Spezialschiffe für den Rhein der Zukunft
Bildquelle: WDR/Laura KasprowiakWDR. 2 Min. 40 Sek.. Verfügbar bis 28.08.2028.
Der Rhein ist die wichtigste Wasserstraße Deutschlands. Doch in den vergangenen Jahren wurde er immer häufiger zum Problemfall. Heiße Sommer und lange Trockenphasen lassen die Pegel sinken. Für die Schifffahrt bedeutet das: weniger Ladung, höhere Kosten und jede Menge Unsicherheit.
"Das Niedrigwasser in diesem Sommer hatte für mich etwas Bedrohliches." Jacob van der Veen, Binnenschiffer auf der Courage
Deshalb steht heute in Duisburg ein Schiff im Mittelpunkt, das für genau diese Bedingungen gebaut wurde. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein gewöhnliches Binnenschiff. Tatsächlich steckt dahinter aber eine Idee, die für die Zukunft der Schifffahrt entscheidend werden könnte.
Gebaut für trockene Zeiten: Wenn jeder Zentimeter zählt
Das Schiff Courage der HGK Shipping wurde speziell für niedrige Wasserstände konstruiert. Es ist eins von neun Niedrigwasserschiffen des Unternehmens. Insgesamt gibt es 13 solcher Schiffe in Europa. Die Courage wurde länger und breiter gebaut als viele herkömmliche Binnenschiffe und taucht dadurch nicht so tief ins Wasser ein. Auch der Antrieb wurde angepasst. So kann das Schiff selbst dann noch große Mengen Ladung transportieren, wenn andere längst an ihre Grenzen stoßen.
Und genau das wird immer wichtiger. Denn in der Binnenschifffahrt entscheidet oft jeder einzelne Zentimeter Wasser darüber, wie viel transportiert werden kann.
"Die Industrie braucht Verlässlichkeit und das können diese Niedrigwasserschiffe gewährleisten." Steffen Bauer, CEO HGK Shipping
Wenn zehn Zentimeter plötzlich 100 Tonnen sind
"Wenn ich also zehn Zentimeter weniger Tiefgang habe, habe ich auch 100 Tonnen weniger Fracht. So einfach ist die Rechnung," sagt Rupert Menn, Geschäftsführer des Entwicklungszentrums für Schiffstechnik und Transportsysteme. Was nach wenig klingt, kann für Reedereien schnell zum wirtschaftlichen Problem werden.
Bei niedrigem Rheinpegel müssen viele Schiffe deshalb einen Teil ihrer Ladung im Hafen lassen, um nicht auf Grund zu laufen. Die Folge: Weniger Ware erreicht ihr Ziel, Transporte werden teurer.
Diese Schiffe sind für niedrige Rheinpegel gebaut
Niedrigwasserschiffe sollen dieses Problem abmildern. Statt möglichst viel Gewicht auf möglichst wenig Raum zu packen, setzt ihre Konstruktion auf einen geringeren Tiefgang. Mehr Propeller und eine besondere Rumpfform helfen dabei, auch in flacheren Abschnitten des Rheins unterwegs zu sein
Ein niedrigwasseroptimiertes Binnenschiff der HGK Shipping transportiert selbst bei den extremen Bedingungen am Pegel Kaub noch rund 500 Tonnen Ladung. Zum Vergleich: Ein 40-Tonnen- Lkw kann maximal 25 Tonnen laden. Diese Rechnung macht das NRW-Umweltministerium auf und fordert gleichzeitig vom Bund die Förderung von Schiffen wie die Courage gezielt zu unterstützen.
Auch Niedrigwasserschiffe können nicht fliegen
Ganz ohne Nachteile funktioniert das allerdings nicht. Die breitere Bauweise erzeugt mehr Widerstand im Wasser, auch die kleineren Propeller arbeiten nicht immer so effizient wie die Antriebe klassischer Frachtschiffe. Das kostet Energie. Forscher und Reedereien suchen deshalb nach Lösungen, die beides miteinander verbinden: möglichst wenig Tiefgang und möglichst niedrigen Energieverbrauch.
Eines aber bleibt auch bei modernster Technik unverändert: Wenn die Pegelstände wegen der Klimakatastrophe extrem fallen, stößt auch das beste Niedrigwasserschiff an seine Grenzen. Fliegen kann schließlich keines von ihnen.
Unsere Quellen:
- Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen
- Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme DST
- Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 28.08.2026, 19:30 Uhr