Der Herbst bietet die Gelegenheit, Balkonkästen und Kübel neu zu bepflanzen – mit feinen Gräsern, filigranen Blättern, hellen Blüten und unterschiedlichen Wuchsformen. Heidepflanzen spielen dabei eine besondere Rolle. Sie bringen Farbe, Struktur und erstaunlich viel Dauerhaftigkeit mit, ohne den Balkon optisch zu überladen. Neben der bekannten Knospenheide (Calluna vulgaris) lohnt sich dabei ein genauerer Blick auf verschiedene Erica-Arten – und auf eine besonders ungewöhnliche südafrikanische Art: Erica verticillata.
Weniger Farbe, mehr Atmosphäre
Eine schicke Herbstbepflanzung lebt nicht unbedingt von möglichst vielen Farben. Viel spannender wirkt eine reduzierte Palette aus Weiß, Creme, zartem Rosa, Silbergrün und verschiedenen Grüntönen. Dazu kommen unterschiedliche Formen: aufrecht wachsende Pflanzen, kugelige Polster und Gewächse, deren Triebe locker über den Gefäßrand fallen. So entsteht Spannung, ohne dass es unruhig wirkt.
Rosafarbene Heide kann beispielsweise mit einem feinen Gras und einem silbrig-grünen Blattpartner kombiniert werden.
Knospenheide – ein unkomplizierte Herbstklassiker
Die Knospenheide gehört zur Art Calluna vulgaris. Ihre Besonderheit sind die sogenannten Bud-Bloomers: Die Blütenknospen bleiben geschlossen und sorgen dadurch für eine besonders lange, stabile Farbwirkung, bieten jedoch Insekten keine Nahrung in Form von Nektar oder Pollen.
Sie lässt sich in Kästen, Schalen und Töpfen kultivieren und bevorzugt einen sonnigen Standort sowie einen gut drainierten, sauren beziehungsweise kalkarmen Wurzelraum.
Modern wirkt sie, wenn man sie nicht flächig aneinanderreiht, sondern mit "Luft" zwischen den Pflanzen arbeitet. Zwei oder drei gleiche Heidepflanzen in einem länglichen, schlichten Gefäß wirken häufig zeitgemäßer als eine bunte Mischung aus vielen Heidefarben.
Bei einem bienenfreundlichen Balkon sollten auch offen blühende Heideformen wie zum Beispiel Schneeheide oder Glockenheide dazugesetzt werden.
Während Calluna vulgaris eher kompakte Polster bildet, bietet die Gattung Erica eine große Bandbreite an Formen. Es gibt niedrige, bodendeckende Arten ebenso wie deutlich aufrechter wachsende Sträucher. Gerade diese Unterschiede machen Erica interessant für eine moderne Balkonbepflanzung. Viele Arten bevorzugen Sonne, einen gut drainierten und eher sauren bis neutralen Boden.
Für den Herbst kann man beispielsweise sommer- und herbstblühende Arten mit winterblühenden Heidepflanzen kombinieren. Französische Gartenliteratur empfiehlt ebenfalls, die unterschiedlichen Blütezeiten von Calluna, Erica und Daboecia gezielt zu kombinieren, um über viele Monate Farbe zu erhalten.
Baumheide bringt Höhe ins Gefäß
Eine ganz andere Wirkung hat die Baumheide, beispielsweise Erica arborea. Sie bildet einen aufrechten, strauchigen Wuchs und kann langfristig deutlich größer werden als die klassischen Balkonheiden.
Auf dem Balkon dient sie als Strukturelement. Ein einzelnes Exemplar in einem hochwertigen, ausreichend großen Kübel kann den vertikalen Schwerpunkt einer Pflanzung bilden.
Erica arborea ist immergrün und besitzt feine dunkelgrüne Blätter. Die weißen, duftenden Blüten erscheinen hauptsächlich im späten Winter und Frühjahr. Sie bevorzugt einen gut drainierten Standort in voller Sonne.
Der besondere Blickfang: Erica verticillata
Ein absoluter Blickfang ist Erica verticillata – das südafrikanische Heidekraut. Charakteristisch sind seine aufrechten Triebe und die auffälligen, länglichen, rosa bis mauvefarbenen Röhrenblüten, die in dichten Quirlen an den Triebspitzen stehen. Die Blütenform ist ungewöhnlich: Statt der kleinen, eher glockenförmigen Blüten vieler europäischer Heidearten besitzt es längliche, röhrenförmige Blüten. Erica verticillata ist immergrünen und kann am Naturstandort zu einem aufrecht wachsenden Strauch mit einer möglichen Höhe von etwa 1 bis 1,5 Metern werden. Damit unterscheidet sie sich deutlich von der klassischen Vorstellung einer niedrigen, flächigen Heide. Allerdings ist sie in unseren Breitengeraden nicht so winterhart (bis minus 6 Grad).
Spannend ist auch ihre Geschichte: Erica verticillata stammt von den Cape Flats bei Kapstadt. Durch Lebensraumverlust und frühere Nutzung als Schnittblume verschwand sie an ihren natürlichen Standorten und galt als "Extinct in the Wild". In den 1980er-Jahren wurden kultivierte Pflanzen wiederentdeckt. Seitdem ist die Art Bestandteil bedeutender Erhaltungs- und Wiederansiedlungsprogramme des südafrikanischen National Biodiversity Institute SANBI und des Botanischen Gartens Kirstenbosch.
Autorin: Anja Koenzen
Redaktion: Iris Möller-Grätz
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