Der Zubau von Windrädern ist im ersten Halbjahr in Nordrhein-Westfalen auf hohem Niveau geblieben: Bis Ende Juni gingen 99 neue Anlagen in Betrieb. Das geht aus Zahlen des Marktstammdatenregisters hervor, die der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) ausgewertet hat. Zum Vergleich: Im Vorjahr gab es im gleichen Zeitraum 101 neue Windräder.
Die meisten neuen Windräder gingen 2026 im Kreis Warendorf ans Netz, gefolgt vom Kreis Paderborn und dem Kreis Soest. Die neu installierten Anlagen können zusammengenommen 541 Megawatt (MW) Strom erzeugen. Das entspricht grob der Leistung eines durchschnittlichen Braunkohle-Kraftwerksblocks.
Im Bundesländer-Vergleich liegt NRW aktuell weiter vor Niedersachsen (89 neue Windräder im ersten Halbjahr) und Schleswig-Holstein (66). Die Zahlen sind vorläufig und können sich bis Ende des Monats aufgrund von Nachmeldungen noch geringfügig ändern.
Windkraftanlagen: Eine Milliarde Euro Investitionen
Im ersten Halbjahr dieses Jahres seien auf diesem Weg in NRW "knapp eine Milliarde Euro in den Ausbau von Windkraftanlagen investiert worden", heißt es in der Mitteilung des LEE. Die Branche habe davon profitiert, dass die Ampel-Regierung im Bund und die schwarz-grüne Landesregierung die Genehmigungsverfahren für Windräder beschleunigt hätten. Doch das verändere sich gerade.
Christian Vossler (LEE NRW)
"Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verunsichert mit ihrem Vorgehen und bremst Investitionen aus", kritisiert LEE-Geschäftsführer Christian Vossler. Er fordert "dringend Erleichterungen und Beschleunigungen bei den Netzanschlüssen und dem weiteren Netzausbau". Sein Verband vertritt die Interessen der Unternehmen in der Erneuerbare-Energien-Branche.
"Solange die Bedingungen für die Windenergie im EEG und bei den Netzen nicht klar sind, kann die Branche ihre Projekte nicht kalkulieren." Christian Vossler, LEE NRW
"Nordrhein-Westfalen hat seine Hausaufgaben gemacht und die Weichen auf 'Ermöglichen' gestellt", kommentierte Mona Neubaur (Grüne), die Wirtschafts- und Energieministerin für NRW, die neuen Zahlen. Investitionen in Erneuerbare Energien seien "moderne Industriepolitik". Dafür brauche die Windbranche weiterhin verlässliche Bedingungen.
Neubaur: haben Weichen auf "Ermöglichen" gestellt
Mona Neubaur (Grüne)
Auch sie kritisierte Schwarz-Rot in Berlin: Die Dynamik in NRW dürfe "nicht durch investitionsfeindliche Entscheidungen im Bund ausgebremst werden. Die Bundesregierung muss endlich die geplanten zwölf Gigawatt Sonderausschreibungen für Wind an Land auf den Weg bringen", forderte Neubaur. "Und sie muss den Zugang zu Netzen gestalten und deren Modernisierung und Digitalisierung anreizen."
Opposition: Windkraft "mutwillig ausgebremst"
Die oppositionelle SPD spricht davon, dass der Windrad-Ausbau "an Zugkraft" verliere - und macht die schwarz-grüne Landesregierung mit verantwortlich dafür.
André Stinka (SPD)
"Das Windkraftmoratorium des § 36a Landesplanungsgesetz NRW hat im letzten Jahr bis zu 1400 Windkraftanlagen und Milliardeninvestitionen in NRW mutwillig ausgebremst", teilt André Stinka mit, der energiepolitische Sprecher der Fraktion. "Eine folgende Investitionszurückhaltung der Wirtschaft ist nur verständlich, wenn auf rechtmäßige Vorhabenplanung in NRW kein Verlass mehr ist."
Ziel: Klimaneutralität bis 2045
2025 war Windenergie-Rekordjahr in NRW, noch nie wurde so viel Leistung in 12 Monaten im Bundesland neu installiert. Insgesamt sind hier nun 9.599 MW Windstrom-Leistung am Netz, was knapp 9,6 Gigawatt (GW) entspricht.
NRW hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu sein. Bis dahin sollen "mindestens 18 GW bis zu 23 GW" Windenergie in NRW am Netz sein. So steht es in der Energie- und Wärmestrategie des Landes.
Unsere Quellen:
- LEE NRW
- Mona Neubaur (Grüne)
- André Stinka (SPD)
- Energie- und Wärmestrategie NRW
Sendung: WDR 2 Hörfunk-Nachrichten, Windenergie-Halbjahresbilanz 2026, 15.07.2026, 12:00 Uhr
