NRW-Jahresbericht zum Antisemitismus | Aktuelle Stunde
WDR. 00:31 Min.. Verfügbar bis 13.07.2028.
Für das vergangene Jahr erfasst die Statistik der politisch motivierten Kriminalität 786 antisemitische Straftaten in Nordrhein-Westfalen. Das ist ein Zuwachs um 13 Prozent. Damit ist ein neuer Höchstand erreicht. An der Spitze steht demnach Volksverhetzung (337 Straftaten), gefolgt von Propagandadelikten (185) und Sachbeschädigung (97).
Anfang Juni hatte bereits die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus NRW (RIAS) berichtet, dass die Zahl der antisemitischen Vorfälle 2025 um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Die Stelle erfasst alle antisemitischen Vorfälle, nicht nur Straftaten.
Die NRW-Antisemitimusbeauftragte Sylvia Löhrmann spricht von rund zwei Straftaten im Land pro Tag. Das sei "alltagsprägend" für viele Jüdinnen und Juden in NRW. Etwa dann, wenn der Weg in eine Synagoge oder eine jüdische Schule immer durch eine Sicherheitsschleuse führe. Wenn Menschen ihre Klingelschilder abändern oder jüdisch lesbare Post lieber im doppelten Umschlag bekommen möchten.
Das heißt, der Alltag von Jüdinnen und Juden wird ganz konkret verändert, weil sie sich schützen müssen. Sylvia Löhrmann, NRW-Antisemitismusbeauftragte
Löhrmann führt das auch auf die Entwicklung seit dem Anschlag der Hamas in Israel und den anschließenden Krieg zurück. Die Lage bleibe auch in NRW sehr angespannt. "Die Mehrheitsgesellschaft ist nicht mehr so solidarisch, wie sie das vielleicht früher einmal war." Gleichzeitig zeige der inzwischen siebte Jahresbericht auch viel Positives.
Löhrmann: Einsatz in NRW, jüdisches Leben sichtbar zu machen
Sylvia Löhrmann stellt Jahresbericht vor
Der Bericht verdeutliche nämlich zugleich die "ganze Breite des Engagements in Nordrhein-Westfalen". Das gelte für viele Städte von Köln bis Warendorf. Oder etwa im Sport durch die Ausstellung "Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach" bei den World University Games. Gerade Schulen seien wichtig, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Sie seien "elementar bei der Antisemitismusprävention". Löhrmann schreibt in ihren Empfehlungen, Lehrkräfte müssten in der Lage sein, Antisemitimus in all seinen Erscheinungsformen zu erkennen. Entsprechend gebe es die Empfehlung aus dem vergangenen Jahr, das Thema in allen drei Phasen der Lehrkräftebildung zu verankern: Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz der NRW-Antisemitismusbeauftragten Sylvia Löhrmann
- Interview mit Sylvia Löhrmann
- Bericht der NRW-Antisemitismusbeauftragten für 2025
Sendung: WDR aktuell, Neuer Höchststand bei antisemitischen Straftaten in NRW, 13.07.2026, 13:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 13.07.2026, 18:45 Uhr
