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Wind- und Solarpark zwischen Paderborn und Lichtenau

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Direktbelieferung Hier macht die Industrie ihren Ökostrom selbst

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Günstiger Strom direkt vom Wind- oder Solarpark: Was Unternehmen gern nehmen, wird von der Politik unnötig erschwert.

Zehn Kilometer lang ist die Stromleitung im Kreis Paderborn, die eine kleine Revolution bedeutet. Sie verbindet den Windpark Asseln mit einem Werk des Automobilzulieferers Benteler in Lichtenau. In den Hallen werden zum Beispiel Teile für Kraftstoffleitungen, Abgaskrümmer oder Kühlwasserrohre produziert.

"Kombination aus Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Stabilität"

Dafür braucht es viel Strom: 14,5 Gigawatt-Stunden (GWh) pro Jahr. Das entspricht grob dem Verbrauch von 5.000 Durchschnitts-Haushalten.

Hier einer von 9 Vakuumlötöfen im Benteler Werke jeder Ofen verbraucht 3500 Kw/h pro Arbeitsvorgang.

Vakuum-Lötofen im Benteler-Werk: Energieintensive Produktion

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In diesem energieintensiven Geschäft hat Benteler neuerdings einen Wettbewerbsvorteil: Günstigen, grünen Strom direkt vom Windrad. "Diese Kombination aus Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Stabilität macht das Modell für uns so attraktiv", erklärt Christoph Drühe, der bei Benteler den Energieeinkauf leitet.

Seit Jahren ächzt die schwächelnde deutsche Wirtschaft unter hohen Energiepreisen. Die Kriege gegen die Ukraine und den Iran haben für zusätzliche Verunsicherung und für weiter steigende Preise gesorgt. Unternehmen wünschen sich Strom, der langfristig garantiert ist - und günstig.

Direktlieferung ist die große Ausnahme

Die so genannte Direktbelieferung von Strom, bei der Wind- oder Solarparks ohne Umwege an Produktionsbetriebe angeschlossen werden, kann genau das bieten. Trotzdem wird dieses Modell noch kaum umgesetzt: Bundesweit gibt es 22 solcher Projekte. Teilweise laufen die Direktbeliefierungen bereits, teilweise sind sie noch in der Planung. Das ist das Ergebnis einer vorläufigen Erhebung der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz (NRW.Energy4Climate).

In Nordrhein-Westfalen gibt es neben Benteler in Lichtenau nur drei weitere Industriebetriebe, die sich direkt mit Storm vom Windrad versorgen lassen. Ein weiteres Projekt ist in Planung. Dazu kommt eine Firma mit eigenem Solarpark.

Für Benteler rechnet sich der direkte Zugang zum Windpark: Derzeit deckt die Direktbelieferung die Hälfte des jährlichen Strombedarfs ab. Die andere Hälfte kommt weiter zu herkömmlichen Bedingungen aus dem öffentlichen Netz.

Produktion nach dem Wind ausgerichtet

Das soll aber nicht so bleiben: In einem Brief an Lichtenaus Bürgermeisterin Ute Dülfer (parteilos) kündigt der Konzern an, dass er eine zweite Direktleitung zu weiteren Windrädern legen will. Danach soll ein Solarpark mit Batteriespeicher ans Werk angeschlossen werden. 2040 will der Konzern ohnehin komplett klimaneutral produzieren.

Um den grünen Direktstrom bestmöglich zu nutzen, richtet das Werk Kleinenberg schon heute seine Produktion nach dem Wind aus. Immer dann, wenn es die Auslastung zulässt.

"Zu windstarken Zeiten produzieren wir mehr. Und in Zeiten, in denen wir weniger Wind haben, versuchen wir eher, die Produktion zu drosseln oder eine Wartungsschicht einzulegen." Christoph Drühe, Benteler

Aus Sicht des Unternehmens gibt es drei zentrale Vorteile bei der Direktbelieferung:

  • Der Strompreis ist über längere Zeit fest vereinbart, im Fall von Benteler für fünf Jahre. Aber auch Laufzeiten von 15 oder 20 Jahren sind möglich. Das macht unabhängig von den Preissteigerungen der zunehmend nervösen Energiemärkte.
  • Weil bei der Direktlieferung das öffentliche Stromnetz nicht genutzt wird, wird Geld gespart: Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen, die sonst etwa ein Drittel des gesamten Industrie-Strompreises ausmachen, entfallen. Positiver Nebeneffekt: Die öffentlichen Netze, die beim Ausbau hinterherhinken und deshalb vielerorts an der Belastungsgrenze sind, werden geschont.
  • Der Strom ist garantiert immer klimafreundlich. Das sei gerade den Kunden im Automobilgeschäft "sehr, sehr wichtig", sagt Christoph Drühe. "Im Prinzip buchen Sie heute keinen Auftrag mehr, ohne dass Sie zusichern, dass Sie mit Grünstrom produzieren."

