Fünf Jahre ist es her, dass das Ahrtal von einer verheerenden Flutkatastrophe getroffen wurde. Etwa 180 Menschen kamen dabei ums Leben, ganze Orte wurden weggespült, die Schäden lagen in Milliardenhöhe. Heute wird im Landtag über den Abschlussbericht einer Enquetekommission zum Thema "Wasser in Zeiten der Klimakrise" debattiert. Das Gremium aus Experten und Landtagsabgeordneten war nach der Flutkatastrophe gegründet worden.
Der Abschlussbericht soll aufzeigen, wie wahrscheinlich ähnliche Katastrophen in Zukunft sein werden und wie man sie präventiv verhindern kann. Mehr als zwei Jahre arbeiteten Vertreter aller Landtagsfraktionen gemeinsam mit fünf Sachverständigen Vorschläge dazu aus. Die zentrale Erkenntnis: Extremwetterereignisse werden in Zukunft immer häufiger auftreten und das Land ist nicht ausreichend vorbereitet.
Extreme nehmen zu
Seit dem späten 19. Jahrhundert ist die mittlere Jahrestemperatur in NRW um etwa 1,6 Grad Celsius gestiegen, heißt es im Bericht. Die Jahre 2022 und 2023 waren dabei mit 11,2 Grad die bisher wärmsten seit Beginn der Weitteraufzeichungen. Diese Entwicklung führt zu immer stärkeren Dürreperioden in den Sommermonaten, wie sich auch in diesem Jahr gezeigt hat.
Gleichzeitig prognostizieren die Experten eine Zunahme von Starkregen, vor allem in den Wintermonaten. Der Wechsel zwischen Dürreperioden und Starkregen kann dazu führen, dass der Boden das Wasser nicht in ausreichendem Maße aufnehmen kann. Flutkatastrophen wie im Ahrtal werden so wahrscheinlicher.
Überflutete Häuser beim Hochwasser im Ahrtal
Bildquelle: WDR / picture alliance / Geisler-Fotopress/Christoph HardtHaben wir genug Wasser?
Einen allgemeinen Mangel an Wasser sehen die Verfasser des Berichts für Nordrhein-Westfalen nicht. Die Herausforderung liegt allerdings darin, dass die Menge an Wasser über das Jahr immer ungleicher verteilt ist. Auch lokal kann es zu Engpässen kommen.
So waren die Pegelstände von Ruhr, Lenne und Sieg diesen Sommer so niedrig, dass die Bezirksregierung Arnsberg umfassende Einschränkungen für die Wassernutzung erlassen hatte. Einwohnern wurde es untersagt, private Gärten zu wässern oder Pools zu befüllen.
Wasserinfrastruktur über Jahre kaputt gespart
Wie in vielen Bereichen in Deutschland identifizieren die Experten einen Rückstau bei den Investitionen in die Infrastruktur. Große Teile der Wassernetze wurden in den 1950er bis 1970er Jahren gebaut und sind dementsprechend in die Jahre gekommen. Jährlich werden in NRW nur etwa 0,6 Prozent der bestehenden Infrastruktur erneuert, notwendig seien ein bis eineinhalb Prozent.
ein Bauarbeiter arbeitet an einer Wasserleitung
Bildquelle: WDR / Christina StrunkBis 2045 brauche es deutschlandweit 800 Milliarden Euro an Investitionen in die Wasserinfrastruktur. Davon entfallen allerdings nur zehn bis fünfzehn Prozent auf gezielte Maßnahmen zur Klimaanpassung. Über 80 Prozent des Geldes würden benötigt um die bestehende Infrastruktur in Stand zu halten und zu erneuern. Nordrhein-Westfalen müsse rund 110 Milliarden investieren.
Kommission macht 158 Vorschläge für besseres Wassermanagement
Die Kommission macht darüber hinaus auch Vorschläge zur Finanzierung . Das Geld solle vor allem aus Förderprogrammen der EU und des Bundes kommen. Dabei sollen die bürokratischen Hürden bei Anträgen auf Fördermittel gesenkt werden. Auch die NRW.BANK, die landeseigene Förderbank, solle eingebunden werden, um gebündelt zinsgünstige Kredite für Kommunen aufzunehmen und Investitionen zu ermöglichen
Gleichzeitig könnten auch Unternehmen stärker an den Kosten beteiligt werden. Der Vorschlag: das sogenannte Wasserentnahmeentgelt für Betriebe in NRW wird um mindestens 28 Prozent erhöht. Die Sätze waren seit 2013 nicht mehr angepasst worden und sollen so wieder eine stärkere Lenkungswirkung entwickeln und Einnahmen für den Gewässerschutz sichern.
Renaturierung der Emscher in Nordrhein-Westfalen
Bildquelle: IMAGO/Rupert OberhäuserDarüber hinaus schlagen die Experten ein landesweites digitales Wasserversorgungskonzept vor. Eine Datenplattform soll ermöglichen, die Grundwasserbestände und Wasserbilanzen transparenter zu erfassen und zu steuern. Dabei soll in Notfällen gesetzlich klar priorisiert werden: Trink- und Löschwasser vor Industrie und Landwirtschaft. Am wenigsten Prioität hätte private Luxusnutzung wie Wasser für Pools.
Besonders wichtig ist Kommissionspräsidentin Astrid Vogelheim (Grüne), dass in NRW Schwammstädte- und Landschaften etabliert werden. Das Schwammstadt-Prinzip sorgt dafür, dass Regenwasser nicht sofort abfließt, sondern gespeichert wird. Hierfür werden Flächen entsiegelt, Versickerlungsanlagen und Zisternen geschaffen sowie Moore und Flüsse wie Rhein oder Ruhr renaturiert. Als Vorbild gilt hier die Renaturierung der Emscher im Ruhrgebiet.
"Die Wetterextreme in diesem Jahr haben die dringende Botschaft, dass wir tiefer und entschlossener in eine Transformation einsteigen müssen, die uns vor der Klimakrise schützt und unsere Lebensgrundlage Wasser sichert." Astrid Vogelheim (Grüne), Vorsitzende der Enquetekommission
AfD distanziert sich von Bericht
Am Bericht waren Vertreter aller Landtagsfraktionen beteiligt. Die AfD distanziert sich allerdings mit Minderheitsvoten von großen Teilen des Berichts. Anpassung sei nötig, stünde allerdings in keinem größeren Zusammenhang mit globalem Klimaschutz. CDU, SPD, Grüne und FDP widersprechen den Minderheitsvoten der AfD geschlossen und betonen, dass Klimaschutz zentral für das Wassermanagement ist.
Unsere Quellen:
- Abschlussbericht der Enquetekommission "Wasser in Zeiten der Klimakrise
- Landtag NRW
Sendung: WDR.de ODER WDR 5, SENDUNGS- / BEITRAGSNAME, xx.xx.2026, xx:xx Uhr