Spritpreise: Wann kommen Entlastungen?
Bildquelle: dpaAktuelle Stunde . 17.09.2026. 37 Min. 8 Sek.. UT. Verfügbar bis 17.09.2028. WDR. Von Raphael Markert.
Wer viel unterwegs und dabei auf das Auto angewiesen ist, hat nach jedem Tanken ein Loch im Portemonnaie. Das trifft zum Beispiel Menschen in ländlichen Gegenden, die über Bus und Bahn nicht gut angeschlossen sind. Aber auch Firmen, Handwerker, Schichtarbeiter oder Menschen, die schlecht zu Fuß sind.
Die Bundesregierung will Autofahrerinnen und Autofahrer entlasten: Ab Oktober soll ein Tankrabatt die Spritpreise senken. Spätestens zum 1. Januar 2027 soll zudem der Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens eingeführt werden.
Wir haben die Entlastung für drei beispielhafte Pendlerstrecken in NRW ausgerechnet, was eine Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent bringen würde.
Das sind unsere Beispielstrecken:
- Die Langstrecke aus der Region in den Ballungsraum: von Schmallenberg (Sauerland) nach Dortmund. Eine Fahrt sind etwa 80 Kilometer.
- Die klassische Ruhrgebiets-Strecke von Stadt zu Stadt: von Bochum nach Essen. Pro Fahrt nehmen wir 18 Kilometer an.
- Die Vorstadt-Pendlerstrecke von Hürth nach Köln. Eine Fahrt sind etwa 10 Kilometer.
So haben wir gerechnet:
- Verbrauch: Wir gehen von 7,5 Litern Sprit auf 100 Kilometer aus.
- Benzinpreis: Wir setzen den durchschnittlichen Preis der vergangenen drei Tage an: 2,30 Euro für den Liter E10 Superbenzin und 2,43 Euro für den Liter Diesel.
- Ersparnis: Würde die Mehrwertsteuer auf sieben Prozent gesenkt, lägen die Literpreise entsprechend bei 2,07 Euro für E10 und 2,18 Euro für Diesel - wenn die geringere Steuer 1:1 an die Verbraucher weitergegeben wird.
- Arbeitstage: Wir vergleichen die Preise für eine Fünf-Tage-Woche, in der die Strecke also insgesamt zehn Mal gefahren wird. Bei Jahreswerten legen wir 220 Arbeitstage pro Jahr zugrunde.
Langstrecke: Etwa 14 Euro Ersparnis pro Woche
Auf der Langstrecke vom Sauerland nach Dortmund läge die Ersparnis pro Woche bei 13,92 Euro für E10-Superbenzin und 14,70 Euro für Diesel. Wenn man davon ausgeht, dass der Sprit ein ganzes Jahr lang zu diesem Durchschnittspreis erhältlich wäre, würden Pendler etwa 612 Euro (E10) und 647 Euro (Diesel) sparen.
Ruhrgebietsstrecke: Gut drei Euro Ersparnis pro Woche
Auf der Ruhrgebietsstrecke von Bochum nach Essen würden Pendler pro Woche 3,13 Euro bei E10 und 3,31 Euro beim Diesel sparen. Aufs Jahr gerechnet läge die Ersparnis bei knapp 138 Euro (E10) beziehungsweise 146 Euro (Diesel).
Kurzstrecke: Unter zwei Euro Ersparnis pro Woche
Auf der Kurzstrecke von Hürth nach Köln läge die Ersparnis pro Woche bei 1,74 Euro Benzin und 1,84 Euro für Diesel. Auf das Jahr gesehen wäre das eine Ersparnis von knapp 77 Euro für E10, beziehungsweise knapp 81 Euro für Diesel.
Gäben die Mineralölkonzerne die Senkung weiter?
Unsere Beispielrechnungen basieren auf Annahmen wie Verbrauch und Durchschnitts-Benzinpreisen, die längst nicht für alle Pendler gelten oder für die Zukunft feststehen, und sollten darum nur als grobe Orientierung verstanden werden.
Die wichtigste Annahme: Die Entlastung würde nur dann wirklich spürbar, wenn die Mineralölkonzerne die Steuersenkung eins zu eins an die Verbraucher weitergeben würden. Das sei aber "nicht gewährleistet", sagt Stefan Bach, Steuerexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), "ähnlich wie beim Tankrabatt". Vor allem beim Diesel und "im reichen Süden" hätten die Endverbraucher vom Tankrabatt kaum profitiert.
Mehrwertsteuersenkung für den Staat günstiger als Tankrabatt
Für den Staat würde eine Mehrwertsteuersenkung aufs Jahr gerechnet 7,7 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen bedeuten, hat Bach ausgerechnet. "Für zwei Monate wären das rechnerisch 1,3 Milliarden Euro." Der Tankrabatt habe den Staat 1,6 Milliarden Euro gekostet. Diese Variante entlastete aber auch die Unternehmen, "bei denen die Mehrwertsteuer nur durchlaufender Posten ist".
Einen Hinweis darauf, wie eine Mehrwertsteuersenkung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt, könnte die Gastronomiebranche sein: Dort wurde zu Beginn des Jahres die Mehrwertsteuer auf Speisen ebenfalls von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Billiger wurden die Gerichte in den meisten Restaurants dadurch nicht. Hier die aktuelle Analyse der Zahlen:
Unsere Quellen:
- Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit
- Eigene Berechnungen
- Nachrichtenagentur dpa
- Stefan Bach, Steuerexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
Sendung: WDR 3, WDR aktuell, 17.09.2026, 13 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 17.09.2026, 18:45 Uhr