Mehrere Menschen sitzen im Gerichtssaal

Die Familie Barry im Gerichtssaal

Bildquelle: Olaf Biernat/WDR

Familie enttäuscht Neues Gutachten zu Tod von Ibrahima Barry abgelehnt

Stand:

Das Landgericht Duisburg hat ein neues Gutachten als Beweis abgelehnt. Seit Juni sind neun Polizisten aus Mülheim angeklagt.

Mit Spannung hat die Familie des vor zweieinhalb Jahren verstorbenen Flüchtlings Ibrahima Barry den heutigen Tag im Prozess gegen neun Poilzisten erwartet. Sowohl die Eltern als auch die Schwester von Ibrahima Barry sitzen auf der Bank der Nebenkläger. Ihre Anwälte haben ein neues Gutachten ins Spiel gebracht.

Ibrahima Barry: Experte sieht Tötung und keine Körperverletzung

Das Gutachten belastet die neun angeklagten Polizisten schwer. Der Gutachter geht davon aus, dass die Polizisten für den Tod des Flüchtlings während eines umstrittenen Einsatzes Anfang 2024 verantwortlich sind. Angeklagt sind sie wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung.

Ibrahima Barry

Ibrahima Barry

Bildquelle: WDR / Justice for Ibrahima

Nachdem der 23-jährige Barry damals in der Unterkunft randaliert haben soll, sollen neun Polizisten den Flüchtling an Händen und Füßen gefesselt und ihn in mehrere Minuten in Bauchlage auf dem Boden liegen gelassen haben. Kurze Zeit später ist er aufgrund einer Erstickung verstorben.

Gericht lehnt Gutachten ab - Enttäuschung bei Angehörigen

Als die Vorsitzende Richterin am Mittwoch (02.09.2026) den Antrag der Nebenklage ablehnt, sieht man dem Vater von Ibrahima Barry die Enttäuschung an. Er seufzt kurz und schüttelt dann den Kopf. Offenbar hatten seine Familie und die Anwälte große Hoffnung auf das Guatchten gesetzt.

Gericht nennt Gründe

Als Begründung nennt die Vorsitzende Richterin, dass die Nebenklage nicht das Recht habe, ein entsprechendes Gutachten zu beantragen. Auch den Gutachter werde man nicht als Sachverständigen anhören, denn man habe bereits zwei Sachverständige angehört, das reiche aus.

Die bereits angehörten Experten kommen zu dem Schluss, dass man durch eine bloße Fesselung in Bauchlage nicht sterben könne. Nur in der Kombination mit der Lungen-Vorerkrankung des Geflüchteten sowie seines Kokainkomsums sei das möglich gewesen. Zudem habe der Geflüchtete kurz vorher einen Herzinfarkt erlitten.

Gutachter: Kritik an Vorgehen der Polizisten

Computeranimation einer Gewaltszene

Computeranimation des Tathergangs im abgelehnten Gutachten

Bildquelle: Fabienne Strohmer/WDR

Bei dem Autoren des abgelehnten Gutachtens handelt es sich um den US-amerikanischen Forseniker Dr. Michael Freeman. Er hat die Aufnahmen der Bodycams der Polizisten, die sehr dunkel waren, bearbeitet und aufgehellt und in ein 3D-Modell umgewandelt. Dabei kommt der Forensiker zu dem Schluss, dass die Intensität der Fesselung und Fixierung durch die Polizei völlig unnötig gewesen sei.

Bodycam-Aufnahmen im Gerichtssaal

Das Gericht reagierte aber auf den Antrag der Nebenklage. So wurden die Aufnahmen der Bodycams am Mittwoch noch einmal im Prozess gezeigt und vorher im Videoplayer aufgehellt. Während die Bilder auf Bildschirmen laufen, verlassen die Mutter und die Schwester von Ibrahima Barry unter Tränen den Gerichtssaal.

Auf den Aufnahmen ist das Geschehen vom 6. Januar 2024 zu sehen. Mehrere Polizisten versuchen den aufgebrachten Ibrahima Barry zu beruhigen, geben ihm lautstarke Befehle und beschießen ihn mit einem Taser. Der junge Mann lässt sich dadurch jedoch nicht beruhigen, ihm gelingt es zu in den Hof zu fliehen.

Dort wird er von anderen Polizisten gestoppt, fixiert und in Bauchlage gebracht. Immer wieder hört man, wie Barry schwert atmet und offenbar Probleme hat, Luft zu bekommen. Die Polizisten stehen um den Mann herum und beratschlagen, wie sie weiter vorgehen. Schließlich kommt ein Rettungswagen, Sanitäter transportieren Barry auf einer Trage ab. Kurze Zeit später stirbt er in dem Rettungwagen.

Anwältin von Ibrahima Barrys Familie kämpft weiter

Die Anwältin der Familie von Ibrahima Barry, Andrea Groß-Bölting, kündigte für den nächsten Prozesstermin weitere Anträge an. Sie will erreichen, dass weitere Medizin-Experten angehört werden. Sie ist der Meinung, dass die Fixierung in Bauchlage Ursache für den Tod war und nicht die Umstände wie Vorerkrankungen oder Drogeneinfluss.

Vier weitere Prozesstage sind aktuell noch vorgesehen, der letzte Anfang November.

Entscheidung über Gutachten im Fall Ibrahima Barry

WDR 02.09.2026 57 Sek. Verfügbar bis 01.09.2028

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort im Gerichtssaal
  • Interview mit Andrea Groß-Bölting
  • Gespräch mit Gerichtssprecher Philipp Hein

Sendung: WDR 2, WDR 2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 02.09.2026, 14:31 Uhr

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