Eine Idee für uns?: Frankreich verbietet Rauchen an Stränden und in Parks

Aktuelle Stunde 29.06.2025 28:36 Min. UT Verfügbar bis 29.06.2027 WDR Von Dorothea Schluttig

Frankreich weitet Rauchverbote aus – Wie sieht es bei uns aus?

Stand:

In Frankreich ist bereits seit Sonntag das Rauchen an vielen öffentlichen Orten verboten. Was dahinter steckt und was bei uns gilt.

Rauchen in der Öffentlichkeit? Frankreich sagt dem Nikotinkonsum den Kampf an und weitet Rauchverbote aus. Bislang war in unserem Nachbarland das Rauchen etwa am Arbeitsplatz, in öffentlichen Verkehrsmittteln und auf Spielplätzen untersagt. Und wer in Privatautos im Beisein von Kindern raucht, muss mit einer Strafe von bis zu 750 Euro zu rechnen. Seit Sonntag betrifft nun das Rauchverbot weitere Bereiche: Zum Beispiel ist das Rauchen an Frankreichs Stränden verboten.

Für welche weiteren Bereiche in der Öffentlichkeit gilt in Frankreich ein Rauchverbot?

Neben Stränden gilt in Frankreich das Rauchverbot auch an anderen Orten in der Öffentlichkeit, etwa Bushaltestellen, Parks, Ausbildungsstätten und Unterkünfte für Minderjährige. Bei Schulen, Bibliotheken und Schwimmbädern darf in einem Umkreis von zehn Metern nicht geraucht werden.

Die französische Regierung zielt damit bewusst auf Orte, an denen sich junge Menschen aufhalten. "Wo Kinder sind, da muss der Tabak verschwinden", hatte Gesundheitsministerin Catherine Vautrin unlängst in einem Interview gesagt. Die Freiheit zu rauchen ende dort, wo "das Recht der Kinder auf gesunde Luft beginnt." Ein weiterer Aspekt: Junge Menschen sollen sich Rauchende nicht zum Vorbild nehmen und somit zum Schutz ihrer Gesundheit erst gar nicht mit dem Nikotin-Konsum anfangen.

Die Ausweitung des Rauchverbots sollte ursprünglich erst zum 1. Juli - also am kommenden Dienstag - in Kraft getreten. Jetzt ist die Neuregelung schon seit Sonntag wirksam. Der Grund: Das entsprechende Dekret wurde am Samstag veröffentlicht. Und in Frankreich gilt: Wenn ein Dekret erst einmal öffentlich ist, tritt es am Folgetag in Kraft.

Was droht bei Verstößen?

Bei Verstößen droht in Frankreich eine Geldstrafe von 135 Euro. In den ersten Tagen dürften Verstöße allerdings noch nicht streng geahndet werden.

Gibt es Ausnahmen vom Rauchverbot?

Ja. Der Konsum von E-Zigaretten und das Rauchen auf Terrassen von Restaurants und Cafés sind in Frankreich von dem Rauchverbot ausgenommen.

Warum greift die französische Regierung so hart in Sachen Rauchen durch?

Nach Schätzung von Experten ist das Rauchen in Frankreich pro Jahr für 75.000 Todesfälle verantwortlich und verursacht jährlich Kosten in Höhe von 156 Milliarden Euro. Auch Passivrauchen ist gefährlich und verursacht demnach bis zu 5.000 Todesfälle jährlich.

Wie viele Todesfälle durch Rauchen gibt es hierzulande?

In Deutschland ist die Zahl der Todesfälle durch Rauchen höher als in Frankreich. Hierzulande sterben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) etwa 127.000 Menschen pro Jahr durch den Nikotinkonsum. Hinzu kommen laut RKI "die hohen Kosten für die Versorgung von Krankheiten und Gesundheitsproblemen, die auf das Rauchen zurückgehen, sowie durch mögliche Krankheitsfolgen, wie zum Beispiel eine Erwerbsunfähigkeit oder Frühberentung.“

Gibt es auch bei uns in Deutschland Rauchverbote?

