Im vergangenen Jahr sind in Nordrhein-Westfalen so viele Diskriminierungsfälle dokumentiert worden wie noch nie zuvor. "Knapp 1.200 Menschen wandten sich an unsere Beratungsstellen", sagte Mira Berlin vom Netzwerk ADA am Montag in Düsseldorf. "Das ist ein Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr."
Die Beratungsstellen sehen einen "neuen Höchststand" in NRW. Mehr als 60 Prozent der Ratsuchenden berichtete demnach von rassistischer Diskriminierung - besonders häufig ging es demnach um anti-muslimischen und anti-schwarzen Rassismus.
Bei der Diskriminierung von Osteuropäern (plus 50 Prozent) wurde ein besonders starker Anstieg registriert. Aber auch mehr Fälle von Antisemitismus, Sexismus, Queer- und Transfeindlichkeit sowie Diskriminierung von Menschen mit Behinderung wurden gemeldet.
"Nur die Spitze des Eisbergs"
Die Fälle reichen den Angaben zufolge von Demütigungen in der Schule, über Benachteiligungen am Arbeitsplatz (Kündigungen und vorenthaltene Lohnzahlungen) bis hin zu Racial Profiling durch die Polizei. Auch diskriminierende Belästigungen im Alltag wurden gemeldet.
Vorstellung des ADA-Jahresberichts im NRW-Landtag
Bildquelle: WDRZahlreiche Beratungen seien schwierig, kompliziert und zeitintensiv, berichtete Mohamed Kouras vom Deutschen Roten Kreuz in Münster von seiner Arbeit. Ein Problem sei zum Beispiel, dass es teils keine Zeugen bei Diskriminierungen gebe. Doch in vielen Fällen könne man helfen.
"Unsere Beratungszahlen zeigen aber nur die Spitze des Eisbergs", sagte Mira Berlin. "Hinter jeder Zahl stehen Menschen, die eine Diskriminierung nicht mehr weglachen, hinnehmen oder aushalten können." Viele betroffene Menschen fürchten laut Berlin Nachteile etwa im Umgang mit Behörden und Arbeitgebern, wenn sie Diskriminierung melden.
Das gesellschaftliche Klima trägt dazu bei, dass die Hemmschwelle für Diskriminierung weiter sinkt. Mira Berlin
Projektleitung Netzwerk ADA
Kritik an neuem Landesgesetz
Gerade jetzt sei es wichtig, dass Betroffene sich wehren könnten und "nicht allein gelassen werden", sagt Berlin. Landesweit sind 42 Beratungsstellen in dem Netzwerk unter dem Dach der Wohlfahrts- und Sozialverbände organisiert. Drei Millionen Euro staatliche Förderung fließt nach Angaben von ada.nrw pro Jahr in die Beratungsstrukturen.
Kritik übte das Netzwerk am neuen NRW-Gesetz gegen Diskriminierung. Das ab 1. Oktober 2026 geltende Gesetz schließe zwar Schutzlücken und stärke die Betroffenen gegenüber öffentlichen Stellen des Landes. Kritikwürdig sei aber, dass das Gesetz für kommunale Behörden wie Ausländer-, Sozial und Standesämter eben nicht gelte.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz in Düsseldorf
- Mitteilung des Netzwerks ADA
Sendung: WDR.de, Mehr Fälle von Diskriminierung in NRW gemeldet, 14.09.2026, 13:20 Uhr
