Wie ein Trennungspapa mit dem Schmerz umgeht
Bildquelle: WDR/Christian RichterWDR. 4 Min. 2 Sek.. Verfügbar bis 25.09.2028.
Max Barton aus Duisburg vermisst seine Tochter jeden Tag. Seit der Trennung von der Kindesmutter vor etwa acht Jahren wohnt auch seine heute neunjährige Tochter nicht mehr bei dem 38-Jährigen. Mutter und Tochter wohnen etwa 60 Kilometer entfernt in Dortmund - zu weit weg, um sie jeden Tag sehen zu können.
"Ich habe sehr gelitten und das geht auch nicht weg"
Das Verhältnis zur Mutter ist zudem nicht gut. Die Umgangsregelung: das sogenannte 14-tägige Modell. "Das bedeutet, dass ich meine Tochter nicht jeden Tag bei mir habe, sondern jedes zweite Wochenende abhole - und dienstags fahre ich noch zusätzlich für drei Stunden hin." Den Alltag seiner Tochter bekomme er so nicht mit, auch wichtige Lebenssituationen verpasst er.
Umso mehr genießt er die Zeit mit seiner Tochter, aber "besonders die Anfangszeit nach der Trennung war sehr schwierig für mich. Ich habe schon sehr unter der Trennung gelitten und das geht auch nicht weg."
"Ich habe mir lange Zeit nicht erlaubt, Glück zu empfinden, weil ich dachte, irgendwie fühlt sich das falsch an, weil meine Tochter nicht dabei ist." Max Barton
"Als wäre mein Herz zweigeteilt"
In seinem eigenen Alltag spielt seine Tochter eine große Rolle, auch wenn sie nicht bei ihm ist. Er hat Strategien entwickelt, um nach einem Wochenende mit seiner Tochter nicht in ein Loch zu fallen. "Wenn ich sie sonntags wieder nach Dortmund bringe, plane ich was. Dann treffe ich mich mit Freunden, wir unterhalten uns, wir gehen raus, spazieren, was auch immer. Hauptsache, nicht mit seinen Gedanken alleine zu Hause sein."
Max genießt die Zeit mit seiner Tochter
Bildquelle: PrivatErst, wenn er wieder mit seiner Tochter vereint ist, fühlt es sich stimmig an, sagt er. "Man muss lernen, damit umzugehen und sich auch wieder schöne Momente zu schaffen für sein restliches Leben, was ja auch noch existiert."
"Es fühlt sich wirklich so an, als wäre mein Herz zweigeteilt - eine Hälfte ist bei mir, die andere Hälfte wohnt in Dortmund." Max Barton
Max hebt Erinnerungen in einem Buch auf
Gedanken und Gefühle schreibt Max in einem Erinnerungsbuch auf. Darin sammelt er Fotos, Auszüge aus Songtexten, gemalte Bilder oder kurze Briefe, die er und seine Tochter sich hin- und herschreiben.
Das Buch möchte er seiner Tochter später einmal schenken. "Ich denke, dass das eine schöne Erinnerung für sie sein wird." Sein sehnlichster Wunsch ist es, dass er seiner Tochter weiterhin ein liebevoller Vater bleiben kann - "dass die Beziehung weiterhin gut bleibt, stärker wird und dass mein Kind ein selbstständiges, selbstbewusstes Mädchen in dieser Welt wird."
Gefühle und Gedanken hält Max in einem Erinnerungsbuch fest
Bildquelle: WDR/Christian RichterErste Selbsthilfegruppe für getrennt lebende Väter in Duisburg
Um mit der Situation besser klarzukommen, hat Max eine Selbsthilfegruppe für getrennt lebende Eltern gesucht, in Duisburg aber keine gefunden. Also hat er mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband selbst eine gegründet - nur für Väter allerdings, obwohl er auch offen für eine gemischte Gruppe gewesen wäre.
"Es ist, glaube ich, ein Unterschied, ob man mit Betroffenen spricht oder mit Leuten, die sich zwar gut hineinversetzen können, aber im Prinzip nicht wirklich das nachempfinden können", sagt er. Max hofft, dass die Gruppe für ihre Mitglieder ein heilsamer Ort ist, an dem sie neue Ideen für den Umgang mit ihrer jeweiligen Situation entwickeln können.
Kontakt zur Selbsthilfegruppe
Die Gruppe hat mittlerweile fünf Mitglieder, die sich alle zwei Wochen treffen, um sich auszutauschen. Auch wenn Max die Gruppe gegründet hat und hier und da noch die Funktion des Gruppenleiters übernimmt: Auch ihm hilft die Gruppe im Umgang mit seiner Situation.
Max' Selbsthilfegruppe "Getrennt. Und trotzdem Vater bleiben" ist kostenlos und findet im Evangelischen Bildungswerk des Kirchenkreises Duisburg statt. Kontaktieren kann man ihn per Mail: vaterbleiben@outlook.com
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Max Barton
Sendung: WDR.de, Wie ein Trennungspapa mit dem Schmerz umgeht, 01.10.2026, 5:00 Uhr
