In der aufflammenden Debatte um die geplante Rentenreform stellt sich NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Interview mit dem WDR hinter die Pläne der Bundesregierung. Das Rentenalter in körperlich anspruchsvollen Berufsfeldern müsse aber mit einer Härtefallregel flexibler gestaltet werden können. In vielen anderen Bereichen sei es kein Problem, bis 67 Jahre zu arbeiten.
Streit um Rente mit 63
Ministerpräsidenten anderer Bundesländer sprachen sich zuletzt gegen die in den Reformplänen vorgesehene Abschaffung der Rente mit 63 aus. Der NRW-Arbeitsminister verteidigte sie. Der Vorschlag einer Kommission zur Zukunft der Alterssicherung, den die Spitzen der Koalition in Berlin eins zu eins umsetzen wollen, müsse als Ganzes betrachtet werden, so Laumann. Dazu gehöre eben auch die Abschaffung der Rente mit 63 und die Anhebung des Rentenalters. Laumann betont jedoch, dass für körperlich herausfordernde Berufe eine Regelung gefunden werden müsse, die einen früheren Renteneintritt ermöglicht.
Härtefallregel für körperlich anstrengende Berufe
Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales
Bildquelle: WDREine Härtefallregel für körperlich anspruchsvolle Berufsfelder solle laut Laumann gemeinsam mit Experten ausgearbeitet werden: "Deswegen ist es eben auch so wichtig, dass wirklich die Praktiker, dass die Leute, die die Berufsbilder kennen, dass die sich mal Gedanken darüber machen, wie man das ausgestalten könnten." Der Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sei sowieso nicht in den körperlich herausfordernden Berufen tätig.
Die in den Reformplänen angedachte individuelle Gesundheitsprüfung könne es ermöglichen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus körperlich herausfordernden Berufsfeldern zwei bis drei Jahre früher in Rente gehen. Die Ausgestaltung müsse von der Bundesregierung "zumindest in Eckpunkten" festgelegt werden und dürfe nicht der Rentenversicherung überlassen werden. Die bisherige Erwerbsminderungsrente ist in diesen Fällen laut Laumann keine Lösung. Die aktuellen Hürden seien viel zu hoch.
Rente mit 63 bald Geschichte?
33 Empfehlungen hat die Rentenkommission für die Rentenreform der Bundesregierung vorgelegt. Unter anderem sind darin die schrittweise Erhöhung des Rentenalters, höhere Beiträge und mehr Beitragszahler vorgesehen. So sollen auch Beamte und Selbstständige in die gesetzliche Rente einzahlen. Die Rente ab 63 ist in den Reformplänen Geschichte. Ab dem Jahr 2032 soll das Renteneintrittsalter demnach "moderat" steigen - orientiert an der wachsenden durchschnittlichen Lebenserwartung. Wer 2041 in Rente gehen will, müsste demnach 67,5 Jahre alt sein, 2051 könnte man mit 68 Jahren in Rente gehen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Karl-Josef Laumann
- Eigene Recherche
Sendung: WDR 5, Westblick, NRW Gesundheitsminister für konstruktive Rentendebatte, 04.08.2026, 17:05 Uhr, vorab online um 15:40 Uhr