Illustration des Phänomens El Nino auf einer Weltkugel.

Warnung von Fachleuten Wetterphänomen El Niño könnte extrem stark ausfallen

Stand:

Das Wetterphänomen El Niño beeinflusst das Klima weltweit - auch bei uns. Diesmal könnte es heftiger ausfallen als gewöhnlich.

Warum schauen Klimaforscher in aller Welt derzeit auf den Pazifik? Die Antwort heißt "El Niño" - ein natürliches Wetterphänomen, das alle paar Jahre auftritt. El Niño bedeutet auf Deutsch "das Kind" oder "Christkind", weil das Wetterphänomen meist um die Weihnachtszeit herum auftritt. Doch so harmlos, wie der Name es vermuten lässt, ist El Niño nicht.

WMO warnt vor sehr starkem El Nino

WDR 03.09.2026 1 Min. 10 Sek. Verfügbar bis 02.09.2028 WDR Online

Tatsächlich könnte das Wetterphänomen diesmal erheblich heftiger ausfallen als in "normalen" Jahren. Davor warnt aktuell die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 Prozent soll das Wetterphänomen von September bis Februar 2027 andauern. Auch dieser besonders lange Zeitraum erhöhe das Risiko für schwere Wetterkapriolen. Ein sehr starker El Niño könnte die weltweiten Niederschlags- und Temperaturmuster erheblich verändern und Extremwetterereignisse verstärken - auch in NRW.

El Niño: Wenn der Pazifik aus dem Gleichgewicht gerät

Aber wie entsteht das Wetterphänomen? Normalerweise treiben sogenannte Passatwinde warmes Oberflächenwasser im Pazifik nach Westen. Bei El Niño kippt dieses System: Die Winde schwächen ab oder verändern die Richtung. Dadurch breitet sich das warme Wasser weiter nach Osten bis vor die Küste Südamerikas aus.

Das verändert die Luftströmungen und Niederschlagsmuster weltweit. Die Folgen: Da, wo Regen gebraucht wird, entstehen Dürren und da, wo ohnehin viel Regen fällt, kommt es zu Überschwemmungen.

Funktionsweise des "El Niño" | Grafik

Bei El Niño verlagert sich warmes Oberflächenwasser im Pazifik Richtung Südamerika.

Bildquelle: WDR

Laut WMO liegen die Temperaturen der oberen Meeresschichten im zentralen bis östlichen äquatorialen Pazifik bereits jetzt deutlich über dem Durchschnitt. In tieferen Meeresschichten herrsche sogar noch außergewöhnlichere Wärme. In einigen Gebieten hätten die Wassertemperaturen unter der Oberfläche im Juli und Anfang August mehr als 8 Grad über dem Durchschnitt gelegen.

Warum El Niño auch in NRW eine Rolle spielt

Ein verdorrtes Reisfeld in Indonesien.

Durch El Niño kann es zu Dürren und Ernteausfällen kommen

Bildquelle: imago images / ZUMA Press / Aditya Irawan

Drohende Dürre im Süden Afrikas, Regen und Überflutungen im Osten. Dazu Brände und anhaltende Trockenheit in Australien und Indonesien - im Pazifikraum sind die Auswirkungen von El Niño direkt sichtbar. Da Europa stärker vom Atlantik geprägt wird, ist das hier anders. Ganz ohne Auswirkungen bleibt das Wetterphänomen aber trotzdem nicht.

So erwartet ARD‑Meteorologe Karsten Schwanke für den Sommer 2027 noch heißere Temperaturen als im Sommer 2026, denn durch El Niño steigt häufig auch die globale Durchschnittstemperatur. Dabei kämpft das Land bereits jetzt mit anhaltender Hitze und Trockenheit, wie zuletzt der Brand im Hohen Venn und die steigende Zahl von Hitzetoten in NRW zeigten.

Karsten Schwanke lächelt freundlich in die Kamera. Er trägt einen Anzug mit Krawatte und eine Brille.
"2026 war auch ohne El Niño ein extremes Jahr und 2027 kann noch heißer werden." Karsten Schwanke, ARD- Meteorologe

Globale Auswirkungen, lokale Folgen

Gleichzeitig beeinflusst El Niño auch die Wirtschaft: "Das Wetter hat immer Einfluss auf eine global vernetzte Welt", so Schwanke. Die Folgen können sich auch im Alltag bemerkbar machen: Fallen Ernten durch Dürren oder Überschwemmungen aus, können die Preise für bestimmte Importwaren steigen. Das macht sich dann mitunter auch an der Supermarktkasse bemerkbar.

Ob El Niño tatsächlich so stark ausfällt, wie derzeit prognostiziert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Klar ist aber: Was im Pazifik beginnt, kann sich über Klima, Wirtschaft und globale Lieferketten auch in NRW bemerkbar machen.

El Niño: "Verändert Niederschlagsprozesse"

WDR 5 Morgenecho - Interview 27.08.2026 5 Min. 22 Sek. Verfügbar bis 27.08.2027 WDR 5

Unsere Quellen:

  • Interview mit ARD-Meteorologe Karsten Schwanke
  • Prognosen der National Oceanic and Atmospheric Administration
  • Prognosen der WMO

Sendung: WDR.de, WMO warnt vor sehr starkem El Niño, 03.09.2026, 8 Uhr
Erstveröffentlichung
des Artikels am 27.08.2026

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