Entscheidung zum Benzinpreis

Bildquelle: WDR / picture alliance / Rene Traut Fotografie

Aktuelle Stunde 18.09.2026 43 Min. 11 Sek. UT Verfügbar bis 18.09.2028 WDR Von Raphael Markert

Hohe Spritpreise Tankrabatt und Preisdeckel sollen Autofahrer entlasten

Stand:

Die Bundesregierung will Autofahrerinnen und Autofahrer entlasten: Ab Oktober soll ein Tankrabatt die Spritpreise senken.

Von Michael Westerhoff

Der Tankrabatt feiert ein Comeback. Die Maßnahme, die es bereits im Frühjahr gab, soll in nahezu derselben Form zurückkommen. Zudem hat sich die Bundesregierung auf einen Spritpreisdeckel geeinigt. So sollen die Autofahrer bei den hohen Benzin- und Dieselkosten entlastet werden.

Früherer Tankrabatt galt als erfolgreich

Schon damals hatte die Regierung die Energiesteuer gesenkt. Dadurch war auch die Belastung durch die Mehrwertsteuer beim Tanken gesunken. Unter dem Strich machte der Tankrabatt 17 Cent pro Liter aus. Ähnlich soll es nun wieder laufen. Die Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent soll zunächst bis Ende 2026 gelten. Zusammen mit der geringeren Mehrwertsteuer ergibt sich so eine Entlastung von insgesamt 17 Cent pro Liter. Bund und Länder wollen Verbraucher und Unternehmen mit dem Paket insgesamt um rund 2,5 Milliarden Euro entlasten. Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die Einigung auf der Plattform X und bedankte sich bei den Ländern für die schnelle Einigung: "Das ist eine gute Nachricht. Die Koalition hat gehandelt."

Neu ist dagegen der Preisdeckel. Den gibt es auch in Belgien, Kroatien, Ungarn oder Luxemburg. Wie diese Obergrenze hier genau umgesetzt werden soll, steht noch nicht fest. In Luxemburg kalkuliert die Regierung die Preise nach einer komplizierten Formel, in die zum Beispiel Rohölpreise, Raffineriekosten oder Gewinne der Konzerne einfließen. Daraus bildet sich ein Höchstpreis, den Tankstellen nicht überschreiten dürfen. Sie dürfen aber unter dem Preis bleiben.

Es gibt auch Kritik am Tankrabatt

Die Maßnahmen stoßen nicht überall auf Zustimmung. Dr. Samina Sultan, Ökonomin des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln, hatte schon vor einigen Tagen im WDR-Interview zu bedenken gegeben, dass durch Preissenkungen die Nachfrage nach Benzin künstlich hochgehalten werde. Sinnvoll wäre, wenn die Menschen in diesen Zeiten Sprit sparen würden. Die Wirtschaftswissenschaftlerin hatte sich dem Vorschlag von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) angeschlossen, besonders bedürftige Gruppen mit Zuschüssen zu unterstützen.

Auch der ADAC hätte sich andere Maßnahmen vorstellen können. Konkret eine Senkung der Stromsteuer. Das würde Menschen dazu bewegen, auf E-Mobilität umzusteigen. Zudem entlaste das auch private Haushalte. Handwerkspräsident Jörg Dittrich äußerte sich ähnlich: Eine Senkung der Stromsteuer sei "wirkungsvoller, als kurzfristig Sprit billiger zu machen". Eine Senkung der Stromsteuer senke auch die Preise für andere Produkte, so Dittrich.

So ist die Stimmung an der Zapfsäule in Bielefeld

Tankseule mit Tankpreisen

Tanksäule in Bielefeld am 18.09.2026.

Bildquelle: WDR/Jan-Ole Niermann

Eine Umfrage an einer Tankstelle in Bielefeld zeigt: Auch die Meinungen der Verbraucher sind unterschiedlich. "Ich denke jeder Cent den man gespart bekommt, ist in Ordnung. Aber wenn man das auf eine ganze Tankfüllung hochrechnet, wird man damit keine Bäume ausreißen können", sagt zum Beispiel Moritz Bohnenkamp im Interview mit dem WDR. Hartmut Rethage tankt nur einmal im Monat - auch er sieht den Tankrabatt kritisch.

"Das macht dann im Monat für mich zehn Euro aus. Ob ich die habe oder nicht, macht mich nicht reicher und macht mich nicht ärmer." Moritz Bohnenkamp aus Bielefeld
Portrait von Jörg Binder

Jörg Binder wünscht sich ein Ende des Iran-Krieges.

Bildquelle: WDR/Jan-Ole Niermann

Und auch Jörg Binder hat Zweifel, ob der Tankrabatt beim Autofahrer ankommt: "Ich halte es für wesentlich sinnvoller, dass man was gegen die Ursache tut." Der Bielefelder hofft, "dass der Krieg da unten endlich aufhört. Dass die Parteien sich wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, die Straße von Hormus wieder aufgemacht wird." Ein Ende des Krieges würde wieder zu sinkenden Preisen führen, hofft er.

Regierung plant weitere Hilfen

Spätestens zum 1. Januar 2027 soll der Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens eingeführt werden. Nach Angaben von Bund und Ländern handelt es sich allerdings um eine vorübergehende Krisenmaßnahme. Die Bundesregierung kündigte zudem an, die Preisentwicklung weiter zu beobachten und gegebenenfalls zusätzliche Hilfen für besonders betroffene Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen auf den Weg zu bringen.

Tankrabatt und Spritpreisdeckel - das sind die Pläne

WDR 18.09.2026 46 Sek. Verfügbar bis 17.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 2, Nachrichten, 18.09.2026, 20.00 Uhr

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