Reporter Jochen Trum berichtet aus Düsseldorf zur NRW-AfD
Aktuelle Stunde . 20.07.2026. 36:53 Min.. UT. Verfügbar bis 20.07.2028. WDR.
Wie der WDR aus AfD-Kreisen erfahren hat, wird der Bundesvorstand der Partei keine weiteren Anstrengungen unternehmen, die an den letzten beiden Wochenenden beschlossene Kandidatenliste für die NRW-Landtagswahl 2027 in Frage zu stellen.
Bundesvorstand soll Untersuchungskommission berufen
Allerdings will der Bundesvorstand nun wohl eine Untersuchungskommission in NRW einsetzen. Das hat der WDR ebenfalls aus Parteikreisen erfahren. Diese solle sich die Finanzen und die Aufnahmepraxis von Mitgliedern im Landesverband genauer ansehen. Wie die Deutsche Presseagentur am Nachmittag ergänzt, sollen dafür auch Wirtschaftsprüfer zu Einsatz kommen. Entschieden worden sei der Einsatz der parteiinternen Ermittler bei einer Klausur des Bundesvorstandes am Vormittag.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein Streit um die Parteilinie innerhalb der NRW-AfD zwischen dem gemäßigten Lager um Landeschef Martin Vincentz und dem rechtsextremen Spektrum. Auf WDR-Anfrage wollte sich bisher keine Seite offiziell zum weiteren Vorgehen äußern.
Abbruch wegen angeblicher Bedrohungen
Vor Beginn des zweiten Parteitagswochenendes der NRW-AfD am Freitag in Marl hatte die Bundesparteispitze den NRW-Landeschef aufgefordert, den Parteitag abzubrechen. Das wurde mit angeblichen Beeinflussungen und Bedrohungen gegen Delegierte am ersten Wochenende des Parteitags begründet.
Dieser Forderung widersprachen die Delegierten am Freitag in einer Abstimmung aber mit großer Mehrheit. Gestellt hatte den Antrag der AfD-Bundestagsabgeordnete Christian Zaum, der bei der Kandidatur um den Posten des Landeschefs der Partei im Frühjahr noch Martin Vincentz unterlegen war.
Sven Tritschler, der für die AfD im Düsseldorfer Landtag sitzt, erklärte am Rande des Parteitages, ihm lägen eidesstattliche Aussagen über die angeblichen Vorfälle am vorherigen Parteitagswochenende vor. Hintergrund des Streits innerhalb der NRW-AfD ist die anhaltende Auseinandersetzung zwischen dem politisch eher gemäßigten Flügel der Partei rund um Parteichef Vincentz und der Gruppe um den rechtsextremen Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich aus Dortmund. Letzterem Lager ist auch Sven Tritschler zuzuordnen.
Massennominierungen sollten Parteitag lahmlegen.
Am ersten Parteitagswochenende in Marl war Tritschler noch auf Platz 4 der Landtagsliste gewählt worden. Zwischen den beiden Wochenenden wurde dann aber bekannt, dass Tritschler einer der führenden Köpfe einer Gruppe von AfD-Mitgliedern war, die durch Nominierung von über hundert Kandidatinnen und Kandidaten versucht hatte, die Veranstaltung lahmzulegen. In der Partei gibt es Gerüchte, dass diese Aktion den Segen von AfD-Chefin Alice Weidel hatte.
Als nun am vergangenen Freitag klar wurde, dass der Antrag auf Parteitagsabbruch gescheitert ist, verließen die Anhänger des Helferich-Lagers mehrheitlich den Saal. Alle weiteren Abstimmungen des zweiten Wochenendes verliefen im Folgenden friedlich. Der Landtagsabgeordnete Zacharias Schalley, politisch ebenfalls klar dem Helferich-Lager zuzuordnen, wurde am Wochenende nicht auf einen der 82 Listenplätze wiedergewählt.
Unruhe vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Der Konflikt um die Landesliste in Nordrhein-Westfalen dürfte zur absoluten Unzeit für die AfD in Sachsen-Anhalt kommen - befindet sich die Partei doch dort auf einem anhaltenden Stimmungshoch kurz vor der Landtagswahl. Auch der Bundespartei dürfte daher trotz aller Diskrepanzen zwischen sich und AfD-Landschef Vincentz daran gelegen sein, dass nun bald Ruhe einkehrt. So ist es wenig überraschend, dass sich am heutigen Montag keine der beteiligten Gruppen zu den Vorgängen in NRW in den letzten Tagen wollte.
Unsere Quellen:
- Parteikreise
- Eigene Berichterstattung
Sendung: WDR.de, AfD-Landeswahlliste hat Bestand, 20.07.2026, 13.15 Uhr