Jens Spahn ist Vater geworden: Deutschland spricht über Leihmutterschaft
Aktuelle Stunde . 16.07.2026. 25:55 Min.. Verfügbar bis 16.07.2028. WDR. Von Susanna Zdrzalek.
Leihmutterschaft im Ausland : Was der Fall Jens Spahn bedeutet
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Jens Spahn und sein Mann Daniel Funke sind mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten, die CDU will daran festhalten. Warum das Verbot gilt, welche rechtlichen und ethischen Fragen dahinterstehen und in welchen Ländern Leihmutterschaft möglich ist.
Jens Spahn ist gemeinsam mit seinem Mann Daniel Funke Vater geworden. Die Bild-Zeitung berichtet: Das Paar hat das Kind durch eine Leihmutter in den USA austragen lassen - für viele schwule Paare eine von wenigen Möglichkeiten auf eigenen Nachwuchs.
In Deutschland ist das Konzept Leihmutterschaft verboten. Die CDU will bisher, dass das so bleibt - also die Partei, bei der Spahn Fraktionsvorsitzender ist. In den USA ist die Gesetzeslage liberaler.
Das Thema betrifft aber nicht nur die queere Community. Zahlreiche heterosexuelle Paare nutzen die Möglichkeit, eine Mutter im Ausland zu bezahlen, um für sie ein Kind zur Welt zu bringen. Häufig ist der Grund ein unerfüllter Kinderwunsch.
Warum sind Leihmütter in Deutschland verboten?
Das liegt an ethischen Überlegungen: Sollte Schwangerschaft zum Geschäftsmodell werden? Kann eine Leihmutter selbst über ihren Körper bestimmen? Welche gesundheitlichen Risiken gibt es?
Die CDU hat diese Fragen für sich auf ihrem Parteitag im Februar beantwortet. Daran wolle die Partei auch weiter festhalten, so eine Sprecherin heute auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die CDU bekräftige "ihre Forderung, Leihmutterschaft - auch in altruistischen Modellen - in Deutschland weiterhin zu verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern."
Neben ethischen Überlegungen spielen auch Gesetze bei der Bewertung eine Rolle. Insbesondere die Definition der Mutterschaft: "Mutter eines Kindes ist nach deutschem Recht die Frau, die es geboren hat, also die Leihmutter" stellt das Auswärtige Amt mit Blick auf Leihmutterschaft im Ausland fest. Die Leihmutter wird folglich auch rechtlich zur Mutter des Kindes. Eine Anerkennung als Vater ist aber für die Wunscheltern unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
Kritik an der Leihmutterschaft gibt es aber auch auf globaler Ebene. Eine UN-Expertin forderte in einem Bericht "Leihmutterschaft als System von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch gegen Frauen anzuerkennen und die Praxis weltweit abzuschaffen".
Wer macht sich strafbar?
Vor allem diejenigen, die in Deutschland eine Leihmutter vermitteln. Entsprechende Verträge gelten als sittenwidrig und deshalb wirkungslos. Außerdem ist es Ärzten durch das Embryonenschutzgesetz verboten, Leihmütter künstlich zu befruchten oder ihnen einen fremden Embryo einzusetzen. Die Wunscheltern werden nicht bestraft.
Sollten Leihmütter nicht mal erlaubt werden?
Die Ampelregierung hatte in ihrer kurzen Regierungszeit eine Experten-Kommission eingesetzt, um unter anderem die Option einer legalen Leihmutterschaft zu prüfen. Die kam in ihrem Abschlussbericht 2024 zu dem Schluss, dass Leihmütter "nicht notwendigerweise in menschenwürdeverletzender Weise instrumentalisiert" werden, sah aber "erhebliche Gefährdungspotentiale".
Eine mögliche Legalisierung müsse deshalb an strenge Kontrollmechanismen gebunden werden. Bei dem Bericht ging es aber ohnehin nur um altruistische Leihmuttermodelle - also eine Variante, wo es für die Leihmutter nicht in erster Linie um Geld gehen soll.
Die Kommission hielt das bisherige Verbot der Leihmutterschaft für vertretbar - sah aber mögliche Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn zwischen Leihmutter und Wunscheltern schon von vornherein ein engeres freundschaftliches oder verwandtschaftliches Verhältnis besteht.
Wo ist Leihmutterschaft erlaubt?
Besonders häufig kommen Leihmütter für deutsche Paare aus der Ukraine und den USA. In den Vereinigten Staaten ist das Modell etabliert. Schwule Paare nutzen es, aber auch viele wohlhabende Eltern oder Promis - darunter Paris Hilton, Alec Baldwin, Nicole Kidman oder Sarah Jessica Parker.
Die Regeln variieren in den Bundesstaaten. Besonders tolerant sind sie in Kalifornien, wo auch Leihmutterschaft gegen Bezahlung erlaubt ist. Ähnlich ist es in der Ukraine. Dort dürfen aber nur heterosexuelle, verheiratete Paare Leihmütter nutzen.
Mögliche Alternativen in Europa sind unter anderem Georgien oder Griechenland, die Leihmutterschaft ebenfalls für ausländische Wunscheltern erlauben.
Einige Länder erlauben nur altruistische oder selbstlose Leihmutterschaft - das soll verhindern, dass Frauen aus wirtschaftlichen Gründen zu Leihmüttern werden. So ist es zum Beispiel in Großbritannien und in Portugal geregelt. Ausländer sind davon ausgeschlossen.
Wie läuft das in der Regel ab?
Der Weg für die Paare führt in der Regel zu einer Vermittlungsagentur. Die hat sich darauf spezialisiert, Leihmütter im Ausland zu organisieren. In den USA werden dafür Preise von um die 150.000 Euro aufgerufen, in der Ukraine sind es rund 50.000 Euro.
Viele Agenturen werben damit, die Leihmütter vorab medizinisch zu testen. Zudem machen sie Vorgaben für die Schwangerschaft, zum Beispiel mit Blick auf Alkohol und Zigaretten. Die Embryonen werden meist außerhalb des Mutterleibs "in vitro" gezeugt und dann bei der Leihmutter eingesetzt.
In den meisten Ländern muss mindestens eins der Wunsch-Elternteile genetisch mit dem Kind verbunden sein: Es muss also das Sperma eines Wunschvaters oder das Ei einer Wunschmutter für die Befruchtung genutzt worden sein - das ist auch für die Anerkennung der deutschen Staatsbürgerschaft und die rechtliche Elternschaft wichtig.
Das spiegelt auch dieser Satz von Jens Spahn wider, den die Bild-Zeitung zitiert: "Mein Mann ist Papa geworden, und ich mit ihm."
Unsere Quellen:
- Beschluss CDU-Parteitag
- Abschlussbericht der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin, 2024
- Nachrichtenagentur DPA
- Auswärtiges Amt
- American Society for Reproductive Medicine (ASRM)
- Euronews
- Terre des Femmes
- Bild-Zeitung: CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann sind Papas geworden
- Global Star Surrogacy
- UN Pressemitteilung
Sendung: WDR.de, Spahn und CDU zu Leihmutterschaft, 16.07.2026, 13:58 Uhr
Sendung: WDR-Fernsehen, Aktuelle Stunde, 16.07.2026, 18:45 Uhr