Jugendliche in Arnsberg für Geldwäsche angeworben
WDR. 01:48 Min.. Verfügbar bis 07.07.2028.
Kriminelle Masche : Jugendliche in Arnsberg für Geldwäsche angeworben
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In Arnsberg ist eine neue Variante eines kriminellen Geldwäsche-Modells bekannt geworden: Eine Jugendbande soll dort in den vergangenen Monaten Gleichaltrige mit Gewalt unter Druck gesetzt haben, um kriminell erpresste Gelder zu waschen.
Zu dritt drangen die Männer in die Wohnung ein, traten und schlugen den jungen Mann, der dort wohnte. Er hatte Prellungen an mehreren Stellen des Körpers, schilderte der junge Mann jetzt als Zeuge im Prozess am Landgericht Arnsberg.
Konto zur Verfügung gestellt, um schnell ein paar Euro zu verdienen
Dabei hatte er gehofft, einfach und schnell ein paar Euro zu verdienen. Er hatte für die Eindringlinge sein Konto zur Verfügung gestellt. Hatte schon ein paar Mal Geld darauf angenommen.
Auch jetzt sollten wieder 2.000 Euro ankommen, die er weiterreichen sollte. Doch das klappte nicht. Denn die Staatsanwaltschaft hatte das Konto wegen einiger auffälliger Geldbewegungen gesperrt.
"Wir haben fast täglich mit dieser Form der Geldwäsche zu tun." Annika Berg, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Arnsberg
"Wir haben fast täglich mit dieser Form der Geldwäsche zu tun", sagt die Arnsberger Staatsanwältin Annika Berg. "Aber in dieser Art, wie es jetzt hier passierte, mit dem Ausüben von Gewalt, hat das eine neue, üble Qualität bekommen."
Seit Wochen ermittelt die Justiz im Sauerland gegen eine ganze Reihe von mutmaßlichen Tätern, die sogenannte "Finanzagenten" angeworben haben sollen.
Geldwäsche-System wurde im Prozess deutlich
Ein Teil von ihnen steht jetzt vor Gericht, morgen (8. Juli 2026) könnte das Urteil am Landgericht fallen. Weil die Angeklagten umfassend aussagten und auch etwas über Hintermänner verrieten, werden sie wohl Bewährungsstrafen bekommen.
Am Neheimer Markt in Arnsberg wurden "Finanzagenten" angeworben.
Das System, das im Prozess deutlich wurde: Die Anwerber fordern von den jungen Leuten Zugang zu ihren Konten. Entweder geben sie freiwillig Bankkarte und PIN - oder sie werden bedroht, ihnen werden Messer gezeigt oder Prügel angedroht.
Jugendliche waschen Betrugsgeld auf ihren Konten
Auf die Konten der bis dahin unbescholtenen jungen Leute werden dann kriminelle Gelder überwiesen, die anschließend am Geldautomaten bar abgehoben werden.
Oder die über andere Konten an die Kriminellen - sauber gewaschen - überwiesen werden. Dafür bekommen diese "Finanzagenten", die angeworbenen jungen Leute also, eine Provision ausgezahlt.
Geld wurde über Enkeltrick-Betrügereien abkassiert
Das kriminelle Geld stammt aus Online-Betrügereien oder wird mit der "Enkeltrick-Masche" von alten Menschen erbeutet, sagt Staatsanwältin Berg. Weil das ergaunerte Geld zunächst auf den Konten der jungen Finanzagenten landet, bleiben die wahren Täter im Dunkeln.
Staatsanwältin Annika Berg
Jetzt, im Prozess am Landgericht Arnsberg, wurde erstmals etwas Licht ins Dunkel gebracht. Einer der Hintermänner ist ein Deutscher, der einige Jahre in Arnsberg lebte, jetzt in Solingen gemeldet ist.
Bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal laufen gerade mehr als 60 Verfahren gegen ihn, in Köln eines wegen Geiselnahme. Wann es dort zu Prozessen kommt, ist noch unklar.
Dieser Mann soll die Jugendbande aus Neheim beauftragt haben, Finanzagenten anzuwerben, um über deren Konten Geld zu waschen. Weil das immer nur ein paar Mal funktioniert, bis es auffliegt, wurden immer neue Jugendliche gebraucht.
Wenn statt Taschengeld tausende Euro auf dem Konto sind
Banken haben nämlich Vorkehrungen getroffen: Monitoring-Instrumente registrieren ungewöhnliche Geldeingänge - wenn beispielsweise auf einem Konto plötzlich Tausende Euro eingehen, wo sonst nur ein paar Euro Taschengeld landen.
"Wir sperren direkt Konto und Karte, wir nehmen Kontakt mit dem Kunden auf und versuchen, den Sachverhalt zu klären." Frank Segref, Sprecher der Volksbank Sauerland
Bei dem Verdacht von Geldwäsche durch Finanzagenten handele man sehr konsequent, sagt der Sprecher der Volksbank Sauerland, wo es solche Fälle wie bei nahezu allen Banken auch schon gegeben hat.
Jugendliche müssen den Schaden wieder gutmachen
Die jungen Leute, die als Finanzagenten agieren, wissen meist gar nicht, woher das Geld stammt, das über ihr Konto wandert. Dass dafür oft alte Menschen massiv unter Druck gesetzt wurden und all ihr Vermögen verloren haben. "Aber sie machen sich dennoch möglicherweise strafbar", sagt Staatsanwältin Berg.
Der Prozess um Geldwäsche findet am Landgericht Arnsberg statt.
Selbst wenn sie nicht verurteilt werden, weil sie nachweisen können, nichts vom kriminellen Hintergrund gewusst zu haben: "Dann werden sie zivilrechtlich verantwortlich gemacht, das Geld kann von ihren Konten abgeschöpft werden", sagt die Staatsanwältin.
In Köln warnen Finanzpädagoginnen in Schulen vor der Masche
Sie müssen manchmal über Jahre hinweg das Geld an die betrogenen Opfer zurückzahlen. Um Jugendliche vor solchen Konsequenzen zu bewahren, setzt der Förderverein der Sparkasse Köln-Bonn auf Prävention.
Drei Finanzpädagoginnen gehen dort regelmäßig in Schulen und informieren über die Tricks der Betrüger und wie sie Finanzagenten anwerben.
"Das kommt sehr gut an", sagt Gero Wiesenhöfer, Vorstand des Fördervereins der Sparkasse. "Wir hatten schon Kontakte zu 4.000 Schülerinnen und Schülern - und die Nachfrage der Schulen ist sehr groß."
Enorme Zahl an Geldwäsche-Verdachtsmeldungen
Dass gehandelt werden muss, dass Vorbeugung nötig ist - das machen auch Zahlen der FIU deutlich. Bei der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) in Köln werden bundesweit Geldwäsche-Verdachtsmeldungen eingereicht.
"Diese Meldungen im Zusammenhang mit Finanzagenten machen durchschnittlich rund 15 bis 20 Prozent des bei der FIU eingehenden Meldeaufkommens aus." Sprecher der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU)
Und weil neue Bankformen und Sofortüberweisungen zunehmen, wird das Thema auch in Zukunft relevant sein, sagt die FIU. Also viele Gründe, um gegenzusteuern.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft Arnsberg
- Staatsanwaltschaft Siegen
- Staatsanwaltschaft Wuppertal
- Staatsanwaltschaft Hagen
- Staatsanwaltschaft Köln
- Prozess am Landgericht Arnsberg
- Volksbank Sauerland
- Sparkasse Köln-Bonn
- Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU)
Sendung: WDR.de, Geldwäsche von jugendlicher Bande, 07.07.2026, 5:12 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 07.07.2026, 19:30 Uhr
