Die d-your App bringt ab 2027 Ausweise ins Smartphone

Ausweis auf dem Handy Was die "d-you"-App als Digitale Brieftasche können soll

Stand:

Der Bundesdigitalminister hat heute Details zur neuen digitalen Brieftasche vorgestellt. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, was alles in die Wallet rein soll, was das Handy heute schon ersetzt und wo Fallstricke liegen.

Ob Personalausweis, Führerschein oder Fahrzeugschein: Wer heute etwas nachweisen muss, der zückt noch Plastik oder Papier. Doch genau das soll sich ändern: Die europäische digitale Brieftasche, bislang sperrig EUDI-Wallet genannt, soll solche behördlichen Nachweise künftig auf das Smartphone bringen. In Deutschland soll die App "d-you" heißen. Offizieller Start ist für Anfang 2027 geplant.

Den Namen d-you erklärt Digitalminister Karsten Wildberger so: Das kleine "d" steht für digital und Deutschland, das you rückt den Nutzer in den Mittelpunkt. Zum Start sollen rund 40 Partner aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft dabei sein, darunter Sparkassen, Volksbanken, die Deutsche Post, Vodafone sowie diverse Behörden und Universitäten. Aus NRW sind etwa die Stadt Aachen und die Universität Duisburg-Essen am Start.

Was die EUDI-Wallet können soll – und was heute schon ohne sie geht

Bildquelle: WDR/Schieb

3 Min. 13 Sek. Verfügbar bis 09.09.2028 Von Jörg Schieb

Ein Schlüsselbund für digitale Nachweise

Technisch ist die Wallet kein Ordner in der App mit Dokumentenfotos, sondern ein geschützter digitaler Schlüsselbund. In der Wallet liegen künftig kryptografisch signierte Nachweise - ausgestellt von der behördlichen Stelle, die auch das Original ausgibt. Jemand, der den Nachweis prüft, sieht nicht nur ein Bild, sondern kann die Echtheit jederzeit überprüfen. Herzstück ist zunächst der digitale Zwilling des Personalausweises, erzeugt aus dem Chip in der Karte.

Nach und nach sollen weitere Nachweise dazukommen: Führerschein, Geburtsurkunde, Zeugnisse, Tickets, auch die Krankenversichertenkarte. Dazu müssen allerdings geeignete technische Maßnahmen etabliert werden, um die Echtheit bestätigen zu können.

Fahrzeugschein und Führerschein lassen sich auch heute schon digital mitführen

Fahrzeugschein und Führerschein lassen sich auch heute schon digital mitführen

Bildquelle: WDR/Schieb

In der ersten Stufe kann man sich mit der App identifizieren und bei Bedarf Nachweise vorzeigen; digitale Unterschrift, anonymes Anmelden und Zahlungsfreigaben folgen später im Lauf des Jahres 2027.

Nutzung ist freiwillig

Die Nutzung der EUDI-Wallet ist freiwillig und kostenlos, der analoge Weg bleibt als Alternative weiterhin bestehen. Umgekehrt gilt: Banken, Versicherer und sehr große Onlineplattformen (etwa zum Altersnachweis) müssen die Wallet akzeptieren, sobald sie verfügbar ist.

Mehr als 100 Unternehmen testen die Anbindung bereits in einer Sandbox des Bundes, das ist eine geschützte Testumgebung. Die Umsetzung steuert die Innovationsagentur SPRIND, das BSI zertifiziert, die Bundesdruckerei liefert die Anbindung an den Ausweischip.

Was heute schon aufs Handy passt

Doch auch ohne EUDI-Wallet lassen sich einige Dokumente schon im Smartphone speichern. Beispiel: Der Fahrzeugschein lässt sich seit Februar 2025 ganz offiziell auch papierlos in der i-Kfz-App des Kraftfahrt-Bundesamts mitführen - und ist dort dem Papier rechtlich gleichgestellt. Bei einer Kontrolle in Deutschland genügt das Handy. Im Ausland muss weiterhin das Original mit.

Entscheidend ist der Unterschied zwischen App und Abfotografieren: Ein Foto oder ein Scan erfüllt die Mitführpflicht nicht. Rechtlich ist das, als hätte man nichts dabei - und das kann bis zu zehn Euro Verwarngeld bedeuten. Es zählt nur das amtliche Dokument oder die offizielle App.

