Queerer Lesezirkel in der Duisburger Stadtbibliothek
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 10.07.2028.
Lesen verbindet : Queere Bücher schaffen Gemeinschaft und machen Vielfalt sichtbar
Stand:
Seit rund einem Jahr trifft sich in der Duisburger Stadtbibliothek ein queerer Lesezirkel. Im Mittelpunkt stehen Fantasy-Romane, queere Geschichten und die Freude am Lesen. Niemand muss hier seine Identität erklären.
Zwischen Fantasy-Welten, Orks und Magie geht es an diesem Freitagabend um etwas sehr Reales: das Gefühl, gesehen zu werden. In einem Raum der Duisburger Zentralbibliothek sitzen Menschen zusammen, diskutieren über Bücher, lachen, empfehlen Lieblingsgeschichten und sprechen ganz nebenbei über Identität, Zugehörigkeit und Alltagserfahrungen.
Katharina Fehlberg von der Stadtbibliothek Duisburg begleitet den queeren Lesezirkel.
Für Katharina Fehlberg, die den queeren Lesezirkel begleitet, ist genau das der besondere Wert der Treffen. "Das Schöne an vielen queeren Büchern ist, dass Queerness dort einfach selbstverständlich existiert. Niemand muss sich rechtfertigen oder erklären", erzählt die Fachangestellte der Bibliothek mit leuchtenden Augen.
"Da können sich zwei Männer verlieben, zwei Frauen oder eben ein weiblicher Ork und eine Dämonin. Die Geschichten drehen sich nämlich nicht darum, dass sie queer sind, sondern einfach darum, dass sich zwei Lebewesen lieben."
Mehr als ein queerer Buchclub
Gelesen werden Fantasy-Romane, queere Liebesgeschichten, Coming-of-Age-Erzählungen oder Titel, die gerade auf BookTok für Gesprächsstoff sorgen. Die Teilnehmenden schlagen Bücher vor, diskutieren kontrovers und entscheiden gemeinsam, was als Nächstes gelesen wird.
Nicht jedes Buch kommt gut weg. Gerade das macht den Reiz aus. "Manchmal merkt man erst im Gespräch, warum eine Geschichte andere Menschen so berührt hat", sagt Teilnehmerin Franziska Tietze. Die Diskussionen sind offen, persönlich und oft überraschend.
"Man kommt wegen der Bücher und bleibt wegen der Menschen", sagt Katharina Fehlberg. Was als Austausch über Literatur begann, wurde oft zu einem Ort der Begegnung.
Ein Raum, in dem niemand erklären muss
Gleichzeitig sind die Treffen für viele mehr als Freizeitbeschäftigung. Während queere Menschen von zunehmenden Anfeindungen und Unsicherheiten berichten, entsteht hier ein geschützter Rahmen für Austausch. Es geht nicht darum, ständig über Probleme zu sprechen. Aber darum, nicht erklären zu müssen, wer man ist.
"Hier kann ich einfach ich selbst sein", sagt ein Teilnehmer. "Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht überall.“
Ein Ort für alle, die gute queere und fantasiereiche Geschichten lieben
In der Duisburger Stadtbibliothek gibt es inzwischen auch einen eigenen und gut sortierten Bereich für queere Literatur. Nicht versteckt in einer Ecke, sondern mitten im Haus. Ein bewusstes Zeichen für Sichtbarkeit.
Dabei richtet sich der Lesezirkel nicht ausschließlich an queere Menschen. Wer Interesse an Literatur und neuen Perspektiven hat, ist willkommen. "Gute Geschichten funktionieren unabhängig davon, wen die Figuren lieben", sagt Teilnehmerin Rieke Prüfer. "Aber sie können helfen, andere Lebensrealitäten besser zu verstehen", ergänzt Annkathrin Siewert.
Am Ende des Abends liegen viele neue Buchempfehlungen auf dem Tisch. "Doch mindestens genauso wichtig sind die Gespräche, die daraus entstehen", sagt Teilnehmerin Annkathrin Siewert. Zwischen Fantasy-Abenteuern und queeren Geschichten wächst hier etwas, das in keinem Buchregal steht: Gemeinschaft.
Unsere Quellen:
- Interview mit Katharina Fehlberg, Stadtbibliothek Duisburg
- Interviews mit den Teilnehmenden des Lesezirkels
- Gespräche und Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 28.08.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR.de, Queerer Lesezirkel in der Duisburger Stadtbibliothek, 10.07.2026, 09:00 Uhr
