EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Verbotspläne am Mittwoch in Straßburg angekündigt. Konkret bedeute das: Vom 13. bis zum 15. Lebensjahr seien nur von den Eltern eingerichtete und beaufsichtigte "Mini-Konten" mit eingeschränkten Funktionen und zeitlicher Begrenzung von einer Stunde pro Tag zulässig.
Für die Altersgruppe zwischen 15 und 18 Jahren werde ein sicheres Design für die Plattformen verpflichtend sein, so von der Leyen weiter. Bei Medienpädagogen in Nordrhein-Westfalen stoßen die EU-Pläne auf ein geteiltes Echo.
Social-Media-Verbot: Starre Altersgrenze löst Probleme nicht
Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) mit Sitz in Bielefeld hat sich zu der Debatte bereits in einer Stellungnahme für den NRW-Landtag im Sommer geäußert: "Eine starre Altersgrenze birgt [...] die Gefahr, die Diskussion auf die Frage des Zugangs zu verengen, während die notwendige Debatte über die Gestaltung digitaler Plattformen in den Hintergrund tritt."
Die eigentliche Herausforderung bestehe darin, digitale Umgebungen sicherer zu machen, nicht darin, Kinder und Jugendliche möglichst lange von ihnen fernzuhalten. "Verbote erschweren zudem den offenen Austausch von Kindern und Jugendlichen mit vertrauensvollen Ansprechpartnern im Elternhaus, in der Schule und in pädagogischen Einrichtungen", heißt es weiter.
"Social Media ist ein bisschen wie Autofahren: Das muss man erlernen. Ein pauschales Verbot hilft dafür nicht." Markus Sindermann, Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW
Social-Media-Verbot: Instagram und TikTok stärker regulieren
Ein pauschales Verbot allein sei schwer durchsetzbar und nur eine verkürzte Antwort auf ein strukturelles Problem, heißt es weiter. Die GMK fordert stattdessen sicherere Plattformen, wirksame Regulierung, nachhaltige Medienbildung und ein Schutzkonzept, das die digitalen Teilhaberechte junger Menschen nicht ausblendet.
Die Politik fordert vor allem eine stärkere Regulierung beliebter Plattformen
Bildquelle: dpa Yui MokÄhnlich äußerten sich auch die NRW-SPD sowie die Regierungsfraktionen von CDU und Grünen in ihren Anträgen. "Plattformanbieter müssen gesetzlich verpflichtet werden, eine effektive, technisch belastbare und datensparsame Altersverifikation vorzunehmen", heißt es etwa im Papier von Schwarz-Grün. Die SPD fordert eine "Jugendversion" der Plattformen. Bereits heute ist es so, dass Instagram und Co in der Regel in ihren Geschäftsbedigungen stehen haben, dass sie ab 13 Jahren genutzt werden dürfen.
Social-Media-Verbot: Digitale Teilhabe muss für Kinder möglich bleiben
Ein pauschales Social-Media-Verbot stößt auch deshalb auf Kritik, weil junge Menschen so von digitaler Teilhabe ausgeschlossen würden, sagt Markus Sindermann, Leiter der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW: "Es macht keinen Sinn, junge Menschen auszuschließen, sie gar nicht nach ihren Bedürfnissen zu fragen und ab einem bestimmten Alter sind sie auf einmal medienkompetent genug."
Ein pauschales Social-Media-Verbot lehnen viele Medienpädagogen ab
Bildquelle: IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.Statt pauschaler Verbote brauche es mehr Medienkompetenzförderung, mehr Ansprechpartner für junge Menschen bei Problemen. "Social Media ist ein wenig wie Autofahren: Das muss man lernen. Verbote allein helfen dafür nicht. Dafür müssen wir Kitas, Schulen und vor allem Eltern mit einbinden", erklärt Sindermann.
Social-Media-Verbot: Wirkung bei Kindern noch unklar
Für die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW sind die Folgen eines Social-Media-Verbots noch schwer absehbar: "Da sind noch viele Fragen offen: Gilt das schon für alle bestehenden Accounts junger Leute oder müssen die ihre Accounts löschen und gilt dann das Verbot für alle neuen?", fragt sich Geschäftsführerin Britta Schülke.
Eine Altersgrenze sei zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, so Schülke, reiche aber allein nicht aus. Kinder und Jugendliche müssten stattdessen langsam an den Umgang mit sozialen Medien herangeführt und auch ihre Wünsche und Bedürfnisse in politische Pläne einbezogen werden. "Ein Verbot allein wird nicht reichen, das sieht man auch in Australien", betont Schülke, "Kinder finden Wege, das zu umgehen, dafür gibt es verschiedenste technische Möglichkeiten."
Unsere Quellen:
- Stellungnahme GMK für den NRW-Landtag
- WDR-Interview mit Markus Sindermann, Fachstelle für Jugendmedienkultur in NRW
- WDR-Interview mit Britta Schülke, Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW
- Anträge von SPD und CDU/Grünen im NRW-Landtag
Sendung: WDR2, WDR Aktuell, 16.09.2026, 16:00 Uhr