Bürokratische Hürden

Die IHK NRW bestätigt diese Vorteile, sie "bewertet die Direktbelieferung grundsätzlich positiv", wie eine Sprecherin mitteilt. Aber: "Entscheidend ist, dass solche Modelle nicht durch unnötige bürokratische oder räumliche Vorgaben eingeschränkt werden."

Doch das passiert, offensichtlich, sehr häufig.

Das Benteler Werk in Lichtenau-Kleinenberg, das Unternehmen aus der Automobil Zulieferer Industrie ist sehr Energieinstensiv, hier 2 von über 300 Fertigungsrobotern, NRW, Deutschland

Fertigungsroboter in Werk von Benteler

Bildquelle: picture alliance / Jochen Tack

Wenn eine Industriefirma für die Versorgung eine Leitung zum öffentlichen Stromnetz haben will, ist das ein seit Jahrzehnten geübtes, etabliertes Verfahren. Wenn die gleiche Firma die Leitung direkt zum Windpark haben will, wird es mitunter kompliziert. Dann wird zwischen Projektierern, Behörden und Netzbetreibern plötzlich über Leitungslängen, Misch-Strom oder Kabelwege gestritten.

"Wir haben noch viel zu viele Unsicherheiten, welche Regeln für Direktbelieferung gelten", bestätigt Steffen Lackmann, Geschäftsführer von Hellwegwind. Er betreibt den Windpark, von dem aus der Strom ohne Umwege zu Benteler fließt. Diese Unsicherheit führe dazu, dass manche Betriebe das Thema gar nicht erst in Betracht ziehen, beklagt Johannes Lackmann, der ebenfalls Geschäftsführer bei Hellwegwind ist.

"Es scheitert nicht an den technischen Hürden, sondern rein an den regulatorischen." Steffen Lackmann, Geschäftsführer Hellwegwind

Direktbelieferung kommt längst nicht für alle Unternehmen in Frage. Vor allem müssen in der Nähe des Produktionsstandorts Windräder oder Solarparks verfügbar sein, damit diese Art der Stromlieferung profitabel ist. Aber dort, wo sie funktioniert, hat Direktbelieferung viel Vorteile.

Warum ist sie dann so kompliziert?

Es schien so, als habe die Politik das Problem verstanden. Als die neue, schwarz-rote Bundesregierung vor gut einem Jahr ihren Koalitionsvertrag vorstellte, fand sich darin gleich zweimal das Versprechen, die Direktbelieferung zu fördern.

"Auch werden wir Bürgerstrom rechtlich erleichtern und die physikalische. Direktversorgung von Unternehmen ausweiten." Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vom Mai 2025

Die Euphorie war in der Branche damals groß. Jedoch: "Diesem sehr wichtigen und guten Versprechen im Koalitionsvertrag bleibt die Bundesregierung die Umsetzung schuldig", kritisiert Christian Mildenberger, Geschäftsführer von NRW.Energy4Climate. In den aktuellen Entwürfen zum Netzpaket und zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) spielt Direktbelieferung tatsächlich keine Rolle.

NRW will "verlässlichen und transparenten Rahmen"

Die Rahmenbedingungen dafür kann nur der Bund vereinfachen. Die NRW-Landesregierung appelliert deshalb: Der solle "einen verlässlichen und transparenten Rechtsrahmen für Direktbelieferungskonzepte weiterentwickeln", heißt es aus dem NRW-Wirtschaftsministerium.

Dafür habe man sich auch bei der jüngsten Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes im kommenden Jahr mit einem Antrag eingesetzt. Für die "Schaffung eines verlässlichen und einheitlichen Rahmens für Direktstromlieferungen unter Ausschöpfung der räumlichen Möglichkeiten" werde man sich auch bei der aktuellen Reform des EEG engagieren, heißt es aus dem Haus von Mona Neubaur (Grüne).

Das Bundes-Wirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) teilt auf Anfrage mit, man fördere Direktbelieferungen mit günstigen Krediten. Änderungen an den komplizierten Rahmenbedingungen stellte es nicht in Aussicht.

Kaum Industrie mit direktem Anschluss an Windräder

WDR 5 Westblick - aktuell 13.08.2026 03:53 Min. Verfügbar bis 13.08.2027 WDR 5

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Unsere Quellen:

  • Benteler
  • NRW.Energy4Climate
  • NRW-Wirtschaftsministerium
  • IHK NRW
  • Bundeswirtschaftsministerium
  • Eigene Recherche

Sendung: WDR5, Kaum Industrie mit direktem Anschluss an Windräder, 13.08.2026, 17:41 Uhr

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