Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) steht ganz nah bei den Wannen, in denen flüssiges Zink blubbert. Im Gelsenkirchener Stahlverzinkungsbetrieb ZINQ (Preisträger der Deutschen Bundesstiftung Umwelt 2025) wird mit viel Energie Stahl mit einer dünnen Schicht Zink überzogen, um ihn vor Rost zu schützen. "Wir verbrauchen so viel Energie wie Dreiviertel der Bevölkerung von Gelsenkirchen", so Geschäftsführer Lars Baumgürtel.
Erneuerbare zu Spitzenzeiten abrufen
Ministerpräsident Hendrik Wüst im Gespräch mit Klimahafen-Chef Lars Baumgürtel (ZINQ)
Bildquelle: WDR, Carmen KrafftBaumgürtel ist auch der Sprecher des "Klimahafens Gelsenkirchen". Dort sind Unternehmen wie ThyssenKrupp oder die Aluhütte Trimet mit energieintensiver Produktion vertreten. Bisher wird für die Produktion Erdgas verwendet. Um Kosten zu senken und Vorreiter in Sachen Umweltbilanz zu sein, haben 22 Firmen zusammen mit Wissenschaftlern in einem "Reallabor" innovative Konzepte entwickelt. Alle sofort umsetzbar.
Mix aus drei Energie-Arten
"Der Ministerpräsident soll vor Ort erleben, was wir als mittelständische Unternehmen machen", so Lars Baumgürtel. Wüst ist Gast im Rahmen seiner Tour durch Gelsenkirchen, bei der es um Strukturwandel geht. Das Konzept des Klimahafens: "Wenn überschüssige regenerative Energie in Spitzenzeiten im Netz abrufbar ist, nutzen wir sie zu fairen Preisen", so Baumgürtel. "In anderen Zeiten greifen wir auf Erdgas und grünen Wasserstoff zurück."
Das Ziel: 4.4 Mio Euro für Anschlüsse vom Staat
Das Energie-Mix Konzept scheint simpel und in Zeiten großer politischer Unsicherheiten ohne Alternative. Und doch geht es um zähes Verhandeln mit der Politik. Zwei Millionen Euro soll der Anschluss kosten, um erneuerbare Energie abzurufen. "Ein dickeres Kabel", beschreibt Baumgürtel die Investition.
Dazu kommen 2,4 Millionen Euro für die geplante Pipeline für grünen Wasserstoff aus dem nahegelegenen Gelsenkirchen-Scholven (ehemaliges Kohlkekraftwerk Uniper). Auf diese Pipeline warten Unternehmen schon seit Jahren.
Unternehmen fordern billigeren Strom
Diese Infrastruktur wollen nicht Betriebe wie ZINQ bezahlen, so Baumgürtel. Schließlich trage man dazu bei, dass überschüssige erneuerbare Energie nicht verpufft. Wenn das Reallabor arbeite, könne "ganz Deutschland" von dem Konzept profitieren.
Die Verzinkung von Stahl wie beim Unternhemen ZINQist besonders energieintensiv
Bildquelle: WDR, Carmen KrafftDoch im Klimahafen Gelsenkirchen soll die Politik eine weitere Hürde aus dem Weg räumen. Die Kosten, um das Netz mit grüner Energie zu nutzen, müssen sinken. "Wir wollen als mittelständische Unternehmen nicht mehr zahlen als die Betriebe, die Wasserstoff herstellen."
Die Politik lobt den Klimahafen, macht aber keine Zusagen
Konkrete Zusagen macht Hendrik Wüst beim Rundgang zwischen den Zinkwannen nicht. "Wir sind in engem Austausch mit dem Klimahafen." Es bleibt bei einem Lob: "Genau solche Projekte brauchen wir", so der Ministerpräsident. Die Gelsenkirchener sind selbstbewusst: Mit dem Konzept des Klimahafens könne Deutschland sofort auf eine enorme Menge fossiler Energie verzichten und helfen, das Klima zu retten.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit ZINQ Geschäftsführer Lars Baumgürtel
- Gespräch mit Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU)
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 28.08.2026, 16.30 Uhr
