Trotz der schlechten Ergebnisse der Pisa-Studie hält NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) am bisherigen Kurs der Landesregierung fest. Ein von der SPD gefordertes Sofortprogramm für Schülerinnen und Schüler mit Lernrückständen wies Feller am Donnerstag im Landtag zurück. Statt auf kurzfristige Nachhilfeangebote setzt sie weiter auf den "Schulkompass NRW 2030".
Schlechte Ergebnisse bei Pisa und "Bildungsmonitor"
Die jüngsten Ergebnisse der Pisa-Studie und eines Bildungsmonitors waren Thema einer Aktuellen Stunde im Landtag, die SPD und FDP beantragt hatten. Nach der aktuellen Pisa-Vergleichsstudie schneiden die getesteten 15-Jährigen in Deutschland in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften so schlecht ab wie nie zuvor und erzielen die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen im Jahr 2000.
NRW landet zudem im "Bildungsmonitor" der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) auf dem vorletzten Platz. Demnach zeigten Neuntklässlerinnen und Neuntklässler unterdurchschnittliche Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften.
Ergebnisse für Schulministerin keine Überraschung
Schulministerin Feller räumte im Landtag ein, dass die Ergebnisse nicht zufriedenstellend seien. Deutschland habe als Bildungsnation deutlich mehr Potenzial, als lediglich im OECD-Durchschnitt zu liegen. Die Ergebnisse seien allerdings keine Überraschung und bestätigten Entwicklungen, auf die das Land bereits reagiert habe.
Mit dem "Schulkompass 2030" habe NRW eine Gesamtstrategie mit konkreten Zielen entwickelt. Dazu gehören unter anderem eine stärkere Förderung von Lesen, Schreiben und Rechnen, zusätzliche Lernstandserhebungen sowie die neuen ABC-Klassen zur Sprachförderung vor der Einschulung.
Solche Veränderungen könnten sich nicht innerhalb weniger Jahre in Schulleistungsstudien niederschlagen, argumentierte Feller. "Anstelle von schnellem Kurswechsel sorgen wir nachhaltig für eine strategische Weiterentwicklung des Schulsystems", so die Schulministerin. Von diesem Kurs dürfe sich die Regierung nicht durch "politischen Aktionismus" abbringen lassen.
"Wir kommen nur ans Ziel, wenn wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen." NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU)
Auch ein von SPD-Fraktionschef Jochen Ott vorgeschlagenes Sofortprogramm überzeugte die Ministerin nicht. Nötig seien hingegen langfristig angelegte Programme zum Kompetenzerwerb. Zugleich verwies sie darauf, dass seit Beginn der Legislaturperiode mindestens 12.600 zusätzliche Menschen im Schulsystem arbeiteten.
Ott fordert 500 Millionen Euro für Sofortprogramm
SPD-Fraktionschef Jochen Ott warf der Landesregierung dagegen vor, mit neuen Tests, Zielvereinbarungen und ABC-Klassen zwar viele Einzelmaßnahmen aufzulegen, aber den Jugendlichen mit aktuellen Lernrückständen nicht schnell genug zu helfen.
Ott schlug deshalb ein auf fünf Jahre angelegtes Sofortprogramm im Umfang von insgesamt 500 Millionen Euro vor. Demnach sollen Schulen unter anderem zusätzliches Geld für kostenlose Lernförderung erhalten. Zudem sollen sie pensionierte Lehrkräfte und Lehramtsstudierende für Förderangebote einsetzen können. Hinzukommen sollen Ferien- und Wochenendangebote sowie eine genauere Diagnostik von Lernproblemen.
FDP fordert ebenfalls schnelle Hilfen
Auch die FDP will mit einem Sofortprogramm gegensteuern. "Bildungspolitik ist Wirtschaftspolitik", erklärte Franziska Müller-Rech (FDP). Ihr Sofortprogramm besteht unter anderem aus landesweiten Sommerschulen oder auch kleineren Lerngruppen. Jugendliche, die heute bereits Schwierigkeiten beim Lesen, Rechnen oder mit der deutschen Sprache hätten, sollten so zusätzliche Förderung erhalten.
"Wer beim Lesen, Rechnen oder bei der deutschen Sprache große Lücken hat, der braucht mehr Zeit." Franziska Müller-Rech (FDP)
Gerade die heute 15-Jährigen könnten nicht darauf warten, dass langfristig angelegte Reformen Wirkung zeigten, kritisierte Franziska Müller-Rech (FDP).
Unsere Quellen:
- Aktuelle Stunde im NRW-Landtag
- Pressemitteilung der SPD-Fraktion zum Sofortprogramm
Sendung: WDR.de, Nach schlechtem Pisa-Ergebnis - SPD fordert Schul-Sofortprogramm, 16.09.2026, 12:12 Uhr
