Das Logo ist beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr

Meinung Wird NRW doch noch olympisch?

Stand:

Dass NRW Hoffnung auf den Zuschlag für die deutsche Bewerbung haben kann, ist ein Erfolg. Die Bewerbung war lange eher halbherzig.

Selbst die härtesten NRW-Olympia-Fans haben in den vergangenen Wochen eingestanden (meist murmelnd und hinter vorgehaltener Hand im geschlossenen Raum), dass sie nie damit gerechnet hätten, halbwegs gute Karten gegen München zu haben.

Nicht die erste Olympia-Bewerbung

Lange waren die Olympia-Bemühungen des Landes eher halbherzig. Vor bald zehn Jahren - Armin Laschet war gerade Ministerpräsident - flammte die Idee von Olympia an Rhein und Ruhr wieder auf. Das Internationale Olympische Komitee hatte damals die Tür für regionale Bewerbungen geöffnet. 

Nicht mehr nur eine Stadt sollte im Zentrum stehen, auch ganze Regionen durften dadurch Interesse bekunden. Der umtriebige FDP-Mann und Sportmanager Michael Mronz - er verantwortet die Weltreiterspiele in Aachen - überzeugte die damals neu geschmiedete schwarz-gelbe Landesregierung, sich auf die Spiele zu bewerben.

Schnell wurden die Oberbürgermeister in der alten Staatskanzlei im Düsseldorfer Stadttor versammelt. Gemeinsam wollte man sich auf eine Bewerbung für irgendwas zwischen 2024 und (vor allem) 2032 einschwören. Mronz bot an, erst einmal alles vorzubereiten - irgendwann sollte die Politik übernehmen. Bis dahin gab es die Olympia-Planung gratis aus der Feder der Mronzschen Privatinitiative. 

Bewerbung endete unglücklich

Das Ganze endete maximal peinlich. Noch bevor es jemand wittern konnte, waren die Spiele an Brisbane vergeben und alle Beteiligten standen wie die begossenen Pudel dar. Es war eine weitere peinlich-amüsante Episode der nordrhein-westfälischen Olympiasehnsucht. Schon 2003 scheiterte Düsseldorf mit einem ähnlichen Konzept mehr an sich selbst als am Cello des damaligen Leipziger Oberbürgermeisters Wolfgang Tiefensee.

Der SPD-Mann hatte beim nationalen Entscheid, wer sich auf Olympia 2012 bewerben darf, statt eines Konzepts sein Instrument aus der Tasche gezogen, auf ihm gespielt und die Sportverbände damit überzeugt. Auch hier gab es am Ende ein böses Erwachen mit einem internationalen Bauchklatscher. Die Sache mit dem nicht so richtig vorhandenen Konzept rächte sich.

Was ist uns der Spitzensport wert?

WDR 5 Westblick - aktuell 24.09.2026 5 Min. 34 Sek. Verfügbar bis 24.09.2027 WDR 5

Spiele in NRW weiter gewünscht

Aber zurück zu Mronz und dem Scheitern für (schlussendlich) 2032. Damals konnte man denken, dass es jetzt auch mal gut sei mit Olympia im "Kultland" NRW. Aber weit gefehlt. Für seine "Dienste" um den deutschen Sport bekam Mronz einen Sitz im Internationalen Olympischen Komitee. Und damit ging sie wieder um, die Fantasie, die Spiele dann halt für 2036, 2040 oder 2044 zu holen.

Im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen wurde eine Bewerbung verbrieft, im Landtag stimmten SPD und FDP zu. Wer jetzt meint, NRW hätte aus der Vergangenheit gelernt und sei diesmal mit viel Geld und Einsatz ans Werk gegangen, sah sich getäuscht: Lange durfte die Düsseldorfer Agentur "D:Sports" ohne Mittel eine Bewerbung schustern. Erst vor rund einem Jahr merkte man, dass es vielleicht keine gute Idee war, einer weitgehend glücklosen Agentur wenig Geld zu geben, damit die Olympia versenken kann.

Wüst als Gesicht der Kampagne

Ab dem Moment, wo die Bewerbung aus der Staatskanzlei und dem Kölner Rathaus (durch den Oberbürgermeister und Ex-Sportfunktionär Torsten Burmester) koordiniert wurde, kam Schwung in die Sache. Auch Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erkannte, dass er das Gesicht der Kampagne sein muss. Und nicht der präsidiale Beobachter, der bei der Bewerbung zuschaut.

Seit diesen Eingriffen hat NRW eine Aufholjagd hingelegt und sich zumindest im Evaluierungsbericht des DOSB an München herangerobbt. Auf dem Papier steht es vor der Entscheidung am Samstag 50:50 zwischen den beiden.

Verbände stimmen eher für München

Allerdings haben in Wahrheit die Verbände bisher mehr Lust auf München. Die bayerische Metropole hatte viele Jahre Zeit, Lobbyarbeit bei den Sportverbänden zu betreiben. Weil man dort die Bewerbung von Beginn an ernst nahm. Zumindest fällt der Teil des Berichts zu den Bewerbungen für NRW immer dann schlecht aus, wenn die Verbände etwas bewerten. Sie finden durchgehend München besser.

Im Sport spielt das stetige Bespielen der Funktionäre ja eine große (und oft unrühmliche) Rolle. Und die hat München mit Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder offenbar besser ausgefüllt. Zumindest aktuell. Mal schauen, was NRW in den letzten Stunden vor der Wahl des deutschen Bewerbers noch drehen kann.

Damit sind wir beim Erfolg der Kampagne: Dass man zumindest ernsthaft mitspielen kann und nicht nur ein Zählkandidat beim deutschen Rennen um Olympia ist - das ist schon mehr, als nur dabei gewesen zu sein.

Dieser Text erscheint auch als Editorial in "18 Millionen - Der Newsletter für Politik in NRW". Jeden Freitag verschicken wir die Themen, die NRW bewegen - an politisch Interessierte, Aktive, Gewählte und Politik-Nerds. Hier können Sie den Newsletter kostenlos abonnieren.