Rheinregulierung Rheinschleuse Iffezheim Deutschland

Eine Staustufe des Rheins bei Iffezheim

Bildquelle: ddp/gero.b

Niedrige Pegel Helfen Staustufen dem Rhein, das Wasser zu halten?

Stand:

Der Rheinpegel steigt etwas. Bis alle Schiffe wieder fahren, wird es dauern. Welche Maßnahmen helfen wirklich gegen Niedrigwasser?

Wie ein Mahnmal tickt die frisch restaurierte Pegeluhr am Düsseldorfer Rheinufer. Aus dem Negativ-Bereich sind die Zeiger dank des Regens der vergangenen Woche wieder herausgekommen. 200 Meter entfernt atmet der Direktor des Schifffahrtsmuseums im Schlossturm vorsichtig auf. Marcus Todoric kennt viele Firmen aus der Hafenwirtschaft, die auf die Schifffahrt angewiesen sind - so wie seine Stadt Düsseldorf auch, erklärt er. "Und der Rhein ist immer auch Lebensader dieser Stadt. Wenn man das austrocknen sieht, ist das natürlich nicht so schön."

Vertiefte Fahrrinnen, Schiffe für Niedrigwasser

Schock für die einen, Schaden für die anderen. Während die Fähren wieder anlaufen, ist die Binnenschifffahrt weiter ausgebremst. Was passieren muss, damit der Rhein das Wasser halten kann - darüber wird viel diskutiert: dass der Rhein an einigen Stellen durch den Ausbau der Fahrrinnen mehr Tiefgang braucht, die Schiffe flacher und leichter werden müssen, um tauglich fürs Niedrigwasser zu werden, etwa. Eine andere Frage brachte der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), Jens Schwanen wieder auf:

"Wie bekommt man es hin, dass zwischen Iffezheim – das ist die letzte Schleuse am Rhein – und der Nordsee uns nicht sprichwörtlich das Wasser wegläuft, wenn es wochen- oder monatelang nicht regnet?" Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB)

Seine Idee brachte Schwanen Anfang August in Bonn bei einer Niedrigwasser-Konferenz mit Bundesverkehrsminister Steffen Bilger in Spiel: Mehr Staustufen entlang des Rheins könnten helfen, die Wassertiefe für die Schifffahrt zu sichern. Hohe Wehre dienen dabei als große Sperren im Fluss, die das Wasser aufstauen und regeln, wieviel davon weiterfließt. Schleusen dienen den Schiffen dabei als Aufzüge. Sie helfen ihnen, den Höhenunterschied zwischen dem hohen und dem niedrigen Wasser zu überwinden.

Bislang gibt es zwölf Staustufen am Hoch- und Oberrhein von der Schweiz bis nach Nordbaden. Doch unterhalb von Iffezheim in Baden-Württemberg gibt es keine mehr - der Rhein hat freien Lauf bis zur Nordsee. Die Möglichkeit, Wasser aus regenreichen Zeiten in Rückhaltebecken zu speichern und zu stauen, sei als Thema im Aktionsplan Niedrigwasser Rhein angelegt, betont Schwanen.

Staustufen nicht beherzt genug angegangen

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU)

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU)

Bildquelle: dpa/Armin Weigel

Dieses Maßnahmenpaket des Bundesverkehrsministeriums von 2019 hat das Ziel, die Binnenschifffahrt und den Güterverkehr auf dem Rhein bei anhaltend niedrigen Wasserständen durch bessere Vorhersagen, angepasste Logistik und infrastrukturelle Verbesserungen zukunftssicher und zuverlässig zu machen. Das darin erwähnte Thema Staustufen sei noch nicht so beherzt angegangen worden, wie er sich das wünschen würde, sagte Schwanen.

Ein gesellschaftliches Streitthema, weiß der Lobbyist der Binnenschifffahrt: "Es kann sein, dass wir hier tatsächlich über Rückhaltesysteme sprechen müssen – oder, um das Kind beim Namen zu nennen – über Staustufenlösungen." Die stellten natürlich eine große Herausforderung dar: "Nicht nur für die breite Gesellschaft, sondern auch für Bundeshaushalte, für alle Maßnahmen, die in dem Bereich dann zu konzipieren und zu planen sind."

