Hendrik Wüst bei der Landespressekonferenz
Bildquelle: dpa/Henning KaiserErst auf Nachfrage bestätigte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), was doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. "Wenn meine Partei das möchte", sagte Wüst am Donnerstag in Düsseldorf. Eine Journalistin hatte gefragt, ob er uneingeschränkt als Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl im April 2027 zur Verfügung steht.
Erst nach einer längeren Antwort, einer Bewertung der Bundesregierung, des Bundeskanzlers, einer allgemeinen Lagebetrachtung und einem Appell an die "Geschlossenheit" der CDU kam Wüst also auf seine persönlichen Pläne zu sprechen - und auch erst nach einer erneuten Nachfrage.
Wüst sieht nur "Stimmungsdellen"
Es war Hendrik Wüst anzumerken, dass er bei diesem Termin jedes Wort ganz genau abwägt. Als "Reservekanzler" will Wüst, der in zwei Monaten sein fünftes Amtsjubiläum als Ministerpräsident feiern kann, anscheinend nicht dastehen. Ganz offenbar stecken ihm noch die Kanzlerwechsel-Gerüchte aus dem Sommer in den Knochen.
Loben, loben, loben, schien Wüsts Losung zu lauten. "Diese Bundesregierung packt die großen Dinge an", sagte er. Das Sondervermögen nannte er als Positivbeispiel. Wüst sprach von "Stimmungsdellen" für die Koalition im Bund - eine krasse Untertreibung angesichts der miserablen Beliebtheitswerte von Union, SPD und Merz persönlich. Das Engagement des Kanzlers in Europa sei wichtig, sagte Wüst. Die "Spöttelei" über den "Außenkanzler" teile er nicht.
Zugleich fährt Wüst auf Sicht - und schließt weiterhin nichts aus. Die kommende Phase in den Herbst hinein werde "enorm herausfordernd sein". Der CDU-Landeschef bezog sich auf die Gesetzesvorhaben der Regierung bei Rente und Steuer, aber auch auf die Landtagswahlen im Osten.
Die AfD liegt in den Umfragen zur anstehenden Wahl in Sachsen-Anhalt weit vorn. "Das Wahlergebnis wird anders sein als die letzten Umfragen", sagte Wüst. Er plädierte dafür, das Wahlergebnis jetzt erstmal abzuwarten.
Forderungen zu Rente und Ruhrgebiet
Wüst wiederholte seine allgemeine Unterstützung des Rentenpakets der Bundesregierung. Er forderte aber Klarstellungen zur geplanten Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren. "Ich stehe zu dem Rentenpaket, aber ich will die Details sehen", sagte Wüst. "Ich will sehen, ob wir wirklich eine gute Lösung haben für die, die nicht mehr können." Vier ostdeutsche Ministerpräsidenten hatten sich gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren positioniert.
Der Ministerpräsident mahnte zudem eine weiter angemessene Förderung des Ruhrgebiets im Gemeinschaftsprogramm von Bund und Ländern zur Stärkung strukturschwacher Regionen an: "Die besonderen Herausforderungen des Ruhrgebiets müssen berücksichtigt werden", sagte Wüst. Mehrere Großstädte im Ruhrgebiet fürchten, aus der Förderung herauszufallen.
Ringen um eigene Positivbilanz
Der Ministerpräsident war bemüht, eingangs der letzten Phase bis zum NRW-Wahljahr eigene Erfolge zu verkaufen: von Erneuerbaren Energien, Bürokratieabbau bis zur Bildung. Wüst betonte erneut seine Zuversicht mit Blick auf die Olympia-Bewerbung von Köln-Rhein-Ruhr. Im September steht hier die Entscheidung der deutschen Vorauswahl an.
Zur Wirtschaftsflaute sagte Wüst: "Ganz abkoppeln können wir uns nicht, wir sind sogar einen Tick besser als der Bund." Dabei erwarten Ökonomen in NRW nur ein Mini-Wachstum mal knapp über, mal knapp unter dem Bundesschnitt.
Knapper Dank an Grüne
Aufhorchen ließen Wüsts eher wortkarge Antworten und Aussagen zum Koalitionspartner. Bei Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) bedankte er sich nur nebenbei für die Zusammenarbeit - das klang früher schon mal nach mehr schwarz-grüner Euphorie.
Und auch auf das Ziel, die Koalition mit den Grünen ab 2027 fortsetzen zu wollen, legte sich Wüst auf Nachfrage nicht fest: "Es ist August 2026. Diese Landesregierung hat noch viel vor, viel zu tun - und sicherlich nicht über Koalitionsfragen zu sprechen."
SPD fordert Klarheit
Die SPD-Opposition kritisierte den Auftritt des Ministerpräsidenten. "Hendrik Wüst bringt es erneut nicht über die Lippen, sich klar zu Nordrhein-Westfalen zu bekennen", sagte NRW-SPD-Generalsekretär Frederick Cordes. Die Menschen im Land hätten Klarheit verdient, ob ihr Ministerpräsident in NRW bleiben wolle oder nach Berlin gehe, spätestens dann, wenn ihn seine Partei rufe. Laut Cordes entstehe der Eindruck: "Auf dem Papier ist Wüst noch Ministerpräsident, im Herzen ist er längst auf dem Weg nach Berlin."
Auf ein anderes Thema ging die FDP ein. "Hendrik Wüst und seine schwarz-grüne Landesregierung haben keinen Plan, wie Nordrhein-Westfalen zu wirtschaftlichem Aufschwung zurückfinden und unseren Wohlstand in Zukunft sichern kann", sagte der Fraktionschef der Liberalen, Hennig Höne. Die Landesregierung dürfe sich für die "anhaltende Wachstumsschwäche" in NRW nicht länger aus der Verantwortung ziehen.
Unsere Quellen:
- Wüst bei Pressekonferenz in Düsseldorf
- Nachrichtenagentur dpa
- SPD und FDP laut Mitteilungen
Sendung: WDR.de, Wüst bleibt vage bei "Reservekanzler" oder Ministerpräsident, 27.08.2026, 12:48 Uhr
