Interview zur Bonner Verkehrssituation mit OB Guido Déus
Bildquelle: dpa/Benjamin WesthoffWDR. 04:11 Min.. Verfügbar bis 02.07.2028.
Pendler können seit Donnerstagabend auch nicht mehr auf die Bahn ausweichen, um dem Stau in der Bonner Innenstadt zu entgehen, denn die linke Rheinstrecke wird saniert. Deshalb fallen zwischen Köln und Koblenz viele Haltestellen aus - auch am Bonner Hauptbahnhof.
Auch die Idee der Bonner Stadtverwaltung, durch mehr Park+Ride-Parkplätze die Verkehrssituation in der Innenstadt zu entzerren, scheint nicht gut zu funktionieren. Die Parkplätze in Pützchen und am Landesbehördenhaus bleiben bisher oft leer.
Welche Lösungsvorschläge hat Bonns Oberbürgermeister Guido Déus?
Wie sehr nervt Sie gerade das Verkehrschaos bei uns in Bonn?
Guido Déus: Ich glaube, das nervt den Oberbürgermeister genauso wie jeden Menschen in Bonn. Aber ich versuche, mich davon nicht runterziehen zu lassen, sondern die Ärmel hochzukrempeln, mit der Stadtverwaltung und an Lösungen zu arbeiten.
Guido Déus zur Verkehrssituation in Bonn
Bildquelle: WDREine Lösung war ja Park+Ride. Das läuft ja nicht so richtig gut. Wie wollen Sie das verbessern?
Déus: Wir müssen da sicherlich besser werden. Und das ist für mich auch erstmal ein Problem der Kommunikation. Wir haben ganz schnell den ersten Park+Ride-Parkplatz in Pützchen geschaffen mit einem Shuttleverkehr. Das wird nicht so angenommen, wie wir es erhofft hatten. Deswegen wird jetzt perspektivisch der Shuttleverkehr eingestellt. Es fahren vier Buslinien von dort, so dass man auch mit dem normalen Bus weiter zur 66 oder in die Stadt fahren kann.
Plan geht nicht auf: Park+Ride-Plätze bleiben leer
Bildquelle: WDRAber wir sind an weiteren Park+Ride-Parkplätzen dran. Wir haben am Landesbehördenhaus einen eingerichtet, der noch nicht angenommen wird. Wir müssen mehr Werbung dafür machen. Ich glaube, die Menschen müssen einfach sehen, dass es sich lohnt, dahin zu fahren. Ich finde, die Fläche am Ende der Südbrücke, also am Ausläufer der Autobahn, ist sehr gut dafür geeignet.
Ramersdorf wird schon fantastisch angenommen. Wir arbeiten weiter. Wir brauchen auch eine gute Verbindung zum Hardtberg. Also auf dem Hartberg noch einen Park+Ride-Platz und in Bad Godesberg. Das sind nur die ersten Maßnahmen gewesen, die wir aber bestimmt noch besser vermarkten müssen.
Da werden wir ein Auge drauf haben. Sie wollen ja auch die Kommunen von außerhalb von Bonn mit einbeziehen. Haben die denn überhaupt Lust, zum Parkplatz für die Stadt Bonn zu werden?
Déus: In der Vergangenheit hatten sie das nicht unbedingt. Aber im Moment kommt es wirklich darauf an, dass wir zusammenstehen als Region. Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis sind eine Region mit einer Million Menschen. Und ich treffe mich sehr oft mit Landrat Sebastian Schuster, aber auch mit meinen Kollegen, beispielsweise dem Bürgermeister von Sankt Augustin, um genau das zu besprechen.
Wir müssen uns jetzt einfach helfen in der Situation. Weil die 200.000 Menschen, die jeden Tag nach Bonn rein und wieder raus pendeln, das sind ja Menschen, die im Rhein-Sieg-Kreis wohnen oder im Rhein-Sieg-Kreis arbeiten, deswegen müssen wir zusammenarbeiten. Und ich glaube wir schaffen es nur mit einer Verbesserung des Angebots, die Menschen dazu zu bewegen, das Auto möglichst stehen zu lassen.
Nach Sperrung der Bonner Nordbrücke staut es sich auf allen anderen Rheinbrücken
Bildquelle: WDR/Jörg SauerweinWir sind im Moment sehr froh über den stark gestiegenen Radverkehr, aber ich weiß auch, zweieinhalb Jahre wird diese Situation jetzt dauern. Ich muss an die dunkle Jahreszeit denken, ich muss an Herbst und Winter denken. Da werden sich die Nutzungszahlen deutlich verändern. Und deswegen hilft jeder, den wir auf den ÖPNV bekommen, Stau zu vermeiden. Damit die Straßen noch für die funktionieren, die auf die Straßen angewiesen sind.
Sie haben ja eben die Radfahrer angesprochen. Die Adenauerallee soll ja jetzt wieder für Autos erweitert werden. Vergraulen Sie damit nicht die Radfahrer?
Déus: Das glaube ich nicht. Also erstens auf die Adenauerallee bezogen haben die Radfahrer wirklich zwei sehr viel bessere und schönere Möglichkeiten am Rheinufer und an der Kaiserstraße. Zudem werden wir einen Schutzstreifen für Radfahrende vom Koblenzer Tor bis zur Weberstraße beibehalten. Damit sind dann das Juridicum und das Beethoven Gymnasium umfasst. Und nur danach werden wir den Radverkehr bitten, eben auszuweichen, auf Kaiserstraße und auf das Rheinufer.
Wir müssen uns auf drei Achsen konzentrieren. Nachdem die Nordbrücke weggefallen ist, bleiben nur die Südbrücke und die Kennedybrücke. Und zwischen diesen beiden Brücken ist das Verbindungselement die B9, die Adenauerallee, und die muss flüssig funktionieren.
"Und ich sage noch etwas ganz Schlimmes dazu: Wir wollen, dass sich der Verkehr auf diesen Hauptstraßen, auf der B56 und auf der B9 bündelt, damit die Wohngebiete geschützt werden." Guido Déus, Bonns Oberbürgermeister
Im Moment haben wir massiven Rückstau rechts und links in die Wohngebiete und das wird sich nur vermeiden lassen, wenn die Hauptstraßen funktionieren. Deswegen: Konzentration auf die Achse B56, Kennedybrücke, Oxfordstraße und auf die Achse Südbrücke, B9, Reuterstraße. Und das verbindende Element zwischen diesen beiden Achsen ist nun mal als einzige Hauptachse die Adenauerallee.
Das Interview führte Sonja Fuhrmann am 2. Juli 2026.
Unsere Quellen:
- Interview mit Bonner Oberbürgermeister Guido Déus
- WDR.de-Berichte zur Bonner Nordbrücke
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 02.07.2026, 19:30 Uhr