Wie weit ist NRW bei der kommunalen Wärmeplanung?

Aktuelle Stunde 29.06.2026 09:53 Min. UT Verfügbar bis 29.06.2028 WDR Von Ann-Kathrin Stracke

Wärmeplanung in NRW Fernwärme, Wärmepumpe oder weiter warten?

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NRWs Großstädte planen, wie ihre Viertel auch im Winter warm werden. Der Überblick zeigt: Sie kommen bei den Planungen gut voran.

Wer aktuell an warme Häuser und Wohnungen denkt, hat wohl eher den Sommer im Blick. Doch heute endet eine Frist, die für die Wärme im Winter entscheidend sein wird.

Denn bis zum 30. Juni müssen alle Städte in NRW mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern eine kommunale Wärmeplanung vorlegen. In NRW betrifft das die großen Städte wie etwa Aachen, Bielefeld, Düsseldorf, Köln oder Münster. Kleinere Städte und Gemeinden haben noch bis zum 30. Juni 2028 Zeit.

Stadtplan für die Wärmewende

Die kommunale Wärmeplanung ist eine Art Stadtplan für die Wärmewende. Sie soll zeigen, wo künftig Fernwärme sinnvoll sein könnte, wo eher Wärmepumpen infrage kommen, wo industrielle Abwärme genutzt werden kann und auch, wo Wasserstoff absehbar keine realistische Option ist.

Den Rahmen für die kommunale Wärmeplanung hat NRW bereits im Dezember 2024 mit dem Landeswärmeplanungsgesetz (LWPG) geschaffen. Es verpflichtet alle 396 Gemeinden des Landes, flächendeckende Wärmepläne zu erstellen.

Lohnt es sich, auf Fernwärme zu warten?

Für Bürgerinnen und Bürger bietet die Wärmeplanung vor allem eine Orientierung. Wer ein Haus besitzt und in den nächsten Jahren eine neue Heizung braucht, soll besser einschätzen können: Lohnt es sich, auf einen Fernwärmeanschluss zu warten? Oder ist eine eigene Lösung wie eine Wärmepumpe realistischer? Für Mieterinnen und Mieter geht es eher um Modernisierungen, Nebenkosten und die Frage, wie bezahlbar die Wärme in ihrem Viertel bleibt.

So sieht's in den großen Städten aus

Alle 30 betroffenen Großstädte haben zum Fristablauf nach WDR-Recherchen zumindest Entwürfe, Endberichte oder weit fortgeschrittene Planungen vorgelegt. Politisch beschlossen sind sie aber noch nicht überall. In acht Städten steht der Ratsbeschluss noch aus.

Einige Kommunen sind schon früh mit ihren Plänen gestartet. Aachen etwa hat seine Wärmeplanung bereits vor einem Jahr beschlossen. Die Stadt setzt stark auf Wärmenetze und Wärmepumpen. Essen hat den Plan mit einer digitalen Kartenanwendung verbunden, damit Menschen adressgenau nachsehen können, welche Wärmeversorgung in ihrem Umfeld wahrscheinlich ist. Düsseldorf hat seinen Wärmeplan kurz vor dem Stichtag beschlossen.

In einigen Städten ist die Verabschiedung erst in den kommenden Wochen geplant. Bottrop, Gelsenkirchen, Hamm, Mülheim an der Ruhr und Paderborn planen Ratsbeschlüsse noch im Juli, in Bochum ist der Beschluss für Oktober vorgesehen.

Viele Wärmepläne bereits vorgelegt

Nach Ratsbeschluss haben die Kommunen drei Monate Zeit, ihren Wärmeplan beim Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) einzureichen. Das Landesamt muss alle Wärmepläne aus Kommunen mit mehr als 45.000 Einwohnern bewerten und Stellungnahmen abgeben.

Nach Angaben des LANUK haben bisher insgesamt 81 NRW-Kommunen - größere wie kleinere - einen Wärmeplan eingereicht. Dies entspricht laut dem Landesamt knapp 21 Prozent der Landesfläche und etwa 21 Prozent der Bevölkerung NRWs.

