Sundern, Marsberg, Möhnesee, Sonsbeck, Engelskirchen. An vielen Orten gab es in NRW in den letzten Tagen Waldbrände. Im Hürtgenwald in der Eifel sogar nach Einschätzung der Landesregierung den größten in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen. Direkt hinter der Grenze zu Belgien brennt es im Hohen Venn immer noch. Mehr als 3.000 Hektar wurden zerstört.
Frühwarnsystem für Waldbrände
"Je früher man die Waldbrände erkennen kann, desto besser", sagt ein Sprecher der Feuerwehr in Menden im Sauerland. Ein Frühwarnsystem gibt es hier bislang nicht, das könnte sich jedoch bald ändern. Der bayrische Landkreis Cham und die Hochschule Ansbach arbeiten gerade zusammen mit Partnern aus Deutschland und Tschechien an einem System zur Früherkennung von Waldbränden. Jetzt wurde das grenzüberschreitende EU-Projekt in Roding/Oberpfalz vorgestellt.
Doch was ist genau das Ziel des Projekts? Wie funktioniert das neue Frühwarnsystem? Und kann es bereits angewendet werden? Fragen und Antworten.
Was ist das Ziel des Projekts?
Ziel des Projekts ist es, Waldbrände möglichst früh zu erkennen, präzise zu lokalisieren und die Einsatzkräfte somit schnell mit verlässlichen Informationen zu versorgen.
Das Beobachtungssystem soll laut der Hochschule Ansbach in der Lage sein, die Umgebung eigenständig zu überwachen und die ermittelten Daten an eine Drohne zu übertragen, die dann die Lage vor Ort überprüft.
Wie funktioniert dieses neue KI-System?
Zur präventiven Überwachung der Wälder müssen Sensoren im Wald angebracht werden. Ein Sensor kann rund 45.200 Quadratmeter überwachen.
Die Sensoren erkennen Veränderungen in der Luftzusammensetzung, noch bevor Flammen oder Rauch sichtbar werden. Daraufhin bewertet die KI die Daten, lokalisiert die mögliche Gefahrenstelle und alarmiert automatisch eine Drohne.
Die Drohne überprüft den Bereich dann mit Wärmebild- und RGB-Kameras und liefert der Leitstelle ein erstes Lagebild. Zudem sind auch routinemäßige Kontrollflüge möglich.
Gibt es noch weitere Einsatzmöglichkeiten?
Das System kann die Feuerwehr auch bei einem laufenden Einsatz unterstützen, indem die Drohne aktuelle Luft- und Wärmebilder an die Einsatzleitung liefert. Auf diese Weise können auch hier Glutnester, Ausbreitungsrichtungen und Gefahrenbereiche frühzeitig erkannt werden.
Außerdem kann das System auch zur Überwachung von bereits gelöschten Brandflächen genutzt werden - um mögliche Wiederentzündungen zu erkennen. In diesem Fall können mobile Sensorenstationen aufgestellt werden, die die betroffenen Flächen über mehrere Tage hinweg beobachten. Werden Auffälligkeiten festgestellt, startet die Drohne automatisch zur Kontrolle.
Wird das neue Frühwarnsystem bereits angewendet?
"Das ist jetzt erstmal ein Pilotprojekt", erklärt ein Pressesprecher des Kreisbrandrats Cham in Bayern. Zunächst konzentriert sich das Projekt auf die Waldbrandfrüherkennung im Bereich des Nationalparks Šumava und des Bayerischen Waldes.
Hier sollen Sensoren und automatisierte Drohnen eingesetzt werden, die in sogenannten "Drohnenstationen" im Gelände untergebracht sind. "Erstmal muss das Projekt getestet werden, bevor es breiter ausgerollt werden kann", so der Pressesprecher.
Gibt es bereits andere Frühwarnsysteme?
Solche Frühwarnsysteme gebe es bislang nicht, erklärte ein Sprecher der Feuerwehr Menden. Drohnen würden aber auch jetzt schon eingesetzt - dafür arbeite die Feuerwehr Menden mit Drohnenteams.
Drohne hilft Feuerwehr bei Waldbränden
Bildquelle: Feuerwehr BorgentreichNach einem Brand, können die Drohnen helfen, noch Gutnester ausfindig zu machen. Und wenn ein Brand gemeldet wird, kann das betroffene Gebiet mit einer Drohne abgeflogen werden, um die Flammen zu lokalisieren - dazu müsse der Brand jedoch gemeldet werden. Das macht die Drohne bislang nicht selbst.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung des Landratsamts Cham zu dem neuen EU-Projekt
- Gespräch mit einem Sprecher der Feuerwehr Menden
Sendung: WDR 5, Echo des Tages, 19.08.2026, 18:30 Uhr.
