Jens Spahn und Hendrik Wuest

Die CDU-Parteikollegen Jens Spahn und Hendrik Wüst

Machtwege in der CDU Was Spahn von Wüst unterscheidet

Stand:

Jens Spahn und Hendrik Wüst stammen aus dem Kreis Borken und aus der Jungen Union. Beide wollten nach oben - der eine Richtung Berlin, der andere nach Düsseldorf. Doch während Wüst nach einem frühen Absturz lernte, anschlussfähig zu werden, stolpert Spahn immer wieder über Affären.

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In der Politik gibt es viele Seilschaften. Vor allem bei den Christdemokraten ist ein Bund mit Gleichgesinnten zur Beförderung der eigenen Karriere beliebt. Da gab es den sagenumwobenen "Andenpakt", in dem Männer wie Roland Koch und Peter Müller sich die Treue schworen.

Politische Seilschaften in der CDU

In der "Pizza-Connection" haben Schwarze und Grüne dereinst beim Italiener in Bonn Pläne geschmiedet, als ein Bündnis aus Bürgerlichen und Ökos noch so wahrscheinlich war wie ein Sechser im Lotto. Armin Laschet und Cem Özdemir waren darunter.

Weniger bekannt ist eine Art Nichtangriffspakt aus dem Münsterland, den Hendrik Wüst und Jens Spahn in jungen Jahren beschlossen haben sollen. Demnach, so erzählt man sich in der CDU, werde Wüst sein Glück in der Landespolitik suchen, Spahn auf der Bundesbühne. So würde keiner die Kreise des anderen stören.

Jens Spahn tritt zurück: Reaktionen aus Berlin und NRW

Aktuelle Stunde 18.07.2026 42:55 Min. UT Verfügbar bis 18.07.2028 WDR Von Raphael Markert

Spahn und Wüst: zwei Karrierewege

Die Karrieren der ehrgeizigen Männer aus der Jungen Union verliefen parallel und nicht ohne Erfolg. Beide stammen aus dem Kreis Borken, sie trennen nur wenige Jahre. Wüst wird heute 51 Jahre alt, Spahn ist 46. Sie sind katholisch und pflegten vor allem in der Jugend gern einen Stil der markigen Worte, konservativ und provokant.

Wüst aus Rhede wurde Landtagsabgeordneter, Generalsekretär in Düsseldorf, später Minister und schließlich Landesvorsitzender und Ministerpräsident. Spahn aus Ahaus zog früh in den Deutschen Bundestag, er wurde Staatssekretär, Minister und Fraktionsvorsitzender.

Affären und ihre Lernkurven

Der abrupte Karriereknick von Jens Spahn offenbart allerdings einen Unterschied zwischen den beiden machtbewussten Männern. Wüsts Aufstieg verlief nicht nur geradlinig. Als junger Generalsekretär musste er vor etwa 20 Jahren auch einstecken. Zunächst hatte er Ärger wegen überhöhter Zuschüsse zu seiner Krankenversicherung.

Dann stolperte die CDU in die "Rent-a-Rüttgers"-Affäre, bei der es um angebliche Termine mit dem Ministerpräsidenten gegen Geld ging, und Wüst musste seinen Hut nehmen. Wüst begriff, dass Fehler die Chance bieten, daraus zu lernen. Aus dem politischen Haudrauf und Scharfmacher wurde ein anschlussfähiger Mehrheitspolitiker.

Leihmutterschaft und Spahns Probleme in der Union

Auch Spahn begleiten Affären, etwa die teuren Maskenkäufe in der Pandemie, seine Berliner Villa, das Darlehen einer Sparkasse aus der Heimat. Spahn hat all das überstanden, Kratzer an seinem bisweilen kantigen Ego schien das nicht zu hinterlassen.

Sein Umgang mit der Leihmutterschaft war allerdings nun ein Aufreger zu viel, vor allem für seine Partei. Als junger Mensch, mit dem Glauben an die eigene Unfehlbarkeit in die Politik zu starten, ist das eine. Im harten politischen Betrieb keine Demut zu erlernen, ist das andere.

Sollte, aus welchen Gründen auch immer, in der Union in den kommenden Jahren eine Diskussion über die Kanzlernachfolge aufbranden, stünde zwischen Hendrik Wüst und Berlin nun ein Mann weniger. Jens Spahn dürfte sich den Nichtangriffspakt anders vorgestellt haben.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 18.07.2026, 18:45 Uhr

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Franziska 1 20.07.2026, 22:20 Uhr

    Wüst und Spahn unterschiedlich? Bis zum Leihmutter-Skandal waren sie gleich. Beide hatten den Traum, Kanzler Mal zu werden, beide wollten die hohe Leiter ins Kanzleramt. Wüst träumt zwar noch immer, während Spahn sich selbst ins Abseits manövrierte. Ich bin über zeugt, keiner von Beiden wäre geeignet Kanzler zu werden. "Ich kann Kanzler" kann jeder sagen, wenn ein Vorgänger versagt hat. Besonders jetzt, wo Spahn mit Sicherheit als Kanzlerkandidat kaum eine Chance mehr dazu bekommt. Wenn man beruflich und privat es als Politiker mit der persönlichen Meinung nicht mehr im Einklang bringen kann, dann leidet immer ein Teil darunter. Spahn hat sich für das Private entschlossen. Politisch und privat über Leihmutter sein Wort von 2025 gebrochen, somit war der Rücktritt von ihm richtig. Spahn hat das Vertrauen zur Gesellschaft nicht erst wegen der Leihmutter verscherzt. Bei Wüst bin ich mir nicht sicher, ob er "Kanzler wirklich kann". Siehe Scholz, siehe Merz sie werden unbeliebt genannt!

  • 3 Kopfschüttler 20.07.2026, 16:08 Uhr

    Was die beiden unterscheidet? Herr Spahn hat selbst nach seiner Klatsche bezüglich des Vorsitzes nicht begriffen, dass Rückgrat und Konsequenz bedeuten würde, alle Ämter und Mandante abzugeben. So lässt er sich weiter von auch eben den Bürgern bezahlen, denen er seine eigenen Privilegien per Gesetz verbietet. Und da wundern sich manche immer noch, warum unwählbare Parteien so einen Zulauf haben.

  • 2 heuchler 20.07.2026, 11:50 Uhr

    Würde Zeit dass einer derjenigen die anderen Dinge verbieten die sie selbst machen zurück tritt. Ob der Schuld sind immer die anderen Kanzler Merz bald folgt?

  • 1 "Rücktritt" 19.07.2026, 17:56 Uhr

    Herr Jochen Trum, Sie fragen,"Was Spahn von Wüst unterscheidet? Mit einem Satz beantworten Sie die Frage selbst, "Während Wüst nach einem frühen Absturz lernte, anschlussfähig zu werden, stolpert Spahn immer wieder über Affären. Seine letzte Affäre gespickt mit Doppelmoral und Selbstmitleid waren ausschlaggebend für seinen Rücktritt, man sollte die Akte Jens Spahn schließen. Der Mann stand sich zu oft selbst im Weg, genug ist genug.

    Antworten (1)
    • Gerhard Wolter 19.07.2026, 19:08 Uhr

      Bei Spahn erkennt man, im Gegensatz zu Wüst, dass er das macht, was er in seiner Lehre zum Bankkaufmann erlernt hat: Scheiße für teures Geld verkaufen. Das versuchen zwar auch viele andere Politiker, aber keiner macht es so offensichtlich. Gut, dass er erst einmal weg ist.

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