Streit um Bafög-Reform

Aktuelle Stunde 01.06.2026 33:47 Min. Verfügbar bis 01.06.2028 WDR Von Julius Hilfenhaus

Reform auf der Kippe Was die BAföG-Diskussion für Studierende bedeutet

Stand:

Studieren und nebenbei arbeiten: Für viele Studierende ist das längst Alltag - bei steigenden Lebensunterhaltskosten. Die Bundesregierung ist sich jetzt aber uneins, ob Reformen - und damit mehr Förderung für Studierende - umsetzbar sind.

Studieren, lernen, Prüfungen schreiben - und nebenbei noch arbeiten. Für viele Studierende in Deutschland ist das längst Alltag. Mieten, Lebensmittel und Energie werden teurer, während staatliche Unterstützung oft nicht ausreicht.

Nach Angaben des Deutschen Studierendenwerks lebt inzwischen etwa ein Drittel der Studierenden in Deutschland in Armut oder ist armutsgefährdet. BAföG erhalten nur rund zwölf Prozent aller Studierenden.

Diskussionen ums Bafög

WDR 01.06.2026 00:58 Min. Verfügbar bis 31.05.2028 WDR Online

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BAföG: Die geplante Reform wackelt

Eigentlich wollten Union und SPD das BAföG deshalb modernisieren. Zum Wintersemester sollte zunächst die Wohnkostenpauschale für Studierende, die nicht mehr zuhause wohnen, von 380 auf 440 Euro im Monat steigen.

Ein Jahr später sollte dann auch der sogenannte Grundbedarf angehoben und dauerhaft an die Entwicklung der Grundsicherung gekoppelt werden.

Dorothee Baer bei einem Pressestatement im Reichstagsgebäude

Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU)

Doch daraus könnte nichts werden. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär erklärte zuletzt, sie rechne nicht mehr damit, dass die Vorhaben in ihrer bisherigen Form eine Mehrheit finden. Für viele Studierende kommt diese Debatte zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Massive Auswirkungen für Studienland NRW

Besonders spürbar wären die Folgen auch in Nordrhein-Westfalen. Das Land verfügt mit rund 70 bis 80 Hochschulen und mehr als 50 großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen über eine der größten Wissenschaftslandschaften Deutschlands.

Zuletzt waren an den Hochschulen in NRW rund 707.000 Studierende eingeschrieben. Damit ist die Zahl erstmals seit fünf Jahren wieder gestiegen.

Gerade in den großen Hochschulstädten wie Köln, Düsseldorf, Münster, Aachen oder Bonn berichten Studierende immer wieder von steigenden Lebenshaltungskosten und angespannten Wohnungsmärkten.

Ohne Nebenjob geht es nicht mehr

Für viele ist ein Nebenjob deshalb unverzichtbar. Knapp zwei Drittel aller Studierenden arbeiten inzwischen neben dem Studium, ergab die letzte Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks von 2021. Dabei ist das Studium selbst längst kein Nebenbei-Projekt.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW entspricht ein Vollzeitstudium im Durchschnitt einem Aufwand von etwa 40 Stunden pro Woche. Hinzu kommen Lernphasen vor Prüfungen, Hausarbeiten oder Praktika.

Während der Vorlesungszeit dürfen Studierende in der Regel nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten, wenn sie ihren Status als Werkstudentin oder Werkstudent behalten wollen.

Wohnen wird zum größten Kostenfaktor

Besonders stark belastet viele Studierende die Wohnungssuche. Bundesweit kostet ein WG-Zimmer inzwischen durchschnittlich fast 500 Euro im Monat. In vielen Hochschulstädten liegen die Preise deutlich höher. In Köln werden für ein Zimmer im Schnitt bereits rund 583 Euro fällig.

Die derzeitige Wohnkostenpauschale für Studierende reicht damit vielerorts nicht mehr aus. Auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, wie groß die Belastung geworden ist: Studierende mit eigenem Haushalt geben inzwischen mehr als die Hälfte ihres verfügbaren Einkommens für Wohnkosten aus.

Studierendenwerke warnen vor Stillstand

Studierendenverbände und Studierendenwerke drängen seit Jahren auf eine Reform der Ausbildungsförderung. Die letzte BAföG-Erhöhung gab es 2024.

"Bricht die Koalition ihr BAföG-Versprechen, drohen sechs Jahre ohne eine Anpassung der Förderung an die gestiegenen Preise", warnt Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks.

Ob die im Koalitionsvertrag angekündigten Verbesserungen tatsächlich kommen, ist derzeit offen. Eigentlich soll die BAföG-Reform im Juli im Bundeskabinett beraten werden.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 5, WDR aktuell, 02.06.2026, 15 Uhr
WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 01.06.2026, 18.45 Uhr

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