Massive Einbußen in Gemeinden in Siegen und Kierspe
WDR. 01:43 Min.. Verfügbar bis 08.07.2028.
In Kierspe und dem Ortsteil Rönsahl ist es beschlossene Sache: Die Servatiuskirche und die Christuskirche werden aufgegeben. Sie sollen verkauft werden, dazu mehrere Gemeindegebäude.
Die Servatiuskirche in Rönsahl
Auch der Kindertagesstätte "Villa Regenbogen" droht die Schließung, die evangelische Kirche als Träger jedenfalls zieht sich zurück. Der Grund dafür sind immer weniger Einnahmen aus Kirchensteuern.
Wir hätten uns sehr einen anderen Weg gewünscht - doch die finanzielle Realität hat uns am Ende keine Wahl mehr gelassen. Pfarrer George Freiwat, Vorsitzender des Kiersper Presbyteriums
Mitgliederzahl in Lüdenscheid-Plettenberg fast halbiert
Der evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg, der für Kierspe zuständig ist, rechnet vor: Im Jahr 2000 gab es noch gut 8.400 Mitglieder, die Kirchensteuer gezahlt haben. Jetzt sind es nur nach 4.800 - also beinahe eine Halbierung.
Gleichzeitig steigen die Kosten zum Erhalt der Gebäude und Angebote immer weiter. Nun soll es statt drei evangelischen Kirchen nur noch eine geben: die Margarethenkirche.
Nur noch eine Kita in Kierspe
Auch bei den Kindergärten will sich der Kirchenkreis auf einen Stadtort konzentrieren. Die Kita "Villa Regenbogen" wird zum Sommer 2028 aufgegeben. Danach soll nur noch die Kita "Abenteuerland" von der Kirche betrieben werden. Für wie viele Kinder es dann Plätze geben wird, ist noch unklar.
Evangelisches Gymnasium in Siegen auf der Kippe
Die Synode des Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein tagt erst am Samstag. Doch der Blick in die Beschlussvorlagen zeigt: Auch hier steht vieles vor dem Aus. Es geht um Gemeindegebäude, Arbeitsplätze in der Verwaltung und Pfarrstellen.
Wir schauen auf unsere sinkenden Mitgliederzahlen, die Veränderungen in der Gesellschaft und die sinkenden finanziellen Möglichkeiten. Kerstin Grünert, Superintendentin Siegen-Wittgenstein
Eingangsbereich Ev. Gymnasium Siegen-Weidenau
Einbußen könnte es dann bei der Seelsorge geben, bei der Jugendarbeit und der der Kirchenmusik. Auch das evangelische Gymnasium "Evau" steht auf der Kippe.
Laut Beschlussvorlage für die Synode am Samstag will der Kirchenkreis die Trägerschaft am Gymnasium abgeben. Bisher fließen jährlich mehr als 250.000 Euro als Eigenanteil von der Kirche an das Gymnasium.
Der Kirchenkreis will, dass die Stadt Siegen die Schule übernimmt. Das aber kann sich die Stadt derzeit nicht vorstellen: Schuldezernent Andree Schmidt schließt eine Übernahme aus.
Sollte die Schule keinen neuen freien Träger finden, müsste man die Schule auslaufen lassen. Dann wäre die Stadt verpflichtet, allen Schülern, die direkt aus Siegen kommen, einen Schulplatz zu besorgen.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- Pfarrer George Freiwat, Vorsitzender des Kiersper Presbyteriums
- Evangelischer Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein
- Evangelisches Gymnasium Siegen-Weidenau
- Andree Schmidt, Schuldezernent Siegen
Sendung: WDR 2, Lokalzeit Südwestfalen, 08.07.2026, 11:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 08.07.2026, 18:08 Uhr
