Am russischen Generalkonsulat in Bad Godesberg werden die letzten Pässe ausgegeben.
Bildquelle: WDR / Britta SchwanenbergWDR. 1 Min. 57 Sek.. Verfügbar bis 11.09.2028.
Dass das letzte russische Generalkonsulat nun schließen muss, ist eine Reaktion der Bundesregierung nach dem Drohnenvorfall in Leipzig. Die meisten Russen, die heute für Passangelegenheiten anstehen, sind froh, dass sie ihre Angelegenheiten noch erledigen konnten.
"Wir haben am letzten Tag unsere Pässe bekommen. Gott sei Dank!" Tatjana
Um elf Uhr vormittags sind Tatjana und Valentina schon wieder auf dem Weg zum Auto, die neuen Pässe in der Hand. Sie kommen aus Solingen und Wuppertal und sind extra um sechs Uhr aufgebrochen, damit heute in Bonn-Bad Godesberg alles gut geht. Sie sind erleichtert, dass es auf den letzten Drücker geklappt hat.
Für Pass- und Visaangelegenheiten bleibt nun nur noch Berlin
Die letzten Wartenden am Konsulat
Bildquelle: WDR / Britta SchwanenbergDie letzten Warteschlangen auf den Straßen im Bad Godesberger Stadtteil Schweinheim schrumpfen schnell. Denn Anträge können heute nicht mehr gestellt werden. Es werden nur noch Pässe ausgegeben.
Unsere WDR-Anfrage, am letzten Besuchertag ins Generalkonsulat zu kommen, blieb unbeantwortet. Auch viele Wartende möchten lieber nicht mit uns reden. Und die, die es tun, formulieren vorsichtig: "Ich finde es schade für die beiden Völker, weil die Leute leiden. Das ist alles die Politik!", sagt Elena, die aus Freiburg angereist ist. Sie brauch nach einer Namensänderung einen neuen Pass.
Ein Stadtteil mit besonderer Geschichte: Polizeieinsätze, Staatsgäste, Demonstrationen
Mit der Schließung des Generalkonsulats endet in Bonn eine lange Geschichte. Seit Mitte der Siebziger erst in der Botschaft, dann im Konsulat in Bad Godesberg viel passiert. Staatsgäste wie Michael Gorbatschow waren da. Es gab Polizeieinsätze wie 2014 wegen eines verdächtigen Pakets und immer wieder Demonstrationen. Bei Wahlen trafen hier Putinfreunde auf seine Gegner.
Eine letzte Demonstration gegen den Ukraine-Krieg vor dem Konsulat
Bildquelle: WDR / Britta SchwanenbergZwei Mal wöchentlich gab es eine Mahnwache gegen den Ukraine-Krieg. Auch heute stehen die Demonstrierenden gegenüber des Konsulats. Iris Schneider (Bündnis 90/Die Grünen) ist stellvertretende Bürgermeisterin in Bad Godesberg. Sie hält eine Ansprache, erst auf russisch, dann auf deutsch.
Sie seien gute Nachbarn gewesen, hätten den Russen eines der schönsten Grundstücke und stets Polizeischutz und Parkplätze zur Verfügung gestellt, sagt sie. Damit sei jetzt Schluss und auch die Mahnwachen werden sie beenden. Was aus dem Grundstück wird, ist unklar. Vielleicht bleibt es ungenutzt.
Unsere Quellen:
- Gespräche mit Menschen vor Ort in Bad Godesberg
- WDR-Gespräch mit der stellvertretenden Bürgermeisterin von Bad Godesberg
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 11.09.2026, 19:30 Uhr