Rettungskräfte in Mönchengladbach haben den Jugendlichen am Freitag schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht, wie die Polizei mitteilte. Das war nicht der einzige Unfall von Jugendlichen in NRW in den vergangenen Tagen und Wochen.
In Bocholt waren zwei Jugendliche ebenfalls auf einem E-Scooter mit einer 58-jährigen Pedelec-Fahrerin zusammengestoßen. E-Scooter-Unfälle gab es auch in Menden und Herne, zum Teil mit Fahrerflucht.
Viele sind zu zweit auf dem E-Scooter unterwegs.
Unfälle mit E-Scootern stark gestiegen
Die aktuellen Beispiele aus NRW stehen für eine klare Entwicklung: Die Zahl der schweren E-Scooter-Unfälle steigt. Das Statistische Bundesamt hat dazu vor ein paar Tagen aktuelle Zahlen vorgelegt. 2025 hat die Polizei demnach rund 16.500 Unfälle mit verletzten oder getöteten Menschen erfasst. Das ist ein Plus von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 38 Menschen kamen dabei ums Leben, 2024 waren es noch 27.
Auch die aktuelle NRW-Verkehrsunfallbilanz hatte gezeigt, dass Unfälle mit E-Scootern deutlich zugenommen haben. 2025 sind demnach rund 3.900 Menschen dabei verunglückt – die meisten wurden verletzt, fünf Menschen wurden getötet. Die Zahl der Verunglückten stieg damit um rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei Kindern und Jugendlichen gab es sogar ein Plus von mehr als 70 Prozent.
Vor allem jüngere Leute in E-Scooter-Unfälle verwickelt
Laut Statistischem Bundesamt waren mehr als 80 Prozent der in die E-Scooter-Unfälle verwickelten Menschen jünger als 45 Jahre und mehr als die Hälfte jünger als 25. Bei Verkehrsunfällen mit Fahrrad oder Pedelec sieht es dagegen anders aus: Dort war 2025 nur jeder fünfte Verunglückte unter 25. Was lässt sich also tun, um diese E-Scooter-Unfälle zu vermeiden?
Experten von der Deutschen Verkehrswacht haben konkrete Tipps zusammengestellt, um möglichst sicher und unfallfrei unterwegs zu sein:
Sicher unterwegs mit dem E-Scooter: die wichtigsten Tipps
- Noch vor dem Losfahren im Stand die Bremsen prüfen. Wie schnell und wie stark diese greifen, sei in Gefahrensituationen wichtig.
- Die Füße hintereinander auf den Scooter stellen, nicht nebeneinander. Außerdem beide Hände an den Lenker.
- Langsam anfahren, also dosiert Gas geben.
- Vorausschauend fahren: Am besten 15 Meter nach vorne schauen.
- Beim Bremsen Gewicht nach hinten verlagern und in die Knie gehen.
- Auf Witterung und Straßenbelag achten: Langsamer fahren bei Nässe und Laub auf der Straße.
- Üben, wie man mit Handzeichen deutlich macht, dass man abbiegen will. Das kann eine Herausforderung fürs Gleichgewicht sein: Achtung, Sturzgefahr!
Unterwegs mit dem E-Scooter: Die wichtigsten Regeln
Wer mit dem E-Scooter unterwegs sein will, muss mindestens 14 Jahre alt sein. Es ist dafür kein besonderer Führerschein nötig. In den NRW-Städten ist oft zu sehen, dass Menschen zu zweit oder sogar zu dritt auf einem E-Scooter fahren. Das ist allerdings verboten, wie die Deutsche Verkehrswacht betont - genauso wie das Fahren auf dem Gehweg nicht erlaubt sei. Eine Helmpflicht für den E-Scooter gebe es nicht. Aber wegen der steigenden Unfallzahlen wird ein Helm empfohlen.
Experten empfehlen: Beim E-Scooter-fahren einen Helm tragen.
Der ADAC betont außerdem: Alkohol und E-Scooter sind "absolutes No-Go". Nach ein paar Gläsern Bier oder ein paar Cocktails damit nach Hause zu fahren, gehe gar nicht. Es gelten die selben Alkoholgrenzwerte wie fürs Autofahren, so der ADAC.
Vom E-Scooter-Training bis zu mehr Kontrollen: Was Experten jetzt fordern
Weil es trotzdem so viele E-Scooter-Unfälle gibt, fordert der Deutsche Verkehrssicherheitsrat schärfere Regeln. Die Experten sind für eine Art Mini-Führerschein. Sie meinen: Den "E-Scooter-Befähigungsnachweis" sollten zumindest alle haben, die keinen regulären Führerschein besitzen. Außerdem sollte man künftig besser 15 Jahre alt sein, um mit dem E-Scooter unterwegs zu sein - statt bisher 14 Jahre.
Die Deutsche Verkehrswacht spricht sich für Trainingsangebote aus, um bessser fahren zu können und die Regeln zu kennen. Ein entsprechendes Online-Training mit dem Namen "Scootskills" biete der Verband bereits seit längerem an.
"Mangelnde Fahrzeugbeherrschung, alkoholisiert oder auf dem Gehweg unterwegs zu sein sowie zu schnell oder zu zweit auf einem Scooter zu fahren, sind leicht vermeidbare Risiken." Kirsten Lühmann, Präsidentin Deutsche Verkehrswacht
Sollte wegen der vielen E-Scooter-Unfälle mehr kontrolliert werden?
Experten fordern außerdem mehr Kontrollen. Für Unfallforscher Siegfrid Brockmann von der Björn Steiger Stiftung ist zum Beispiel klar: Dass zu zweit auf den Rollern gefahren werde, auf dem Gehweg, unter Alkoholeinfluss, dass zu junge Fahrerinnen und Fahrer unterwegs sind - all dies zeige, dass teilweise gar nicht kontrolliert werde.
Unsere Quellen:
- Material der Nachrichtenagenturen dpa und KNA
- Meldungen der Polizei in NRW - etwa aus Mönchengladbach
- Tipps der Deutschen Verkehrswacht
- Tipps des ADAC
- WDR-Berichterstattung zur Verkehrsunfallbilanz 2025
Sendung: wdr.de, Wie sich E-Scooter-Unfälle reduzieren lassen, 18.07.2026, 12:48 Uhr.