Heftige Konflikte und Streits kennt die AfD zur Genüge. Gestartet als nationalliberale Anti-Euro-Partei hat sie sich über die Jahre radikalisiert. Lucke, Petry, Meuthen - all diese Parteichefs paktierten zunächst mit rechteren Partei-Flügeln und wurden von selbigen zu Fall gebracht.
Auch Alice Weidel hat sich auf dem Bundesparteitag in Erfurt zuletzt eine große Macht im Bundesvorstand gesichert - indem sie sich auf die Rechtsextremen in der AfD stützte: besonders auf die in der "Generation Deutschland", der parteieigenen Jugendorganisation.
Die Sammelbewegung ist Geschichte
Einer der letzten verbliebenen Gegner dieses Kurses war und ist Martin Vincentz. Der NRW-Landeschef war bisher immer das nette Gesicht der Sammelbewegung für enttäuschte, strukturkonservative Wähler und Wählerinnen auf der einen und stramm völkischen Systemfeinden auf der anderen Seite. Dabei hat auch der Arzt aus Tönisvorst hier und da Geläuterte aus dem rechtsextremen Lager wieder in seine Reihen aufgenommen.
Aber gegen Leute wie den Dortmunder Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich hat er sich bis an die Grenze der parteirechtlichen Möglichkeiten gewehrt. Dafür hat er bei Vertrauten vielleicht einmal zuviel ein Auge zugedrückt, wenn die teils massive Fehler begangen haben.
Aber als jetzt die Listenaufstellung blockiert wurde, weil Rechtsextreme plötzlich um Geld und Mandate des eigentlich verhassten Staates fürchteten, da war Schluss. Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Forderung des Bundesvorstandes, die Wahlversammlung abzubrechen und eine neue Liste zu wählen. Rechtlich wäre das maximal heikel.
Weidel stellt ihre Macht über die Partei
Deshalb war es erwartbar, dass Vincentz die Wahl der weiteren Listenplätze durchziehen würde und sie schnell bei der NRW-Wahlleitung einreichen wird. Und noch weniger überrascht es jetzt, dass seine Gegner seine Absetzung durch den Bundesvorstand vorbereiten. Was sicherlich eine fast unüberwindbare Hürde wäre, die AfD zur Landtagswahl zuzulassen.
Alice Weidel riskiert also für die eigene Macht, die AfD ab 2027 aus dem Landtag in Düsseldorf verschwinden zu lassen. Und Vincentz provoziert genau dies und lässt es darauf ankommen. Es gibt keine Chance mehr für einen Kompromiss. Nur noch eine der beiden Seiten kann übrig bleiben.
Verbotsverfahren oder Koalitionsoption
Alice Weidel und Martin Vincentz
Und damit vollzieht sich etwas, was Martin Vincentz vor zwei Jahren angekündigt hat: Er hat sich damals als die Brandmauer gegen Rechtsextreme in der AfD bezeichnet. Dafür ist er belächelt worden. Jetzt hat er tatsächlich diese Brandmauer mitten in die Partei gesetzt.
Entweder geht er dabei unter und die Partei bewegt sich Richtung Verbotsverfahren. Oder Weidel stürzt über die Affäre - dann hat Vincentz obsiegt und mit ihm ein Kurs, der für die CDU aber auch die FDP akzeptabel für Koalitionen sein kann.
Unsere Quellen:
- Eigene Recherche
- Berichterstattung über AfD-Parteitag
Sendung: ARD-Radio, Kommentar zum AfD-Streit 17.07.2026, 16:45 Uhr