Die meisten Kommunen haben das Ziel 2045 im Blick

43 dieser Wärmepläne hat das LANUK bis Mitte Juni bereits ausgewertet. Demnach will ein Großteil der Kommunen bis 2045 klimaneutral werden. Für dieses Zieljahr haben sich laut LANUK 84 Prozent der Kommunen entschieden. 12 Prozent streben die Klimaneutralität bereits für 2040 an, fünf Prozent der Kommunen wollen bereits im Jahr 2035 die Ziele der kommunalen Wärmeplanung umgesetzt haben.

Fossile Energieträger dominieren (noch)

Beim Endenergieverbrauch dominieren in den Kommunen derzeit noch fossile Energieträger. Das Landesamt konnte bei der bisherigen Auswertung zwar nur 28 der 43 eingereichten Wärmepläne berücksichtigen, die Zahlen sind aber deutlich: Erdgas macht demnach mit 74 Prozent den Großteil der Energieversorgung aus, Heizöl folgt mit 14 Prozent auf dem zweiten Platz.

Im Jahr 2035 geht der Anteil von Erdgas und Heizöl in den Plänen der Kommunen deutlich zurück und macht dann nur noch weniger als die Hälfte des Wärmebedarfs aus. Im Jahr 2040 soll der Anteil bei weniger als 15 Prozent liegen. 2045 sollen vor allem strombasierte Lösungen wie Wärmepumpen und die Nutzung von Umweltwärme einen großen Teil übernehmen. Auch Wasserstoff, Geothermie und feste Biomasse spielen dann größere Rollen.

Besonders pivate Wohngebäude im Blick

Mark Dieckmann, Bauderzenent der Stadt Rheine

Bauderzenent Dieckmann: "Früh auf den Weg gemacht"

Die Stadt Rheine gehört zwar nicht zu den Kommunen über 100.000 Einwohner, deren Frist jetzt zum 30. Juni endet. Die Stadt arbeitet aber dennoch schon lange an den Plänen. "Wir haben 2023 mit der kommunalen Wärmeplanung angefangen", berichtet Baudezernent Mark Dieckmann. Dabei hätte sich schnell eine Zielgruppe herausgestellt: "Der größte Hebel, um viel zu erreichen, steckt in den privaten Wohngebäuden", so Dieckmann.

"Die beste Energie ist die, die wir gar nicht verbauchen." Mark Dieckmann, Bauderzenent der Stadt Rheine

Warum nicht der gleiche Wärmeplan für alle?

Gerade in NRW zeigt sich, warum es keine Wärmelösung von der Stange gibt. In dicht bebauten Innenstadtquartieren kann Fernwärme eine wichtige Rolle spielen, in Einfamilienhausgebieten am Stadtrand werden eher Wärmepumpen oder andere dezentrale Lösungen gefragt sein.

Im Ruhrgebiet kann Abwärme aus Industrie, Müllverbrennung oder künftig vielleicht auch aus Rechenzentren interessant werden, im ländlicheren Münsterland oder in der Eifel stellen sich dagegen andere Fragen: Wie weit liegen Häuser auseinander? Gibt es überhaupt ein Netz? Lohnt sich ein gemeinsames Quartiersprojekt?

Wie geht's nun weiter?

Mit dem Beschluss eines Wärmeplans ist die Arbeit für die Kommunen noch nicht erledigt, im Gegenteil: Danach müssen sie mit den Stadtwerken, Netzbetreibern, mit der Wohnungswirtschaft und Eigentümern klären, welche Projekte wirklich umgesetzt werden. Wo wird Fernwärme ausgebaut? Wo entstehen Nahwärmenetze? Welche Quartiere brauchen Beratung? Wo müssen Stromnetze verstärkt werden, wenn viele Wärmepumpen kommen?

Klar ist schon jetzt: Die Wärmewende in NRW wird nicht überall gleich aussehen. Aber sie bekommt nun zumindest einen Plan, an dem sich alle orientieren können.

Unsere Quellen:

  • Beschlüsse und Informationen der 30 größten Städte in NRW
  • Gespräch mit Mark Dieckmann, Stadt Rheine
  • LANUK NRW

Sendung: Aktuelle Stunde, Wie weit ist NRW bei der kommunalen Wärmeplanung? 29.06.2026, 18:45 Uhr
Sendung: WDR.de, Stichtag Kommunale Wärmeplanung, 30.06.2026, 05:00 Uhr

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