Beim Führerschein läuft es ähnlich, nur später. Die Rechtsgrundlage steht seit Mai 2026 im Bundesgesetzblatt, der Start ist für Ende 2026 vorgesehen - ebenfalls über die i-Kfz-App.

Erst mal nur im Inland

Auch das ist zunächst eine reine Inlandslösung und ausdrücklich eine Ergänzung: Die Plastikkarte bleibt weiterhin gültig. EU-weit soll der digitale Führerschein erst mit der neuen Führerscheinrichtlinie bis 2030 anerkannt werden. In den Wallets von Apple und Google liegen hierzulande dagegen weiter nur Bezahlkarten, Tickets und Bordkarten.

Die EUDI-Wallet gilt in 27 Mitgliedsstaaten der EU

Die EUDI-Wallet gilt in 27 Mitgliedsstaaten der EU

Bildquelle: WDR/Schieb

Ersetzt die Wallet die Einzel-Apps? Kurzfristig nicht. Die i-Kfz-App läuft parallel weiter, der Führerschein soll ab Anfang 2027 zusätzlich in die staatliche Wallet wandern. Gedacht ist die Brieftasche aber als Gegenentwurf zum App-Flickenteppich: ein Ort für alle Nachweise statt einer App je Behörde, mit einheitlichen Sicherheitsregeln und - anders als bei den heutigen Insellösungen - Anerkennung in allen EU-Staaten.

Weniger Daten preisgeben, nicht mehr

Der eigentliche Fortschritt liegt weniger im Komfort als im Prinzip der Datenminimierung. Wer heute online Wein kauft, muss häufig den vollständigen Ausweis vorlegen - samt Name, Adresse und Geburtsdatum. Künftig soll die Wallet lediglich bestätigen, dass die Person über 18 ist. Alle weiteren Angaben bleiben auf dem Gerät.

Auch das Video-Ident-Verfahren beim Kontowechsel könnte damit entfallen - ebenso wie das Hochladen von Ausweiskopien bei Vermietern oder Vergleichsportalen. Wer Daten abfragen möchte, muss sich zuvor staatlich registrieren. Ein Dashboard in der App macht transparent, wer wann welche Informationen angefordert hat. Die Nachweise werden verschlüsselt auf dem Smartphone gespeichert und nur per PIN oder Fingerabdruck freigegeben. Eine zentrale Datenbank mit Bürgerprofilen ist nicht vorgesehen.

Wo Risiken liegen

Kritik an den digitalen Lösungen gibt es dennoch - und sie richtet sich vor allem gegen die technische Konstruktion. Deutschland setzt auf sogenannte signierte Nachweise, deren Echtheitssiegel dauerhaft mit den Daten verknüpft bleibt. Fachleute warnen: Gelangen solche Datensätze in falsche Hände, verfügen Kriminelle über nachweislich echte Personendaten - ein potenzielles Risiko, weil damit Identitätsdiebstahl und Datenhandel möglich sind. Andere Verfahren vermeiden dieses Risiko, indem ein Nachweis nur für den Augenblick der Prüfung gültig ist.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Altersverifikation. Was dem Jugendschutz dienen soll, könnte die Anonymität im Netz untergraben, wenn Plattformen einen solchen Nachweis flächendeckend verlangen (oder der Staat). Zugleich stellt sich die Frage, wer von der neuen Technik ausgeschlossen wird: etwa Menschen ohne Smartphone oder ohne Erfahrung im Umgang mit Apps. Sozialverbände halten den Entwurf für digital wenig geübte Nutzerinnen und Nutzer für zu komplex.

Und dann sind da noch die Tücken des Alltags: Das Handy ist weg, der Akku leer. In solchen Fällen soll sich die Wallet sperren und auf einem neuen Gerät wieder einrichten lassen. Wie reibungslos das tatsächlich funktioniert, wird sich jedoch erst im praktischen Einsatz zeigen. Die Erfahrungen mit der elektronischen Patientenakte mahnen jedenfalls zur Vorsicht.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Ausweisen ohne Plastikkarte: Was die EUDI-Wallet können soll, 09.09.2026, 11:00 Uhr

Weitere Beiträge zum Thema Politik

1 / 2