Ja, auch bei uns gibt es Rauchverbote. So darf beispielsweise in Behörden, Verkehrsmitteln und in der Gastronomie nicht geraucht werden. Allerdings ist die Gesetzgebung bundesweit nicht einheitlich. Vielmehr haben die 16 Bundesländer jeweils ein eigenes Gesetz in Sachen Nichtraucherschutz – und die Regelungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Einen Überblick über die einzelnen Regelungen in den Bundesländern gibt es auf der Website der Initiative Pro Rauchfrei:

Wird in Deutschland überhaupt viel geraucht?

Der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten zufolge ist der Tabakkonsum in den vergangenen Jahren gesunken. Allerdings raucht hierzulande immer noch mehr als jeder Vierte (28,3 Prozent). Das Statistische Bundesamt hatte zuletzt einen leichten Anstieg des Zigarettenverbrauchs pro Kopf verzeichnet: Gab es im Jahr 2023 noch einen Zigarettenverbrauch von 758 Stück je Einwohnerin oder Einwohner, waren es im Jahr 2024 insgesamt 784 Stück je Einwohnerin oder Einwohner.

Wie sieht das Rauchverbot in NRW aus?

Seit Mai 2013 gilt in NRW ein umfassendes Rauchverbot in Gaststätten, unabhängig von ihrer Größe oder Anzahl der Räume. Im Freien, zum Beispiel auf Terrassen oder in Biergärten, ist das Rauchen weiter erlaubt. 

Auch beispielsweise in Behörden, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, Sporteinrichtungen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie auf Spielplätzen darf nicht geraucht werden. Gleiches gilt in Schulen und auf dem Schulgrundstück. 

Gibt es auch in NRW auch ein Rauchverbot auf öffentlichen Plätzen?

Ein Raucher zieht an einer Zigarette im Freien

Rauchen im Freien

Nein, nicht flächendeckend. In der Kleinstadt Holzwickede (Kreis Unna) darf man bei Veranstaltungen im Freien nicht mehr rauchen. Beim "Tanz in den Mai" oder bei einem Streetfood-Markt wurde das dieses Jahr schon getestet. An dem Konzept gibt es aber Kritik. Viele fühlen sich bevormundet, andere halten den Aufwand, das Rauchverbot zu kontrollieren für zu groß.

Ein Rauchverbot auf öffentlichen Plätzen, wie es Frankreich praktiziert auch bei uns – wie finden das User in den Sozialen Medien?

Viele reagieren positiv. "Sofort bitte", heißt es in einem Post. In einem anderen ist zu lesen: "Finde ich super, gerade was kleine Kinder angeht. Kann auch gerne für Cannabis gelten!" Ein anderer: "Wäre auch bei uns notwendig."

Ein anderer postet: "Eines schönen Tages wird das Leben verboten. Wer lebt, bezahlt das irgendwann mit dem Tod."

Wird in Deutschland der Konsum von Tabak ausreichend kontrolliert?

Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unternimmt Deutschland zu wenig, um den Konsum von Tabak zu kontrollieren. Unter anderem müsse die Bundesregierung die Steuern auf Tabakprodukte erhöhen. Denn mit 61,4 Prozent befindet sich Deutschland in der WHO-Europa-Region, zu der 53 Länder gehören, demnach eher im unteren Viertel, heißt es in einem WHO-Bericht.

Wie sieht es mit Rauchverboten in anderen europäischen Ländern aus?

In vielen europäischen Ländern gibt es Rauchverbote in öffentlichen Bereichen. Die genauen Regelungen variieren laut EU-Kommission von Land zu Land. Viele Länder haben Rauchverbote in geschlossenen öffentlichen Räumen, am Arbeitsplatz und in öffentlichen Verkehrsmitteln eingeführt. Die EU-Kommission hat zudem Empfehlungen für strengere Rauchverbote im Freien ausgesprochen, die Bereiche wie Spielplätze, Außengastronomie, Bahnhöfe und Freibäder betreffen könnten. 

Das EU-Parlament hatte übrigens im November vergangenen Jahres gegen mehr rauchfreie Zonen gestimmt.

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