Mann wegen zwei Raubüberfällen in Marl vor Gericht
WDR. 02:41 Min.. Verfügbar bis 03.07.2028.
Angeklagt am Landgericht Essen : Raubüberfälle mit Zwillingsbrudertrick
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Gleich zu Beginn der Sitzung ist der Richter nicht sicher, ob er den richtigen Angeklagten vor sich hat. Ist es tatsächlich M.? Der heute 26-Jährige soll 2024 laut Staatsanwaltschaft dem Geldboten eines Marler Supermarktes rund 28.000 Euro Tageseinnahmen entrissen haben. Bereits zwei Wochen später soll er an einem Überfall auf einen Geldtransporter beteiligt gewesen sein - mit 47.500 Euro Beute.
Der Richter kann nicht sicher klären: Who ist who? Denn: M.s eineiiger Zwillingsbruder ist als Zuschauer ebenfalls im Saal. Sitzt auf der Anklagebank also vielleicht der unbescholtene, eineiige Bruder? Immerhin soll sich der angeklagte M. schon mal mit gefälschtem Personalausweis als sein Zwillingsbruder ausgegeben haben, als er ein Bankkonto eröffnete.
Und: Aus dem Zwillingsbrudertrick versuchen die beiden Anwälte von M. heute Kapital zu schlagen. Denn: Zumindest bei dem Überfall auf den Geldtransporter gab es keine Fingerabdrücke. "Im Zweifel für den Angeklagten", sagt der Strafverteidiger Andreas Kabut. Es ließe sich nicht beweisen, dass das Fluchtfahrzeug für den Geldtransporter-Überfall von seinem Mandanten ausgeliehen wurde und nicht vom Bruder.
Fünf Jahre als mögliche Gesamtstrafe
Der Richter schiebt das Verwirrspiel beiseite. Fingerabdrücke um die Zwillinge auseinanderzuhalten werden im Saal nicht genommen. Fünf Jahre deutet er als mögliche Gesamtstrafe für beides an: Da beim Geldtransporter-Überfall einer der Fahrer mit Pfefferspray verletzt wurde, wertet er es als besonders schweren Raub mit gefährlicher Körperverletzung.
Die andere Tat, der angeklagte Supermarkt-Kassen-Raub, wird als Raub mit Körperverletzung gesehen. Da gibt es immerhin Fingerabdrücke und deshalb schon im Gerichtssaal eine Art Geständnis. Die Tat sei aber nur Diebstahl, so die Verteidiger. Sie hoffen auf eine Bewährungs-Strafe. In zehn Tagen soll das Urteil fallen.
