitten, sagt er auf WDR-Nachfrage. Das Deutschlandticket habe für Vielfahrer vieles vereinfacht, an der Komplexität für Gelegenheitsfahrer aber kaum etwas geändert.
Einen Haken gäbe es dennoch: Wer knapp hinter einer alten Zonengrenze aussteigt, kann im Einzelfall mehr zahlen als bisher. Und das eigentliche Zukunftsziel, einfach mit der Kreditkarte einsteigen, losfahren und am Ziel automatisch abrechnen, sei noch nicht erreicht. Engel rechnet damit, dass das noch fünf bis zehn Jahre dauern wird. Bis dahin, sagt er, sei diese Reform aber gut und richtig.
Unsere Quellen:
- WestfalenTarif GmbH
- Fahrgastverband PRO BAHN Regionalverband Ostwestfalen-Lippe
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 22.05.2026, 06:31 Uhr