Krischer gegen mehr Staustufen

Rheinpegeluhr Düsseldorf bei Niedrigwasser 2003

Rheinpegeluhr Düsseldorf bei Niedrigwasser 2003

Bildquelle: dpa/Breloer, Gero

Aus gutem Grund gebe es für neue Staustufen keine konkreten Pläne, sagt dagegen NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer. "Um den Rhein bei Niedrigwasser spürbar zu stützen, also den Pegel merklich anzuheben, wären Rückhaltemöglichkeiten in einer Dimension erforderlich, die absolut nicht realisierbar ist", sagt Krischer. Er gibt zu bedenken: Selbst bei Niedrigwasser habe der Rhein einen Abfluss von über 600 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.

"Wenn wir einen Rückhalteraum in Süddeutschland, in Baden-Württemberg, in den Alpen schaffen würden, der realistisch den Rheinpegel stützt, um den Pegel des Rheins zu stützen, dann müsste das ein gigantischer Stausee sein mit Hunderten von Millionen Kubikmeter Wasser." NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne)
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer

Bildquelle: WDR/dpa

Die Idee sei verworfen worden, weil sie technisch zu aufwendig und weder finanziell noch ökologisch vertretbar sei. Aus dem grünen Verkehrsminister spricht auch der Umweltminister, wenn er davor warnt: Staustufen würden dramatisch in den Lebensraum im und um den Rhein eingreifen. Es könne durch die Baumaßnahmen sogar passieren, "dass hier am Ende sogar im Rhein selber durch Veränderung des Abflussverhaltens eine Verschlammung eintreten kann - also, dass es für die Schifffahrt an manchen Stellen sogar noch problematischer wird."

Sogar Vertiefungen der Fahrrinne könnten sich bilden, der Rhein könne sich eingraben, der umgebenden Landschaft das Grundwasser entziehen und somit sogar noch größere Probleme für die Schifffahrt entstehen, warnt Krischer.

Umweltschützer - etwa vom BUND - und Experten hydrologischer Institute bestätigen Krischers Skepsis. Sie weisen darauf hin, dass Staustufen die natürliche Fließdynamik und Fischwanderung verändern würden. Sie könnten die Wassertemperatur hochtreiben, Sauerstoffmangel begünstigen. Staustufen wären zudem mit langen Planungs- und Bauzeiten sowie dauerhaftem Unterhalt verbunden.

Staustufendebatte: Wie der Rhein das Wasser halten kann

WDR Studios NRW 26.08.2026 3 Min. 57 Sek. Verfügbar bis 25.08.2028 WDR Online

Analyse: Es könnte schlimmer für den Rhein kommen

Niedrigwassertage im letzten Jahrzehnt

Niedrigwassertage im letzten Jahrzehnt

Bildquelle: Quarks/WDR

Eine WDR-Datenanalyse zeigt: Insgesamt gab es im vergangenen Jahrzehnt mehr Niedrigwassertage. Aber während es Oder und Elbe an 120 Tagen traf, saß der Rhein "lediglich" an 40 Tagen sprichwörtlich auf dem Trockenen. Noch profitiert er von seinen vielen Zuflüssen und dem schmelzenden Eis der Gletscher.

Ausbreitung statt Einengung

Aber auch das wird in Zukunft weniger, erklärt Klimaforscher Mojib Latif dem WDR. Er plädiert für das Gegenteil der Staustufen. Die Flüsse müssten wieder renaturiert werden. "So dass, wenn Regen fällt, das Wasser nicht einfach in die Flüsse fließt, und dann ab ins Meer, sondern, dass es in der Region bleibt, dass es wieder Auen gibt und solche Geschichten." Der Rhein würde sich dadurch wieder ausbreiten – statt zu stauen – und auf natürliche Weise das Wasser halten.

Unsere Quellen:

  • Interview mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne)
  • Interview mit Klimaforscher Mojib Latif
  • Interview mit dem Direktor des Schifffahrtsmuseums Düsseldorf,  Marcus Todoric
  • Pressekonferenz nach der Niedrigwasser-Konferenz in Bonn am 06. August 2026
  • Eigene Recherchen

Sendung: WDR 5 Morgenecho, 27.08.2026, 06:05 Uhr

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