Klimawandel und Landwirtschaft: Der Blauglockenbaum als Hoffnungsträger
Bildquelle: WDR/Michael Jung3 Min. 21 Sek.. Verfügbar bis 27.08.2028.
Hoffnungsträger für die Landwirtschaft : Ist das der Baum der Zukunft?
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Von oben erinnert der Baum an Brokkoli. Aber damit hat diese Entdeckung weniger zu tun. Denn dieser Baum wächst rasant, bindet viel CO₂, stammt aus Asien und liefert leichtes Holz. Hanna Bonsels baut seit fünf Jahren den Blauglockenbaum an. Jetzt wird er in der Industrie als Baustoff getestet.
Er kommt mit Hitze und Trockenheit klar und bindet extrem viel CO₂: der Blauglockenbaum. Ein Experiment am Niederrhein soll zeigen, ob die asiatische Wunderpflanze auch für industrielle Zwecke taugt.
Klimabaum Paulownia: schnellwachsend und hitzeresistent
Aus dem Holz der Blauglockenbäume lassen sich auch Hütten bauen.
Bildquelle: WDR/Michael JungKaum zu glauben, dass diese elf Meter hohen Bäume wirklich erst vier Jahre alt sind. 4.000 davon stehen auf der Plantage der Familie Bonsels. Tochter Hanna hat an der Uni Bonn Agrarwissenschaften studiert und über den Blauglockenbaum ihre Examensarbeit geschrieben. Jetzt lotet sie die Möglichkeiten der Pflanze in der Praxis aus. Ihr Fazit nach Hitze und Trockenheit in diesem Sommer: alles bestens!
"Die Bäume lieben eher das wärmere Wetter und auch Hitze können die gut tolerieren. Die Besonderheit ist, dass die Bäume, wenn sie Trockenstress haben, einfach das Wachstum einstellen." Hanna Bonsels, Landwirtin
Trotzdem braucht die Pflanze gerade in der ersten Zeit viel Pflege: Konkurrenz am Boden entfernen, Seitentriebe abschneiden, den Boden verdichten, damit die Wurzeln nach unten wachsen.
Chance für die Landwirtschaft: kurze Umtriebszeiten und CO₂-Zertifikate
Die Bäume in Neukirchen-Vluyn gehören zu einer hybriden Sorte. Das heißt, sie können sich nicht unkontrolliert vermehren. Paulownia, wie der Blauglockenbaum auch genannt wird, ist für Landwirtin Hanna Bonsels ein Experiment: "Uns hat gestört, dass die Landwirtschaft immer schlecht dargestellt wird: Wir verbrauchen zu viel Pflanzenschutz, zu viel Dünger und dann haben wir gedacht: Es muss doch auch Alternativen geben, wo man diese Sachen nicht braucht."
Industriepartner Trox: Leichtes Holz für Brandschutz und Technik
Auf der Suche nach Alternativen für nachhaltige Produktion ist auch die Lüftungs- und Klimatechnikfirma Trox aus Neukirchen-Vluyn. Ein weltweit arbeitendes Unternehmen, das schon den Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt, ausgestattet hat. Das Plantagen-Projekt in der Nachbarschaft fand Christine Roßkothen von Anfang an interessant. Sie ist zuständig für Nachhaltigkeit bei Trox.
Das Holz der Blauglockenbäume wird bei der Firma Trox getestet und verifiziert.
Bildquelle: WDR/Michael JungTrox probiert das Holz jetzt im Brandschutz aus. Denn der Blauglockenbaum brennt erst bei viel höheren Temperaturen als etwa eine heimische Eiche. Im Brandlabor in Neukirchen-Vluyn testen sie Brandschutzklappen, deren Rahmen aus Paulownia besteht.
Baum ist sehr resistent gegen Feuer
Ein unabhängiges Prüfinstitut im österreichischen Linz hat gerade bestätigt: Das System hält einem Zwei-Stunden-Feuer stand. Nun kann es weitergehen, freut sich Mario König, Versuchsleiter im Trox-Brandschutzlabor: "Jetzt können wir auch mit der Klassifizierung und Zertifizierung starten, um dann das Produkt möglichst schnell zeitnah verkaufsbereit zu machen."
Bäume in Reih und Glied: seitlicher Blick in die Plantage
Bildquelle: WDR / Michael JungAn der Plantage in Neukirchen-Vluyn ist gerade eine Hütte aus Paulownia gebaut worden. Sie soll einen Eindruck von der Holzqualität geben. Landwirtin Hanna Bonsels glaubt, dass sich künftig mehr Anwendungen für den Blauglockenbaum finden werden: "Das Paulownia-Holz ist ungefähr ein vierfaches leichter als Eichenholz. Sonst kennt man ja von schnellwachsenden Holzarten, dass die eine sehr schlechte Holzqualität haben. Das ist bei Paulownia-Holz nicht so. Das hat eine wabenförmige Zellstruktur, wodurch das Holz sehr stabil ist."
Interesse auch bei Landwirten in der Region
Auch Landwirte aus der Umgebung würden inzwischen Blauglockenbäume anbauen. Das Holz kann schon nach zehn Jahren geerntet werden; der Baum treibt immer wieder neu aus. Und weil er jedes Mal viel CO₂ bindet, leistet er einen besonderen Beitrag zum Klimaschutz. Deshalb können sich Paulownia-Landwirte sogar CO₂-Zertifikate anrechnen lassen.
Unsere Quellen:
- Landwirtschaftsbetrieb Bonsels
- Trox-Gruppe
- Beobachtungen und Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Klimawandel und Landwirtschaft: Der Blauglockenbaum als Hoffnungsträger, 30.08.2026, 6 Uhr
