Martin Vincentz, AfD, spricht beim Parteitag in Marl in ein Megafon

Martin Vincentz, AfD

Protest mit Anwalt Streit zwischen AfD-Landesspitze und Bundesvorstand hält an

Stand:

Zunächst wollte Landeschef Vincentz den Streit mit dem Bundesvorstand beilegen. Jetzt hat er erneut juristischen Beistand geholt.

Von Benedikt Walter

Anfang der Woche betonte Martin Vincentz noch in einer Mail an die beiden Bundesparteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla, wie sehr er die jüngsten Eskalationen zwischen Bundes- und Landesvorstand bedauere. Nun wehrt sich der Landesvorsitzende der AfD in NRW bereits zum bereits zweiten Mal binnen einer Woche anwaltlich gegen den Bundesspitze in Berlin.

Zur Erinnerung: Vergangenen Freitag hatte die Spitze der NRW-AfD um Vincentz versucht, per Einstweiliger Verfügung gegen den Bundesvorstand vorzugehen. Dieser hatte zuvor gefordert, den Parteitag zur Aufstellung der Kandidatenlisten für die Landtagswahl 2027 abzubrechen. Grund: Am ersten Parteitagswochenende vor zwei Wochen sei es zu Einschüchterungen und Bedrohungen gegen einzelne Delegierte gekommen. Vorwürfe die aus dem parteiinternen Lager rund um den rechtsextremen Dortmunder Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich stammen, und die von Vincentz und Personen aus seinem Lager bis heute bestritten werden.

Streit zwischen AfD-Landesspitze und Bundesvorstand hält an

WDR Studios NRW 24.07.2026 01:11 Min. Verfügbar bis 23.07.2028 WDR Online

Bundesvorstand will Kontrollgremium für Landesverband

Nachdem der Antrag auf Abbruch des Parteitags mit großer Mehrheit der Delegierten abgelehnt worden war, ging dieser dann am vergangenen Samstag mit der Nominierung von 82 Kandidaten ohne weitere Vorfälle zu Ende. Doch bereits am Montag sickerte aus AfD-Parteikreisen durch, dass der Bundesvorstand nun eine Untersuchungskommission in NRW einsetzen wolle. Diese solle sich die Finanzen und die Aufnahmepraxis von Mitgliedern im Landesverband genauer ansehen. Außerdem sollten Wirtschaftsprüfer zum Einsatz kommen.

Landeschef wehrt sich gegen Bundesvorstand

Mit Frist bis zum gestrigen Donnerstagabend wurde der Vorstand des NRW-Landesverbandes aufgefordert, dem Bundesvorstand Unterlagen zu all seinen Sitzungen seit seiner Konstituierung im Frühjahr 2026 und im Zusammenhang mit der beantragten Einstweiligen Verfügung bereit zu stellen. Nach WDR-Informationen, sind diese Unterlagen aber gestern nicht wie gefordert eingereicht worden.

Stattdessen kursiert seit gestern Abend das Schreiben einer Anwältin, mit dem der NRW-Landesvorstand die Forderungen und Kontrollversuche des Bundesvorstands zurückweisen lässt - aufgrund mangelnder Rechtsgrundlagen. Man behalte sich als Alternative die Prüfung der Vorgänge durch das Bundesschiedsgericht der Partei vor, heißt es in dem Schreiben.

Kritik vom Stellvertreter

Christian Zaum, AfD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Siegen-Wittgenstein und selbst stellvertretender AfD-Landsvorsitzender in NRW, kritisiert diesen Vorgang scharf. Im Gespräch mit dem WDR am Freitagmorgen bezweifelt Zaum, dass die Freigabe von Geldern für das Mandat der Anwältin regelkonform verlaufen sei. Das habe er auch der Anwältin mitgeteilt. Seinem Landesvorsitzenden wirft Zaum in diesem Zusammenhang die "Veruntreuung von Parteigeldern" vor. Ein Sprecher von Vincentz lehnte es ab, die Vorwürfe weiter zu kommentieren. Christian Zaum war Martin Vincentz bei der Wahl zum Landesvorsitzenden im Februar unterlegen.

Doch es ist nicht die einzige Anschuldigung von innerparteilichen Gegnern, der Vincentz sich in dieser Woche stellen muss. Nachdem bekannt geworden war, dass die einstweilige Verfügung gegen den Bundesvorstand - anders als zuvor öffentlich angekündigt - doch nicht zurückgezogen worden war, hagelte es Kritik aus dem Lager der Vincentz-Gegner in der NRW-AfD.

In einer Mitglieder-Email verteidigte daraufhin der Nettetaler AfD-Bundestagsabgeordnete und ebenfalls stellvertretende NRW-Landesvorsitzende Kay Gottschalk das Vorgehen: Man sei nach anwaltlicher Beratung zu dem Schluss gekommen, den Antrag nicht zurückzuziehen, weil eine Mehrheit im Landesvorstand zu der Auffassung gelangt sei, dass der Bundesvorstand nach wie vor plane, "die demokratischen Entscheidungen der Landeswahlversammlung rückgängig zu machen."

Weiterer Streit programmiert

Wie der Bundesvorstand mit den Vorgängen in seinem nordrhein-westfälischen Landesverband weiter umgehen will, soll bei der nächsten Tagung des Gremiums am kommenden Montag besprochen werden. Am Rande des Parteitags in Marl hatte Martin Vincentz in einem Interview mit dem WDR gesagt, er glaube, dass der Streit zwischen ihm und dem Bundesvorstand auch dadurch verursacht würde, dass Alice Weidel und Tino Chrupalla in ihrem Gremium schlecht über seinen Landesverband beraten würden.

Eine Aussage, über die man sich man sich im Umfeld des Bundesvorstands verwundert zeigt: Wenn diese Sorge bestünde, dann frage man sich, warum sich Martin Vincentz so gegen eine Kontrollkommission wehre, so ein mit dem Vorgängen Vertrauter im Gespräch mit dem WDR.

Während man sich bei der Landes-AfD in Düsseldorf für den August eigentlich vorgenommen hatte, in Ruhe die Kandidatenlisten für die anstehende Landtagswahl an die Landeswahlleitung zu übergeben, scheinen weitere Konflikte mit dem Bundesvorstand auf dem Programm der kommenden Wochen zu stehen.

Unsere Quellen:

  • Anwaltsschreiben an Bundesvorstand
  • Schreiben des AfD-Bundesvorstands an den NRW Landesvorstand
  • Gespräch mit Christian Zaum
  • AfD-Mitgliederschreiben von Kay Gottschalk
  • eigene Recherche
  • WDR Reporter vor Ort

Sendung: WDR.de, Streit zwischen AfD-Landesspitze und Bundesvorstand hält an, 24.07.2026, 16:00 Uhr

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