Inklusion an Schulen

Eine Schülerin sitzt in einer 1.Klasse einer Grundschule im Klassenzimmer in ihrem Rollstuhl an einem Tisch. In Hessen schicken immer mehr Eltern ihre Kinder nicht auf eine Förderschule, sondern in reguläre Schulen.

Bildquelle: Bernd Wüstneck/dpa

Vorschläge für mehr Teilhabe Wie kann bessere Inklusion an Schulen in NRW gelingen?

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Inklusion soll in NRW zum Regelfall werden - doch viele Schulen sind dafür offenbar nicht gerüstet. Ein Bündnis fordert eine bessere Ausstattung der Schulen und nimmt die Landesregierung in die Pflicht: Die Ankündigungen aus dem Koaltionsvertrag sollten endlich umgesetzt werden.

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Jonas Helm
Jonas Helm

Wenn die Landesregierung nicht liefert, nehmen wir es selbst in die Hand: Das könnte der Gedanke hinter dem Konzept für eine bessere Inklusion an Schulen in NRW sein, die ein Bündnis aus Verbänden und Vereinen für die Recht von Menschen mit Behinderung am Montag in Düsseldorf vorgestellt hat. Sie nennen es einen "Service für die Landesregierung". Denn die hat sich in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, mit einem "Aktionsplan Inklusion" die inklusive Bildung in NRW zu verbessern - laut dem Bündnis sei davon bisher aber nur wenig umgesetzt worden. Auf gut 30 Seiten macht ihr Konzept jetzt Vorschläge, wie ein umfassender Aktionsplan aussehen könnte.

Ziel: Ein Angebot für jedes Kind

Unter anderem fordert das Konzept, dass die Landesregierung mehr Plätze für Kinder mit Förderbedarf an Regelschulen schafft. Das Ziel soll sein, dass in zehn Jahren jedes Kind mit Behinderung in der Nähe seines Wohnorts ein inklusives Schulangebot gemacht bekommt. Doch aktuell sei man davon noch weit entfernt, sagt Bernd Kochanek. Erst ist Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW. Der Verband hat das Konzept für mehr Inklusion mitentwickelt.

Viele Schulen sind auf Inklusion überhaupt nicht vorbereitet. Bernd Kochanek, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW

Die Mehrheit der Kinder geht auf eine Förderschule

Dabei hat jedes Kind in NRW mit einer Behinderung Anspruch auf einen Platz an einer allgemeinen Schule - so steht es im Schulgesetz. Gemeinsames Lernen soll der Regelfall sein. Eltern können also wählen, ob ihr Kind eine allgemeine Schule oder eine Förderschule besuchen soll.

Doch laut Zahlen der Landesregierung besuchten im vergangenen Schuljahr weniger als die Hälfte der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Regelschule, die Mehrheit ging auf eine Förderschule. Im Kontrast dazu steht eine Umfrage, die das Deutsche Institut für Menschenrechte in Auftrag gegeben hat: Demnach würde fast 70 Prozent der Eltern in NRW mit Kindern an einer Förderschule ihre Kinder lieber auf eine Regelschule schicken.

Mutter kämpft für ihren Sohn mit Behinderung

Vera Bläsing,

Vera Bläsing, Mutter eines Sohns mit Behinderung

Bildquelle: Vera Bläsing

Doch der Weg dahin ist oft schwierig. Der Sohn von Vera Bläsing aus Kerpen hat Trisomie 21, er geht auf eine Gesamtschule. Dafür musste seine Mutter lange kämpfen. "Auf Weg dahin braucht man ein dickes Fell. Ich musste mich oft erklären, warum ich den inklusiven Weg für meinen Sohn möchte. Bei der Schulanmeldung in der Grundschule wurde mir gesagt, dass man meinen Sohn da nicht gut fördern kann. Ob ich ihn nicht doch besser an eine Förderschule schicken wolle", erzählt Bläsing. Viele Eltern würden auch wegen solcher Aussagen gar nicht erst versuchen, ihr Kind auf eine Regelschule zu schicken.

Indivduelle Förderung ist wichtig

Neben genügend Plätzen für die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf fordert das Konzept der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe und anderen Vereinen auch mehr Lehrerinnen und Lehrer, die entsprechend ausgebildet sind. "Oft wird nicht individuell genug auf die Kinder geschaut und der Förderbedarf wird oft gar nicht erst erkannt", so Bernd Kochanek.

Bündnis fordert mehr Inklusion an NRW-Schulen

WDR 5 Westblick - aktuell 14.09.2026 4 Min. 34 Sek. Verfügbar bis 14.09.2027 WDR 5

Bildungsministerium: Haben 6.000 neue Lehrerstellen geschaffen

Die Kritik der Verbände, dass man im Bereich Inklusion bisher zu wenig umgesetzt habe, will die Landesregierung nicht gelten lassen. Auf WDR-Anfrage heißt es aus dem Bildungsministerium, dass der "Aktionsplan Inklusion" aus dem Schwarz-Grünen Koalitionsvertrag bereits vorliege. Er sehe unter anderem vor, dass das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf an Regelschulen weiter ausgebaut werden soll. Seit dem Schuljahr 2014/15 habe die Landesregierung dafür mehr als 6.000 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen. Eltern sollten sich für die Schulart entscheiden können, die sie für ihr Kind am besten halten.

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz zum "Aktionsplan inklusive Bildung für NRW"
  • Interview mit Bernd Kochanek, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW
  • Interview Vera Bläsing
  • Eigene Recherchen

Sendung: WDR 5, Westblick, Bündnis fordert mehr Inklusion an NRW-Schulen, 14.09.2026, 17:05 Uhr

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