Dort wechseln Ableger, Jungpflanzen, Saatgut und überschüssige Gartenpflanzen den Besitzer – meist kostenlos oder gegen einen kleinen Tausch. Was für den einen Gärtner zu viel geworden ist, kann für jemand anderen genau das Richtige sein.
Warum gibt es Pflanzentauschbörsen?
Pflanzen lassen sich erstaunlich leicht vermehren. Stauden werden geteilt, Kräuter bilden Ableger, Tomaten und andere Gemüsearten werden aus Samen gezogen und Zimmerpflanzen bringen regelmäßig neue Triebe hervor. Irgendwann ist der eigene Garten oder die Wohnung jedoch voll, während gleichzeitig andere Pflanzenfreunde nach genau solchen Exemplaren suchen.
Hier setzen Pflanzentauschbörsen an: Sie bringen Menschen zusammen, die Pflanzen, Erfahrungen und Wissen miteinander teilen möchten. Statt überschüssige Pflanzen wegzuwerfen oder sie ungenutzt im Topf stehen zu lassen, können sie weitergegeben werden und an einem anderen Ort wachsen. Gleichzeitig kommen Gartenfreunde unkompliziert an neue Pflanzen, die sie vielleicht im Handel gar nicht finden würden.
Damit leisten Pflanzentauschbörsen auch einen kleinen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Wer vorhandene Pflanzen vermehrt und weitergibt, kann den Bedarf an neu produzierten Pflanzen und den damit verbundenen Transport- und Verpackungsaufwand reduzieren. Besonders interessant sind dabei regionale oder alte Sorten, die von Garten zu Garten weitergegeben und so erhalten werden können.
Warum lohnt sich der Besuch?
Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Pflanzen gibt es bei vielen Tauschbörsen für wenig Geld oder sogar kostenlos. Statt mehrere Euro für einen neuen Topf auszugeben, kann man einen eigenen Ableger oder eine andere Pflanze zum Tausch mitbringen.
Auch ohne umfangreiches Tauschmaterial lohnt sich ein Besuch, denn häufig sind die Veranstaltungen ausdrücklich offen für alle Garteninteressierten. Noch wichtiger als die mögliche Ersparnis ist die Auswahl. Auf Pflanzentauschbörsen finden sich nicht selten besondere Sorten, selbst gezogene Jungpflanzen oder bewährte Gartenpflanzen, die von Hobbygärtnern aus der Region stammen. Wer auf der Suche nach einer bestimmten Tomatensorte, Kräuterpflanze, Staude oder Zimmerpflanze ist, hat deshalb gute Chancen auf interessante Entdeckungen.
Hinzu kommt der persönliche Austausch. Erfahrene Gärtner geben Tipps zur Pflege, zum Standort oder zur Vermehrung und erzählen oft aus eigener Erfahrung, welche Pflanzen unter den örtlichen Bedingungen besonders gut gedeihen. Gerade für Gartenanfänger kann das wertvoller sein als eine allgemeine Pflegeanleitung. Und nicht selten entstehen bei solchen Veranstaltungen neue Kontakte zu anderen Menschen mit ähnlichen Interessen.
Was kann man selbst mitbringen?
Wer eine Pflanzentauschbörse besucht, sollte zunächst prüfen, ob Pflanzen, Ableger oder Saatgut aus dem eigenen Bestand vorhanden sind, die weitergegeben werden können. Geeignet sind beispielsweise geteilte Stauden, bewurzelte Stecklinge, selbst gezogene Jungpflanzen, Kräuter, Zimmerpflanzen oder überschüssiges Saatgut.
Hilfreich ist es, die Pflanzen möglichst eindeutig zu beschriften. Ein kleines Schild mit Pflanzenname, Standortansprüchen und gegebenenfalls besonderen Pflegehinweisen erleichtert anderen die Auswahl. Bei Saatgut empfiehlt es sich, zumindest die Pflanzenart und das Ernte- beziehungsweise Abfülljahr anzugeben.
Wer nichts zum Tauschen hat, sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Viele Börsen funktionieren nicht ausschließlich nach dem Prinzip"Pflanze gegen Pflanze". Teilweise werden Pflanzen verschenkt, teilweise gibt es kleine Verkaufspreise oder Spendenkassen. Welche Regeln gelten, sollte man allerdings vorab beim jeweiligen Veranstalter nachfragen.
Wo findet man Pflanzentauschbörsen?
Die größte Herausforderung besteht oft darin, überhaupt herauszufinden, wann und wo eine Pflanzentauschbörse stattfindet. Denn solche Veranstaltungen werden häufig von lokalen Vereinen, Gemeinschaftsgärten, Kleingartenvereinen, Umweltgruppen, Kommunen, Volkshochschulen oder engagierten Privatpersonen organisiert und deshalb nicht immer überregional beworben.
Eine gute erste Anlaufstelle sind die Internetseiten der eigenen Stadt oder Gemeinde. Auch lokale Veranstaltungskalender können Hinweise liefern. Wer gezielt sucht, kann beispielsweise nach Begriffen wie "flanzentauschbörse", "Pflanzentausch", "Gartenflohmarkt", "Saatguttausch" oder "Pflanzenmarkt" zusammen mit dem eigenen Ort oder der Region suchen.
Ebenfalls lohnenswert ist ein Blick auf die Webseiten und Social-Media-Kanäle örtlicher Gartenbauvereine, Kleingartenvereine, Umweltverbände und Gemeinschaftsgärten. Auch regionale Facebook-Gruppen oder andere lokale Online-Communities kündigen solche Termine häufig an. Wer regelmäßig teilnehmen möchte, kann sich zudem bei Vereinen oder Veranstaltern nach einem Newsletter oder Veranstaltungskalender erkundigen.
Gerade im Frühjahr und Herbst lohnt sich die Suche. In diesen Jahreszeiten finden besonders viele Tauschveranstaltungen statt, weil dann Stauden geteilt, Pflanzen umgesetzt, Jungpflanzen weitergegeben und Saatgut getauscht werden. Die konkreten Termine unterscheiden sich jedoch von Region zu Region, weshalb ein Blick auf aktuelle Veranstaltungshinweise immer sinnvoll ist.
Vor dem Besuch kurz nachfragen
So unkompliziert Pflanzentauschbörsen grundsätzlich sind, die Bedingungen können unterschiedlich sein. Manche Veranstaltungen sind reine Tauschaktionen, andere verbinden den Pflanzentausch mit einem Pflanzenmarkt, einem Gartenfest oder einem Vortrag. Teilweise wird eine Anmeldung verlangt, teilweise kann man einfach vorbeikommen. Die Pflanzenbörse mybotanica in Hamm beispielsweise kostet 10 € Eintritt, findet zwei Mal im Jahr statt und ist vor allem für Zimmerpflanzenliebhaber interessant.
Wer eine bestimmte Pflanze sucht oder selbst größere Mengen mitbringen möchte, sollte deshalb vorher die Veranstaltungsinformationen prüfen. Dort finden sich in der Regel auch Angaben zu Ort, Uhrzeit, Teilnahmebedingungen und möglichen Kosten.
Autorin: Anja Koenzen
Redaktion: Iris Möller-Grätz
Service Garten ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort freitags zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.